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Das Karwendelgebirge zur Linken, das Wettersteingebirge zur Rechten – eine prachtvolle Kulisse für die Kapelle „Maria Rast“ bei Krün.

Freie Sicht ins neue Jahr

Die Feiertage sind vorbei, der Hosenbund kneift. Wie wäre es jetzt mit einem ausgedehnten Spaziergang oder einer Runde Langlauf in klarer Winterluft? Östlich von Garmisch-Partenkirchen...

...verbindet ein Loipenparadies den Isarwinkel mit dem Werdenfelser Land. Im Ort Kaltenbrunn geht’s schon los. Hier verläuft die anspruchsvolle Weltcup-Runde, in der die Top-Biathletinnen Magdalena Neuner und Martina Beck die Messlatte der internationalen Sportszene hochgelegt haben. Wer es selbst einmal versuchen will: Zielen, schießen, laufen – der kann während der Veranstaltung „Biathlon für Jedermann“ zeigen, was er drauf hat.

Etwas gemäßigter, dafür mit wunderbarem Blick auf das Panorama, steigt man in Wallgau oder in Krün in die Spur. Egal, ob Skating oder Klassisch, Auswahl gibt es im Oberen Isartal mit den über 80 Kilometer präparierten Loipen genug. Und falls die Schneelage zum Langlaufen nicht reicht? Macht überhaupt nichts! Dann startet man auf Schusters Rappen und spaziert zwischen Krün und Mittenwald auf einem freien Höhenrücken aussichtsreich ins neue Jahr hinein. Mitten über die Buckelwiesen, geologische Andenken aus der Eiszeit, zieht eine genussreiche Route schnurstracks gegen Süden.

Am Anfang geht’s wenige Höhenmeter auf einem Fahrweg bergauf, dann steht man vor der Kapelle „Maria Rast“. Bei diesem Anblick wird einem wirklich warm ums Herz. Das bizarre Karwendelgebirge zur Linken und das überzuckerte Wettersteingebirge zur Rechten bilden eine prachtvolle Kulisse für das malerische Gotteshaus. Allein die Krüner Bürger, darunter Handwerksmeister und viele Helfer, erbauten und finanzierten die Kapelle „Maria Rast“, die im Jahr 1998 eingeweiht wurde. Die Tür steht meist offen und so lässt sich auch die Innenausstattung bewundern. Das meisterliche Altarbildnis zeigt eine hochschwangere rastende Maria, Josef steht neben ihr. Umgeben und behütet werden sie von Engeln verschiedener Hautfarbe, was die Gleichheit aller Menschenrassen versinnbildlichen soll.

Es laden zwar viele Bänke vor der Kapelle „Maria Rast“ zum Ausruhen ein, doch für eine eigene Rast ist es noch zu früh. Lieber folgt man dem breiten Weg und genießt den Rundblick auf die winterliche Bergwelt. Blickfänger ist die makellos weiße Ostflanke der Alpspitze mit 2628 Metern. Aber auch der Nahblick auf unzählige Heustadel, die über die Buckelwiesen verstreut sind, ist sehr reizvoll. Der höchste Punkt (990 Meter) unseres Ausfluges liegt unweit eines Bergbauernhofes, der „Goas-Alm“. Im dortigen Hofladen gibt’s Ziegenkäse aus eigener Produktion. Wenn die Schneesituation passt, könnte man jetzt noch eine „Schleife“ über die welligen Wiesen dranhängen, anstatt auf dem gleichen Weg zurückzuwandern. Dabei folgt man, kurz vor der „Goas- Alm“, dem abwärts führenden Weg. Eine Etage tiefer zieht man windgeschützt unterhalb des Höhenrückens dahin, bevor man später wieder in die bekannte Route mündet. Falls Sie am 15. Januar unterwegs sind, könnten Sie bei Ihrer Rückkehr in Krün noch zum Rathaus spazieren. Dort tanzen die Schäffler in farbigen Uniformen. Die Wurzeln der Schäffler gehen zurück in die Schreckensjahre des 30-jährigen Krieges und der Pest. Der traditionelle Schäfflertanz galt als Zeichen dafür, dass die Menschen auch in Notzeiten Zuversicht, Mut und Freude bewahren sollten. Alle sieben Jahre wird getanzt. Mit diesem Vorzeichen kann das neue Jahr doch nur gut werden.

VON DORIS NEUMAYR

ZWISCHEN KRÜN UND MITTENWALD

ANFAHRT – Auto: A95 München-Garmisch bis Autobahnende. Auf B2 Richtung Mittenwald. Rechts beim Schild „Krün 2 km – Bärnbichl“. Unterführung durchfahren und geradeaus in den Ortsteil Bärnbichl (Straße „Am Bärnbichl“). Links in die „Finzbachstraße“ (gegenüber ist eine Telefonzelle) und weiter bis zum Parkplatz an Loipe (Nr. 5) mit Loipenplan (gebührenpflichtiger Parkplatz). Bahn/Bus: Bahnhof Klais und mit dem RVO-Bus (9608) nach Krün, Info: www.bahn.de und www.rvo-bus.de

TOUR – Spaziergang: Meist auf asphaltiertem, geräumten Fahrweg (für öffentlichen Verkehr gesperrt), trotzdem unbedingt Wanderstiefel mit rutschfester Sohle, eventuell Wanderstöcke. Auch als Nordic-Walking-Strecke geeignet. Gesamtstrecke 6,8 km, Gehzeit ca. 2,5 Stunden, 130 Höhenmeter. Vom Parkplatz auf der „Finzbachstraße“ zurückgehen bis zur Telefonzelle. Straße „Am Bärnbichl“ überqueren und geradeaus in die „Hochstraße“ (Schild: „Zur Kapelle“). Im lichten Wald bergauf bis zur Kapelle „Maria Rast“. Weiter auf der Fahrstraße/Fahrweg über das freie Hochplateau (Schild: „Mittenwald über Buckelwiesen“) bis zur Goas- Alm (990 m).

Rückweg entweder auf gleicher Route oder (bei geringer Schneeauflage) kurz vor der Goas-Alm auf nicht geräumtem Fahrweg bergab (Schild: „Barmsee, Tennsee“). An Verzweigung rechts (Schild: „Krün 0:35 h“) und auf geräumtem Fahrweg (Stangenmarkierung) bergauf zum Hochplateau. Dort auf bekannter Route zurück.

GOAS-ALM – Käserei und Hofladen. Von Okt. bis Mai: elf bis 16 Uhr. Juni bis Sept: zehn bis 17 Uhr. Montag ist Ruhetag. Telefon 08823/ 2573. www.goas-alm.de

WINTERSPORT – Kostenfreie Loipen. Loipenbericht und -pläne: www.kruen.de oder www.alpenwelt-karwendel. de. „Biathlon für Jedermann“ in Kaltenbrunn. Mittwochs elf bis 13 Uhr. Anmeldung in den Tourismusbüros.

INFORMATIONEN – Tourist-Information Mittenwald, Tel.: 0 88 23 / 33 981 oder Krün, Tel.: 0 88 25 / 10 94. TIPP – Historischer Schäfflertanz. Vor dem Rathaus in Krün am 15. Januar 2012 ab 14.30 Uhr.

KARTE – Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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