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Eine wunderschöne neue Route führt Tourengeher aufs 1986 Meter hohe Schönalmjoch im Karwendel bei Hinterriss – das fantastische Panorama gibt’s außerdem dazu...

Ein Gewinn für alle

Was macht eine ideale Skitour aus? Wie immer: Aller guten Dinge sind drei!

Erstens: Die Schneequalität muss stimmen – ob Pulver oder Bruchharsch, das kann sich je nach Wetterlage bisweilen von Tag zu Tag ändern.

Zweitens: Niemand will bloß Höhenmeter machen – eine reizvolle Landschaft mit Panoramablick gehört dazu.

Drittens: Lohn für die Mühen des Aufstiegs sollte eine attraktive Abfahrt in entsprechend geeignetem Skitourengelände sein.

Was den letzten Aspekt angeht, litt das Schönalmjoch im Karwendel trotz seines klangvollen Namens lange Zeit unter einem Schönheitsfehler. Bis auf den baumfreien und an norwegische Gletscherregionen erinnernden Gipfelbereich bot das Schönalmjoch skifahrerisch kaum lohnenswerte Hänge. Ruppige Waldstücke, ewige Forststraßen – wäre da nicht die zweifellos hevorragende Aussicht, hätten Skibergsteiger diesen 1986 Meter hohen Gipfel im Winter sonst wohl allein den Schneeschuhwanderern überlassen. Neuerdings allerdings macht eine geänderte Routenführung das Schönalmjoch zu einem absolut interessanten Skitourenberg. Und diese deutliche Verbesserung ist ausgerechnet dem Naturschutz zu verdanken!

Kompass-Karte 26, Karwendelgebirge.

Oftmals greift die Radikallösung, wenn es gilt, sensible Regionen vor menschlicher Nutzung zu schützen: Sie werden komplett gesperrt. Am Schönalmjoch dagegen haben die Österreichische Bundesforste AG, der Alpenpark Karwendel, die Alpenvereine und die Jägerschaft gemeinsam einen Kompromiss gefunden: die kanalisierende Lenkung der Wintersportler unter dem Motto „Tourengehen mit Rücksicht auf Wald und Wild“. Zu diesem Zweck ist eine schon vorhandene Schneise am Rücken Altkot ausgeholzt und enorm verbreitert worden, sodass sie jetzt eine wunderbare Tiefschneeabfahrt ergibt. Der Effekt dieser „Tourengeherschneise“ ist, dass die Wintersportler sich unterhalb des Rosskopfs nicht mehr durch Aufforstungsflächen ihren Weg zu suchen brauchen. Letztlich ein Gewinn für alle: Die Skitourengeher dürfen eine wirklich lange und schöne Abfahrtspassage genießen, Wildtiere wie Rothirsch, Gams oder Birkhuhn haben ihre Ruhe, und an den jungen Bäumen entstehen keine Schäden mehr durch scharfe Skikanten. Am Start der Tour sowie einmal unterwegs informieren große Informationstafeln über die neue, heuer seit Januar offiziell freigegebene Routenführung. Ein Appell an Vernunft und den Naturschutzgedanken der Wintersportler. Denn ein kleines Manko bleibt: Im unteren Teil, wo bei guter Schneelage im Jungwald reizvolle Hänge locken, soll der Skiwanderer bitteschön auf der Forststraße bleiben.

„Das umgesetzte Gemeinschaftsprojekt belegt eindrucksvoll, dass Fragen der Besucherlenkung auch in Schutzgebieten ohne Verbote und Sperrgebiete gelöst werden können“, freut sich Hermann Sonntag, Geschäftsführer des Alpenpark Karwendel. „Schlüssel für ein gutes Miteinander im Naturraum“ seien die Freiwilligkeit und das Verantwortungsbewusstsein der Tourengeher. Sonntag hofft, dass die „Attraktivierung der alten Route“ den Winter-Alpinisten genug Rücksicht entlockt und sie vom Wild-Wald-Schongebiet fernhält.

Von Martin Becker

SCHÖNALMJOCH (1986 METER)

ANFAHRT – A 95 (Ausfahrt Sindelsdorf) bzw. A 8 (Ausfahrt Holzkirchen), Richtung Bad Tölz. Weiter nach Lenggries und zum Sylvensteinstausee. Über Vorderriss nach Hinterriss. Ausgangspunkt ist der erste Parkplatz direkt am Ortseingang von Hinterriss (linke Seite).

TOUR – Etwa 100 Meter zurück zur Brücke über den Rissbach zur Informationstafel über die neue Routenführung. Man folgt der Forststraße in mehreren Kehren nach Osten. Nach einer Linkskehre geht es Richtung Westen zur zweiten Infotafel. Nun bleibt man auf der Forststraße, Schlossgraben und Kapellengraben (dazwischen erfolgten früher Anstieg und Abfahrt) werden gequert, bis an der Verlängerung des Rücken Altkot die neue Tourengeherschneise beginnt. Sie führt in direkter Linie (Südwest-Exposition) zur Waldgrenze und nordwestlich vom Rosskopf auf die freien Gipfelhänge des Schönalmjochs. Abfahrt entlang der insgesamt recht lawinensicheren Aufstiegsroute. Gehzeit: 3 Std. Aufstieg (1100 Hm), Abfahrt: ca. 45 Min.

KARTE – Kompass-Karte 26, Karwendelgebirge.

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