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Nichts stört das 360-Grad-Panorama: Auf den letzten Metern zur Halserspitze (1863 Meter) mit dem Blaubergkamm im Hintergrund.

Touren von der Gufferthütte

Entschleunigte Welt

Ein wunderbares Bergwochenende: Ab 9 Uhr morgens Stau vor Garmisch, die Salzburger Autobahn ist ab dem Irschenberg dicht. Der Tegernsee ist auch kein Geheimtipp. Wohin also?

Wie wär’s mit Steinberg, noch vor dem Achensee? Dorthin verirren sich nicht viele Wanderer. Auf den ersten Blick lockt hier nur der anspruchsvolle Guffert oder der lange Unnütz. Aber da ist auch noch eine Hütte versteckt, und wer genau schaut, der kann von hier aus sogar die Blauberge von Süden her erobern. Und mitten in diesem abgelegnen Winkel gibt es auch noch alte Felsinschriften – und mountainbiken kann man auch noch. Aber der Reihe nach. Für Familien ist die Tour zur Hütte perfekt: Forststraße und dann ein hübscher Weg am Filzmoos-Bach führt über herrliche Wiesen zur Gufferthütte (1465 m). Die Schilder des Geopfades erklären anschaulich, wie es zu dieser Landschaft gekommen ist. Hier ist die Welt friedlich – und, das muss gesagt werden, unspektakulär. Dafür machen die Hüttenwirte des ehemaligen Ludwig-Aschenbrenner- Hauses bei der DAVKampagne „So schmecken die Berge“ mit, d.h. sie kochen ordentlich mit regionalen Produkten auf.

Aber vor der Einkehr locken Gipfel und Jöcher. Der Guffert ist zwar der Paradeberg für Ehrgeizige, aber ganz im Sinne des Trends zur Entschleunigung geht’s nun auf die Halserspitze, gleich nach der Hütte nordwestlich hinauf. Vom Aussichtsbankerl nach wenigen Metern sieht man, völlig unerwartet, an klaren Tagen sogar die Zillertaler Berge, Großglockner und Großvenediger. Das nächste Staunen entlockt das Wildalm-Filz, das man umrundet, das manchmal wie ein See im Nebel liegt.

Ein solider Bergweg führt dann hinauf zum schmalen Rücken der Halserspitze: Nichts stört das 360-Grad-Panorama. Tausende von Gipfeln verleiten dazu, sofort Pläne zu schmieden. Zum einen wäre das die Blauberg-Überschreitung nach Westen, immer am Kamm entlang: Eine ausblickreiche Genussrunde für Konditionsstarke. Zum anderen warten aber doch gegenüber die Felsinschriften, die sich bisherigen Übersetzungsversuchen erfolgreich widersetzt haben.

Dazu geht man von der Kehre gleich unter der Hütte nach Süden: Die Wiesen steilen bald auf und eigentlich lohnt es sich, gleich die Stunde zum Schneidjoch zu gehen. Auf dem Rückweg biegt man dann links ab: Unübersehbar der keine Felsspalt, an dem ein Schild angebracht ist: „Europäisches Kulturgut“. Die Ausflüge zum Schneidjoch und zur Halserspitze sind auch heute noch den Wanderern vorbehalten. Den Weg zur Hütte kann man hingegen perfekt mit dem Mountainbike die Forststraße am Bach entlang in einfachem Gelände abkürzen. Sogar E-Bikes können auf der Hütte, die am Bike Trail Tirol liegt, aufgeladen werden: Es locken nämlich noch weitaus größere Runden. Ganz zu schweigen von dem Klettergarten am sonnigen Abendstein. Vielleicht wird’s ja doch gleich ein Wochenende im Sinne der Hüttenwirte: Man muss Gegenpole setzen zum Massentourismus und zur hektischen Arbeits- und Event-Welt...

Freia Oliv

GUFFERTHÜTTE (1465 M)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. B 318 und B 307 zum Tegernsee, B181 zum Achensee. Vor Achenkirch Abzweig rechts Ri. Steinberg. Parkplatz Köglboden / Gufferthütte.

TOUREN – a) Gufferthütte (1465 m): GZ ges. 3 h, knapp 2h rauf, 1h runter, 500 Hm. Wanderung leicht. Ab Parkplatz Gufferthütte / Köglboden den Forstweg sanft hinauf. An der Kehre am Bach führt der Fußweg gut beschildert die letzten 20 Min. direkt zur Hütte.
b) Halserspitze (1863 m). Ab Hütte: GZ 1:30 h, 400 Hm. Wanderung leicht-mittel. Hinter der Gufferthütte den markierten Weg nach NW, das Wildalm-Filz rechter Hand umgehen. Nach der Wildalm re. den Weg steiler hinauf zum Blaubergkamm, re. weiter am breiten Grat zum Gipfel.
c) Blauberg-Überschreitung ab Hütte: GZ 4:30 h, Wanderung mittel. Zur Halserspitze (s. o.). Vom Gipfel den Kamm zurück nach W über Karspitze (1801 m). Dann den Kamm entlang bis Blaubergalm. Dort nach O (Markierung BB2) zurück über Schönleitenalm zum Aufstiegsweg oder ohne Hüttenrückkehr ab der Alm direkt zum Forstweg absteigen.
d) Schneidjoch (1810 m) und Felszeichnungen. Ab Hütte: GZ 1:45 h, 350 Hm, Bergwanderung leicht-mittel. Ab der Kehre unterhalb der Hütte nach Süden auf markierten Spuren. Steil die Grasflanke hinauf. Auf 1700 m geht es nach W weglos zum Gipfel. Auf dem Rückweg in der steilen Grasflanke den Abzweig nach li. zu den Felszeichnungen nicht verpassen. Von dort markiert hinunter zur Forststraße.
e) Guffert (2194 m). Ab Hütte: GZ 3:30 h, 800 Hm.; Wanderung schwer, ausgesetzt, mit Seilversicherung.

RADTOUREN – a) Forstweg zur Gufferthütte leicht, ca. 1:15 h, 500 Hm., 7,5 km. Ideal für Bike & Hike.
b) Guffertrunde: MTB mittel, 4 h, 980 Hm., 40 km. Ab Hütte ins Brandenberger-Ache-Tal, oberhalb Kaiserklamm nach Pinegg, Steinberger Ache nach Steinberg, Straße zurück.

EINKEHR – Gufferthütte, Tel.: 0043/676 629 24 04; Internet: www.gufferthuette.at

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