+
Eine erste Rast auf dem Weg zur Rudersburg lohnt am Gipfel der Wetterfahne: Von der Bank aus schaut man weit ins Kaisergebirge hinein.  

Erst wandern, dann baden

Doppeltes Vergnügen

Den perfekten Tag gibt es, wenn auch nicht so häufig. Dann, wenn keine Wolke die Bergsicht trübt und die Sonne derart wärmt, dass man nach einer Tour noch in einem See abtauchen kann.

Wie vor einigen Tagen im Kaiserwinkl in Tirol, als man nach einer atemberaubenden Wanderung zum markanten Gipfel der Rudersburg in den überraschend angenehm temperierten Walchsee gehüpft ist.

Hintenherum auf die Felsbastion

Die Runde startet in Kössen und verläuft über zwei kleine Gipfel am Südende der Chiemgauer Alpen, die bereits in Tiroler Gebiet liegen. Jetzt im Hochsommer startet man am besten schon frühmorgens zu dieser Tour. Denn auch wenn der Bergwald anfangs ein wenig Schatten spendet, wird es später brütend heiß. So aber schlendert man im Frühtau unter dem Baldachin der leuchtend grünen Laubbäume dahin. Dann ist auch schon die Hinhageralm erreicht. Und erst jetzt kann man den besonderen Reiz der Tour erkennen: Hier im freien Almgelände weitet sich der Blick und hinter den sanften Weiden mit der urigen Hütte stehen dunkel und bedrohlich die Kare und Nordabstürze des Kaisergebirges Wache. Ein wunderbarer Kontrast, der an ein Zitat des Philosophen und Kirchengelehrten Thomas von Aquin (1225-74) denken lässt: „Der Urgrund alles Schönen besteht in einem gewissen Einklang der Gegensätze.“

Doch das Panorama wird noch besser. Mit jedem Schritt staunt man mehr, erkennt an klaren Tagen die Berchtesgadener Gipfel und auch die schneebedeckten Hohen Tauern. Diesen wunderbaren Ausblick kann man dann an der Wetterfahne, dem ersten Gipfel mit Ban-kerl und riesigem Windrichtungsgeber (eben einer Wetterfahne) genießen. Dann wandert man – teilweise weglos, teilweise auch anhand von Trittspuren – über den breiten Kammrücken des Berges und steht plötzlich schon ganz nahe vor der Rudersburg, die in der Tat wie eine trutzige Felsbastion dasteht. Doch leider gibt es kein direktes Hinaufkommen bei dieser Festung. Man muss also noch ein gutes Stück absteigen und um den Gipfel herumwandern, ehe man über seine „schwache“ Rückseite den höchsten Punkt erklimmen kann.

Der Rückweg quert dann unter der Wetterfahne hindurch zur Hinhageralm, wo sich der Kreis schließt und es schnurstracks hinunter zum Ausgangspunkt geht.

Hier angekommen, ist an einem heißen Sommertag die Sehnsucht nach Abkühlung groß – sehr groß. Also fährt man in wenigen Minuten mit dem Auto zum Walchsee, sucht sich einen Badeplatz und wird feststellen, dass es in diesem Moment nichts Schöneres gibt, als ins erfrischende Nass zu springen. Die müden Füße und erhitzten Köpfe im See zu kühlen, ist eine unbeschreibliche Wohltat. Und dazu ein majestätisches Vergnügen: Der Kaiser wacht auch über die im Wasser planschenden Ausflügler...

Von Bernhard Ziegler

RUDERSBURG (1434 METER)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, A.-Dr. Inntal, Inntalautobahn A 93, Ausfahrt Oberaudorf. Rechts Richtung Niederndorf/Walchsee und B 172 bis Kössen. Beim ersten Kreisverkehr B 176 Richtung Schleching. Beim zweiten Kreisverkehr bleibt man auf der B 176 (Kössener Straße), biegt aber schon nach 350 m links in den Mühlbachweg ein. Über die gleich folgende Brücke geht es über die Straße „Staffen“ zum gleichnamigen Ortsteil. Hier parkt man am zweiten Wanderparkplatz zur Edernalm (616 m).

TOUR – Aufstieg: Beim Ww. gegenüber vom Parkplatz beginnt die auf den ersten Metern asphaltierte Forststraße zur Rudersburg. Nach gut 10 Minuten vollzieht die Straße eine Kehre. 300 m danach verlässt man bei einem Schild die Straße und steigt auf einem schmalen Wanderweg bergan. Schon nach kurzer Zeit trifft man auf einen querlaufenden Karrenweg, dem man rechts folgt. Der Weg erreicht die Hinhager-Alm (1010 m), wo man einen Wegweiser rechts unterhalb der Almhütte anpeilt. Hier rechts und auf kleinem Steig im Zickzack über den Wiesenhang hinauf zum breiten Kamm der Wetterfahne und zum Gipfel. Weiter entlang des Kammes flach nach Westen. Meist findet man nur Pfadspuren, doch immer weisen Markierungen und der Kammverlauf eindeutig den Weg. Hat man die Rudersburg nahe vor sich, überschreitet man eine weitere Kammerhebung. Dahinter geht es – Grundrichtung beibehaltend – weglos abwärts. Auf 1240 m dreht man im lichten Wald nach rechts. Über einen Waldstreifen erreicht man ein Feuchtgebiet und bald ein Schild zur Rudersburg. Hier rechts, steiler hinauf in ein Tälchen, aus dem rechts der Gipfelanstieg beginnt. Die Route quert auf die Westseite der Rudersburg. Über Stock und Stein zum Gipfelkreuz.

Abstieg: Zurück zum Wegweiser beim Feuchtgebiet. Hier folgt man der Beschilderung „Kössen“ und landet so bald auf einer breiten Almstraße. Auf ihr nach links (Osten) zur Naringalm und weiter zur Hinhageralm, wo man auf die Anstiegsroute trifft. Auf ihr zurück zum Ausgangspunkt.

Alternative: Wer auf dem Rückweg einkehren möchte, kann über die Edernalm (905 m) absteigen. Dazu zweigt man von der Almstraße zur Naringalm im spitzen Winkel nach unten ab (Abzweigung ist nicht zu übersehen) und wandert auf der Almstraße zur Edernalm und zurück zum Ausgangspunkt. Aufstieg: knapp 3 Std.; Abstieg: 2 Std.; Höhendifferenz: 900 Hm. (inkl. Gegenanstieg); Distanz: 9 km gesamt.

TIPP – Sommerrodelbahn Walchsee (www.zahmerkaiser. com/sommer/sommerrodelbahn-walchsee.html).

KARTE – Kompass-Karte 9, Kaisergebirge.

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen

Mehr zum Thema