Acht Minuten waren es, die die Welt veränderten, damals, am 26. Dezember 2004, als eine verheerende Welle über die Küsten Asiens hinwegspülte und Tod und Zerstörung brachte. Nach dem Tsunami...

© dpa
Alles wie früher, und doch anders: Der Tsunami hat das Urlaubsland Thailand verändert.
...kann nichts mehr sein wie es früher war. Und auch der Tourismus in Thailand ist anders, nachdenklicher, bewusster. Zwei Beispiele:
Es sind Ferien, aber im Zimmer der Direktorin bearbeiten drei kleine Mädchen munter einen PC. Es geht um ein Programm mit Mode. Über das Internet kommt die Welt auch in dieses abgelegene Dorf mit gerade mal 227 Einwohnern.
Nicht alle Spenden, die nach dem Tsunami die verwüstete Region erreichten, erwiesen sich als so sinnvoll. „Diese Bäckerei wurde von Coca Cola errichtet“, vermerkt ein Schild an der Dorfstraße. Das Schild ist geblieben, die Bäckerei gibt es nicht mehr. Denn in Ban Talae Nok isst keiner Semmeln oder Donuts, gebacken und gekocht wird zu Hause.
Mareyah hatte Glück gehabt. Die Familie hat zwar ihr Haus hinter dem Strand verloren, aber ihr Mann und die beiden Kinder, 8 und 14 Jahre alt, konnten sich retten. Am Tag, als der Tsunami kam, haben sie ein unheimliches Donnern vom Meer gehört. Mit der ganzen Familie auf dem Motorrad raste ihr Mann zu den nahe gelegenen Hügeln.
Derzeit gibt es etwa 200 Übernachtungen pro Jahr in Ban Talae Nok – Familienanschluss inbegriffen. Allein die hausgemachte Thai-Küche, wie man sie so in keinem Restaurant bekommt, ist ein Erlebnis. Gegessen wird auf Matten am Boden.
Ungewöhnlich für unsere Vorstellung vom Islam – aber in diesem Dorf sind die Frauen die Macher, die die Geschäfte führen. Abgesehen von der Bootsfahrt durch die Magroven kümmern sie sich um die Touristen. Und die müssen ohne viele Worte beschäftigt werden. Zum Beispiel mit Tücher batiken, Nachspeise kochen, Palmblätter flechten.
Nach dem Tsunami waren für die Frauen handwerkliche Ausbildungen organisiert worden. Als Erfolgsmodell entpuppte sich die Herstellung natürlicher Seifen aus verschiedenen Ölen und Aromen wie Zitronengras, Safran und Ingwer. Auf Seifen aus Ban Talae Nok trifft man heute sogar im luxuriösen Banyan Tree Hotel in Phuket (s.u.).
Sie freue sich, wenn Gäste kommen, sagte Mareyah zum Abschied. „Für uns ist es schwierig zu reisen, deshalb ist es schön, dass man sich hier treffen kann.“ Außerdem sei es lustig, sich mit Gesten zu unterhalten.
Monika Reuter
ANREISE Thai Airways fliegt täglich ab München nonstop nach Bangkok. Inlandsflüge nach Phuket starten von dort mehrmals am Tag. Kuraburi, von wo aus man nach Ban Talae Nok und zu anderen Dörfern an der Andamanensee gelangt, liegt etwa drei Auto-Stunden von Phuket entfernt.
REISEZEIT Von November bis Februar ist das Klima im Süden Thailands für Europäer am angenehmsten. März bis Mai sind die heißesten Monate. Ab Mai beginnt die Regenzeit, die in Südthailand aber keinen Dauerregen, sondern heftige kurze Güsse bedeutet.
DORFURLAUB Andaman Discoveries bietet Ein- und Mehrtagesaufenthalte. In den Dörfern ist die Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten wie Bootstouren, Wanderungen oder Handwerken möglich. Zwei Tage in Ban Talae Nok kosten etwa 85 Euro pro Person inklusive Essen, Aktivitäten, lokale Führer, Übersetzer und Transfer von Kuraburi. www.andamandiscoveries.com.
REISETYP Zu den Dorf-Aufenthalten für Touristen sagt Bodhi Garrett von Andaman Discoveries: „Wir wollen keine Fünf-Sterne-Urlauber ansprechen, sondern Menschen, die sich auf den Lebensstil im Dorf einlassen und den Einheimischen offen und auf Augenhöhe begegnen.“
BANYAN TREE ist eine thailändische Luxus-Hotelkette mit Häusern vorwiegend im asiatischen Raum. Das Banyan Tree in Phuket kann über Reiseveranstalter wie Thomas Cook, Lotus Travel oder Dertour gebucht werden. Ab 169 Euro pro Nacht mit Frühstück. www.banyantree.com.
WEITERE INFOS Thailändisches Fremdenverkehrsamt in Frankfurt, Tel. 069/1381390, im Internet: www.thailandtourismus.de
Zu dem riesigen Areal des Hotels gehört auch ein Stück „Wildnis“, in dem geführte Spaziergänge für Kinder angeboten werden. In Ermangelung von Tigern und anderen Raubtieren zaubern die Ranger deren Spuren auf die sandigen Pfade. Echt sind hingegen die Ameisennester in den Bäumen und die Termitenhügel im Gebüsch. Kinder können hier ein Stück tropische Natur im wahrsten Sinne des Wortes begreifen.
Banyan Tree ist eine Hotelkette, die Träume wahr macht. Phuket war ihr erstes Resort. Dass das Hotel keine Strandfront hat, betrachtete Gründer Ho Kwon Ping (59) als kreative Herausforderung. Sie inspirierte ihn zu der Idee, ein Villen-Hotel im Thai-Stil zu bauen – jedes Haus mit einem eigenen Pool.
Banyan Tree ist ein Musterbeispiel für nachhaltigen Öko-Tourismus. Leise schnurrende Elektro-Buggies chauffieren die Urlauber über das weitläufige Areal. Regenwasser wird in Reservoirs aufgefangen. Und unter Palmen haben ein paar ausgediente Arbeitselefanten Asyl bekommen. Zwei Dollar pro Übernachtung gehen in eine Stiftung, die Ausbildungen für Kinder, Pflanzaktionen für Bäume und Schutzprogramme für Schildkröten finanziert. Und vielleicht das Wichtigste: Von den 560 Mitarbeitern sind 90 Prozent Einheimische.
Garrett sieht sich als Entwicklungsmanager, der eng mit den Dorfbewohnern zusammenarbeitet. So entstand das Konzept des Gemeindebasierten Tourismus („homestay“). Die Unterkünfte sind einfach, meist kleine, nur mit Matratze und Moskitonetz ausgestattete Zimmer. Doch die Aufnahme ist sehr herzlich und unkompliziert. Die Gäste erleben hier dörflichen Alltag in einem touristisch weitgehend unerschlossenen Gebiet. Und für die Dorfbewohner ergibt sich ein kleines Zusatzeinkommen, wovon 10 Prozent an die Gemeinde abgeführt werden.
Der Tourist muss allerdings bereit sein, sich auf die örtlichen Gegebenheiten einzulassen. „Die Urlauber sollten neugierig und gelassen sein und als Freunde kommen“, sagt Garrett. Um Enttäuschungen zu vermeiden, setzt er auf gute Vorbereitung: „Die Gäste müssen wissen, was sie erwartet.“ Garrett gibt seinen Kunden sehr konkrete, praktische Empfehlungen für die Dorfaufenthalte, bis hin zur Kleiderordnung, dazu eine Broschüre mit den wichtigsten Vokabeln. Außerdem stellt er Dolmetscher und lokale Führer. Ziel ist ein sanfter, sich langsam entwickelnder, individueller Tourismus.
Zwölf Dörfer arbeiten mit Andaman Discoveries zusammen. Umfragen der Agentur zufolge waren 90 Prozent der Gäste zufrieden, fünf Prozent äußerten sich neutral, nur fünf Prozent waren unzufrieden. Für ihr Engagement und das Konzept erhielt die Reiseagentur letztes Jahr den internationalen „To do!-Preis“ für Sozialverantwortlichen Tourismus.
Monika Reuter
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