+
Skelett-Fund in Sosopol: Um die Toten daran zu hindern, als Vampire zurückzukehren, wurden sie im Grab gepfählt.

Horror-Reiseziel

Bulgarien zeigt grausigen Vampir  

Sosopol - Die bulgarische Kleinstadt Sosopol freut sich über ihre gruslige Geschichte. Als Horror-Reiseziel will sie jetzt bei Urlaubern mit echten Vampiren punkten.

Die Bulgaren gingen im Mittelalter besonders grausam gegen Menschen vor, die sie für schlecht hielten. Nach dem Tod rammten sie ihnen einen Pfahl aus Eisen oder Holz in den Brustkorb. Damit wollten sie verhindern, dass die Männer und Frauen, die zu Lebzeiten angeblich vom Bösen besessen waren, nach ihrem Tod als Vampire die Lebenden terrorisierten. Jüngste Funde von Skeletten aus dem 12. und 13. Jahrhundert bestätigten diese Grausamkeiten, erläutert der Historiker Boschidar Dimitrow, der das Nationale Museum für Geschichte in Sofia leitet.

„Diese Praxis ist in unserem Land noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts üblich gewesen“, sagt Dimitrow. Anfang Juni gaben bulgarische Archäologen bekannt, dass sie in Sosopol am Schwarzen Meer zwei Vampirskelette entdeckt hätten - das eines Mannes und vermutlich das seiner Ehefrau. Wenige Tage später wurden in der alten Hauptstadt Weliko Tarnowo Überreste eines weiteren angeblichen Vampirs gefunden.

Das Skelett des Vampirmannes von Sosopol ist nun samt Eisenpfahl im Nationalen Museum für Geschichte zwischen orthodoxen Ikonen, thrakischen Schätzen und römischen Statuen prominent ausgestellt. Hunderte Menschen seien schon gleich zu Beginn gekommen, „offensichtlich angelockt durch das Vampirskelett“, sagt eine Eintrittskarten-Verkäuferin. Die Vampir-Überreste sind seit Mitte Juni in dem Museum am südlichen Stadtrand der bulgarischen Hauptstadt zu bestaunen.

Unter den Museumsbesuchern sind auch neugierige Ausländer. „Ich habe noch nie einen Beweis dafür gesehen, dass mit einem Skelett so umgegangen ist, weil man es einem Vampir zuschrieb“, sagt Mary Bruns aus Washington. Dagegen sei der berühmte Vampir Graf Dracula, der angeblich aus Transsylvanien im heutigen Rumänien stammt, nur eine Fictionfigur.

Wer war der Vampir von Sosopol in Wirklichkeit? Er könnte ein verkrüppelter Mann Namens Kriwitsch (der Krumme) gewesen sein, mutmaßt Dimitrow in heimischen Medien. Kriwitsch sei vermutlich ein Pirat gewesen, da Chroniken beschrieben, wie er und seine Männer ein venezianisches Schiff vor Sosopols Küste geplündert hätten.

Die vielen Museumsbesucher haben offensichtlich keine Angst vor dem Vampir. Trotzdem bot das Museumscafé in den ersten Tagen nach der Präsentation des Skeletts Knoblauch an. Dem Aberglauben zufolge sollen Knoblauchzehen in der Tasche vor Vampiren schützen, erklärt eine Museumsaufsicht.

Im Gegensatz zum Skelett von Sosopol wurden die Überreste des Vampirs in Weliko Tarnowo nach einem orthodoxen Ritual mit Wein übergossen und im Hof einer Kirche wieder bestattet. In Bulgarien wurden bislang mehr als 100 Gräber angeblicher Vampire entdeckt. Dies freut die Tourismusbranche: Als internationales „Horror-Reiseziel“ könnte Bulgarien dem Nachbarland Rumänien die Touristen wegschnappen, die in Massen zum angeblichen Geburtsort von Graf Dracula strömen.

Von Elena Lalowa, dpa

Rumänien: Gruseln in Castel Dracula

Die Länder im Nebenkosten-Check

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen