Der Meister zeigt sich in der Beschränkung. Stimmt immer. Gerade, wenn’s drum geht, Autos zu bauen. Mal schauen, was man weglassen kann. Und mal schauen, wie viel Mehrwert dabei rauskommt. Zum Beispiel bei diesem Kerl hier … Wir dürfen vorstellen: der Mini John Cooper Works Roadster. Langer Name für ein kurzes Auto. Ein Auto, bei dem man vor allem sagen muss, was es NICHT hat.
Kein Blechdach.
Keine Rückbank.
Direkt hinter dem Rücken des Fahrers ist der Innenraum vorbei. Keine Alibi-Rücksitze, nix da. Das entspricht sowohl bayerischer Alltagslogik, die keine halben Sachen mag („gscheit oder gar ned“) als auch der puristischen britischen Sportwagen-Tradition (schauen Sie sich mal die Lotus Elise an...). Die britische Firma Mini in den Händen des bayerischen Konzerns BMW: Mit dem John Cooper Works Roadster, ihrem sportlichsten Spross, hat sie sich auf die Wurzeln besonnen. Muss wohl auch so sein, wenn man das Teil schon ausdrücklich nach John Cooper benennt. Der war nicht bloß Rennwagen-Konstrukteur, sondern auch selber Rennfahrer.
Keine Weichspüler-Einstellung.
Gut, man kann beim Fahren wählen zwischen Normalmodus und Sport-Einstellung. Und gut, man spürt einen deutlichen Unterschied zwischen beiden. Aber: Schon ohne den Sportknopf ist dieser Mini schlicht und einfach eine Fahrmaschine. Mit knackigem Fahrwerk, mit sensibler Lenkung. Da spürt man die Straße genau – so wie ein Sprinter die Laufbahn durch die dünne, Spike-besetzte Sohle. Ebenso genau spürt man, was die 211 Pferdchen unter der Haube machen. Dieser Mini ist zwar kein Super-Sportwagen mit Brutal-Beschleunigung – aber er hat immer genug Kraft.
Kein überflüssiges Blech.
Vor den Vorderrädern und hinter den Hinterrädern hört das Auto auf (Mini-Sprech: „An jeder Ecke ein Rad“). Raus kommt ein Flitzer, den man man entweder recht kurz oder recht breit nennen könnte – je nachdem, von wo aus man ihn anschaut. Zusammen mit der steifen Karosserie ist die Folge so oder so eine feine Straßenlage, perfekt für Kurven-Gaudi. Ab auf die Landstraße!
Keine Zurückhaltung.
Schon die Lackierung … Unser Testwagen zum Beispiel ist rot mit schwarzen Streifen. Das schreit in Richtung des Passanten: Schau mich an! Wer dann auch noch hören will: gern. Die Auspuffanlage ist eh schon – sagen wir – offenherzig. Und wenn der Fahrer ordentlich Gas gibt, kann er sich darauf verlassen, dass es beim Hochschalten Fehlzündungen gibt. Klingt nach einem kleinen Feuerwerk, was ja dann wiederum zum Fahrspaß passt.
Kein 08/15.
Mini selber nennt diesen Roadster zwar „voll alltagstauglich“ – aber man kann drüber streiten, was das genau heißt. Der Kofferraum entspricht jedenfalls dem Markennamen, und die Geräuschkulisse lädt nicht gerade zu längeren Unterhaltungen mit dem Beifahrer ein. Natürlich kann man mit diesem Auto zum Einkaufen oder ins Büro fahren. Man spürt dabei aber immer: Eigentlich ist der John Cooper Works Roadster nicht nach dieser A-nach-B-Logik gebaut.
Keine Angst.
Sportlich, rassig, puristisch – trotzdem ist dieser Mini in unserem Test nie zickig geworden. Keine Schreckmomente, kein „Jetzt wird’s aber eng“ in der schnellen Kurve. Dieses Auto ist praktisch ein Sonnyboy: macht einen Riesen-Haufen Spaß, macht Eindruck, macht keine Probleme. Ob es das Richtige für den Alltag ist, ist eine andere Frage.
Uli Heichele


© MiniSicher nicht 08/15: Der John Cooper Works Roadster wirkt schon optisch rassiger als die Mini-Kollegen




















































