Die Prostata – ein wunder Punkt des Mannes: Interview über Vorsorge und Krebs

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    • 25.02.13
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Die Prostata – ein wunder Punkt des Mannes

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München - Der Prostata ist ein wunder Punkt des Mannes. Wir sprachen mit Urologin Yvonne Kammerer über die beste Vorsorge und die neuesten Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs.

Ein Arzt zeigt auf die 3D-Abbildung einer Prostata

© dpa

Ein Arzt zeigt auf die 3D-Abbildung einer Prostata

© WestermannUrologin Dr. Yvonne Kammerer

Der wunde Punkt des Mannes ist kastaniengroß, sitzt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre. Die Hauptaufgabe der Prostata (Vorsteherdrüse) ist die Fortpflanzung. Hier wird die Flüssigkeit gebildet, die die Spermien aktiv unterstützt. In der Prostata wird zudem das Geschlechtshormon Testosteron in seine aktive Form umgewandelt. Das sorgt nicht nur für die Männlichkeit, sondern leider auch für Probleme: Gilt dieser Prozess doch als einer der Gründe, warum sich in der Prostata besonders häufig bösartige Geschwulste bilden.

Mit rund 63.000 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr ist Prostatakrebs die mit Abstand häufigste Krebserkrankung beim Mann. Mit einem Anteil von rund zehn Prozent steht er an dritter Stelle bei den zum Tode führenden Krebserkrankungen.

Die Urologin Yvonne Kammerer hat sich auf die Behandlung von urologischen Tumoren und des Prostatakrebs spezialisiert. Die tz sprach mit ihr über die beste Vorsorge und die neuesten Behandlungsmöglichkeiten.

Was passiert, wenn ein Karzinom entdeckt wird?

Dr. Yvonne Kammerer: Ganz wichtig ist es, mit dem Patienten und am besten auch mit den Angehörigen zu sprechen. Nicht jedes Karzinom muss behandelt werden. Es hängt vom Alter, vom allgemeinen Gesundheitszustand und der Lebenserwartung des Patienten ab. Es gibt Krebsarten, da kann man unter regelmäßiger urologischer Kontrolle zuwarten. Wir nennen das „Active Surveillance“. In vielen Fällen jedoch ist es sinnvoll, den Tumor möglichst schnell zu therapieren, entweder durch eine radikale Entfernung oder die Bestrahlung der Prostata. Beide Verfahren können den Patienten vollständig heilen. Bei Patienten mit Metastasen verzichtet man meist auf eine Operation und beginnt zum Beispiel mit einer Hormontherapie. Die Hormontherapie kann den Krebs über Jahre zum Stillstand bringen. Das männliche Sexualhormon wird blockiert und dadurch dem Tumor der Nährboden entzogen. Allerdings gibt es Nebenwirkungen: Es kann zu Brustwachstum, Osteoporose und zum Nachlassen der Libido kommen.

Operationen sind auch problematisch: Der „Barmer Krankenhausreport „hat im vergangenen Jahr Zahlen veröffentlicht. Demnach klagen 70 Prozent der Patienten nach einer radikalen Operation über Impotenz, 16 Prozent wurden inkontinent.

Kammerer: Es kommt sehr darauf an, wie viel Erfahrung der Operateur hat und mit welcher Technik gearbeitet wird. Man kann heute die Nerven, die für die Erektion und die Kontinenz zuständig sind, sehr gut erhalten. Ich arbeite deshalb ausschließlich mit namhaften Kliniken in Deutschland zusammen. Man kann nur jedem Patienten raten, sich vor einer bevorstehenden Operation genau zu erkundigen und sich von seinem behandelnden Urologen ausführlich beraten zu lassen. Bei einer frühen Diagnosestellung kann heute in den meisten Fällen eine kontinenzerhaltende und nervschonende Operation durchgeführt werden. Eine alternative Therapieoption bei Prostatakrebs ist die Strahlentherapie. Diese ermöglicht nach aktueller Studienlage ebenfalls gleichwertige Heilungschancen. Jedoch muss man wissen, dass trotz verbesserten Bestrahlungstechniken auch Nachbarorgane, wie zum Beispiel der Darm und die Harnblase in Mitleidenschaft gezogen werden können. Das kann auch noch nach Jahren zu Nebenwirkungen wie Drangblase, Stuhlinkontinenz oder Entzündungen führen. Auch hier können Impotenz und Inkontinenz als Spätfolge auftreten.

Gibt es neue Entwicklungen in der Behandlung?

Kammerer: Wenn die Hormontherapie nicht mehr wirkt, steht jetzt seit einigen Wochen eine neue Chemotherapie mit dem Wirkstoff Abirateronacetat zur Verfügung. Bisher mussten Chemotherapien als Infusionen meist in der Klinik verabreicht werden. Diese neue Therapie gibt es nun in Tablettenform. Das macht die Durchführung für den Betroffenen deutlich angenehmer und unkomplizierter. Dazu hat sich die Therapie in Studien als schonender herausgestellt und es treten weniger Nebenwirkungen auf. Ich habe schon einige Patienten, die das Medikament bekommen, und die ersten Erfahrungen sind sehr gut. Einer meiner Patienten fliegt demnächst für vier Wochen in den Urlaub. Auch dieses Medikament verspricht wie die Hormontherapie keine Heilung, aber es kann das Wachstum des Tumors stoppen oder zumindest verlangsamen. Mein Ziel ist es, jedem Patienten die bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen. Dazu gehört auch ein gezieltes Vorgehen gegen mögliche Nebenwirkungen der Therapie. Sollte es im Verlauf der Erkrankung zu tumorbedingten Schmerzen (Knochenmetastasen) kommen, so können auch diese effektiv behandelt werden und durch eine auf den Patienten abgestimmte Schmerztherapie die Lebensqualität verbessert werden.

S. Stockmann

PSA-Wert allein sagt wenig aus

Männern ab 40 Jahren wird geraten, einmal im Jahr die Vorsorgeuntersuchung wahrzunehmen. Insbesondere, bei familiärer Vorbelastung. Die urologische Vorsorge umfasst die Tastuntersuchung der Prostata und eine Untersuchung mit einem speziellen Schallkopf eines hochauflösenden Ultraschallgerätes durch den Enddarm. Außerdem ist die Bestimmung des PSA-Wertes (prostata­spezifisches Antigen) von Bedeutung. Obwohl der PSA-Wert viel diskutiert und umstritten ist, gilt er für die frühzeitige Diagnose eines Prostatakrebses als unverzichtbar. Für eine Erhöhung des PSA-Werts gibt es unterschiedliche Ursachen. Es muss nicht immer Krebs sein. Eine gutartige Vergrößerung ebenso wie eine chronische Prostataentzündung oder mechanische Einflüsse auf das Organ (Sex, Radfahren). Urologin Kammerer rät: „Der PSA-Wert sollte regelmäßig bestimmt und sein Verlauf genau beobachtet werden.“ Es gibt aber seltene Formen des Prostatakrebses, die sich nicht durch eine PSA-Erhöhung bemerkbar machen. Daran kann man erkennen, wie wichtig die Kombination aller drei Vorsorgemaßnahmen ist. Besteht der Verdacht auf einen Tumor, so muss eine Biopsie vorgenommen werden: Die Urologin Yvonne Kammerer arbeitet zusätzlich zum üblichen Schmerzzäpfchen immer mit einer örtlichen Betäubung: „Bei mir soll der Patient keine Schmerzen spüren.“ Bei der Prostata-Biopsie werden an zehn bis zwölf verschiedenen Stellen kleine Gewebeproben entnommen und auf Tumorzellen untersucht.

Individuelle Therapie finden

Prostatakrebs ist auch eine Erkrankung des Alters. Etwa jeder zweite 60-Jährige hat einen Tumor, bei den 80-Jährigen sind schon zwei von drei Männern betroffen. Laut Robert-Koch-Institut liegt das mittlere Erkrankungsalter bei 69 Jahren. Die Erkrankung gilt als gut heilbar, solange der Krebs auf das Innere der Prostata begrenzt ist und keine Metastasen gebildet hat. Gerade in höherem Lebensalter des Patienten wachsen manche Tumore so langsam, dass der Patient schließlich einmal mit ihm, aber nicht an ihm sterben wird. Daher muss jeder Fall individuell betrachtet, und immer für den einzelnen Mann bewertet werden, ob die Vorteile oder die Nachteile einer Behandlung überwiegen.

Ein Frauenteam (auch) für Männer

© WestermannDr. Yvonne Kammerer (2. v. rechts) und ihr Praxisteam

Männliche Frauenärzte sind Normalität. Eine Frau als Urologin ist dagegen noch immer eine Seltenheit. „Frauen machen eine andere Medizin, wir gehen mehr auf die Patienten ein und sind bei Untersuchungen vorsichtiger“, sagt Yvonne Kammerer – und das schätzen nicht nur die weiblichen, sondern auch ihre männlichen Patienten. Manche finden es anfangs ungewöhnlich, zu einer Ärztin zu gehen. „Wenn das erste Gespräch und die Untersuchung stattgefunden haben, höre ich sehr oft: „Sie haben mir ganz die Angst genommen.“ Klar ist: Niemand lässt sich gern an solch sensiblen Körperregionen untersuchen. Daher ist es der Fachärztin besonders wichtig, eine Atmosphäre in ihrer Praxis zu schaffen, in der sich die Patienten wohlfühlen: „Wir bemühen wir uns im Team um jeden Patienten, gehen auf sein Befinden und seine Bedürfnisse ein.“ Yvonne Kammerer hat die anspruchsvolle Zusatzausbildung Medikamentöse Tumortherapie abgeschlossen. Warum sollten sich Krebspatienten nicht in der Klinik, sondern in der Arztpraxis behandeln lassen? Yvonne Kammerer: „Sie erhalten eine ausgezeichnete medizinische Versorgung, und die Patienten müssen sich nicht auf verschiedene Ärzte einstellen. Ich bin für meine Patienten die Ansprechpartnerin für alle medizinischen Fragen, bin aber auch da für ihre Sorgen und Nöte.“ Die Fachärztin behandelt alle urologischen Tumore. Sind Operationen oder Bestrahlungen notwendig, arbeitet sie mit namhaften Kliniken zusammen, z. B. mit dem Roman-Herzog-Krebszentrum (RHCCC) der TU München: „Ich bin offizielle Kooperationspartnerin.“

sus

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