Inkontinenz – Schluss mit Peinlichkeit und Tabuisierung von Prof. Dr. Dr. R. Muschter.

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    • 01.02.09
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Inkontinenz: Schluss mit Peinlichkeit

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Syke -  In meinem Sprechzimmer sitzt meine Patientin und druckst herum, sie mag nicht so recht ihre Beschwerden schildern.

Prof. Dr. Dr. R. Muschter, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Prostatazentrum.

Dann fasst sie sich ein Herz: „Immer wenn ich niesen muss, husten oder auch beim Lachen, dann verliere ich Wasser, und das ist so furchtbar, dass ich kaum noch aus dem Haus gehen mag!“ Sie ist sehr unglücklich. – Das höre ich von sehr vielen Patienten und Patientinnen. Mehr als fünf Millionen Deutsche haben das gleiche Leiden.

Die von meiner Patientin beschriebenen Beschwerden nennt der Arzt belastungs-abhängige Inkontinenz oder auch Stress-Inkontinenz.

Wir machen ein paar Untersuchungen, um herauszufinden, was für eine Form der Inkontinenz meine Patientin hat. Denn es gibt verschiedene Ursachen, die den unkontrollierbaren Harnverlust verursachen können:

Der häufigste Grund ist bei Frauen die nachlassende Muskelkraft im Becken-Boden. Hier kann ich als Arzt leicht Abhilfe schaffen: Es gibt einfache Übungen, mit denen die Muskeln wieder aufgebaut werden können. Dann hat eine ganze Reihe von Medikamenten sehr gute Wirkkraft. Manchmal kann auch eine Operation nötig werden, aber erst einmal verabrede ich mit meiner Patientin eine Trainings- und Medikamenten-Therapie.

Sie bekommt einen Merkbogen mit Übungen für die Muskeln und ein Präparat zum Einnehmen. Erleichtert, sich endlich durchgerungen zu haben, dies heikle Thema anzusprechen, geht sie nach Hause.

Viele Frauen und auch Männer teilen dieses Schicksal und trauen sich so oft leider nicht, das beim Arzt anzusprechen. Nun gibt es viele Varianten der Inkontinenz: Nur Harnverlust, manchmal aber auch einhergehend mit so genannter Stuhl-Inkontinenz. Das ist eine besonders belastende Form der Erkrankung für das tägliche Leben der vielen Betroffenen.

Aber selbst dafür gibt es gute und erfolgreiche Hilfe.

Doch was ist Inkontinenz – woher kommt es?

Eigentlich sind wir Menschen selbstverständlich daran gewöhnt, volle Kontrolle über unsere Ausscheidungen zu haben. Wer Urin oder Stuhl unwillkürlich verliert, ist inkontinent. Wissenschaftlich gesprochen, ist es die Störung der Speicherfunktion der Harnblase oder des Enddarmes. Speicherfunktionen, die man als junger Mensch doch immer beherrscht hat!

Blase und Darm können zum Beispiel durch Muskelerschlaffung oftmals ihre Aufgaben nicht mehr ordentlich erfüllen. Dann kann die Ursache umgekehrt aber auch eine Störung der Entleerungsfähigkeit der Harnblase oder des Enddarmes sein. Das bedeutet, der Schließmuskel funktioniert ganz normal, aber ein zu starker Entleerungsmuskel – eine „übererregbare“ Blase – verursacht in solchen Fällen den unkontrollierbaren Harnverlust. Das gilt auch für den Darm.

Oft leiden Patienten gleichzeitig unter einer zu großen Blasenmuskelaktivität, mit einer Schließmuskelschwäche kombiniert, begleitet bzw. ausgelöst von krankhaften Veränderungen, beispielsweise einer Senkung bei Frauen oder einer Prostatavergrößerung bei Männern.

Unkontrollierter Harnverlust – das reicht von wenigen Tropfen bis zu größeren Mengen. Dies betrifft in erster Linie ältere Frauen. Oft wird der Harnabgang erst bemerkt, wenn es schon passiert ist. In vielen Fällen geht dem Einnässen aber auch ein plötzlicher, nicht mehr zu unterdrückender Harndrang voraus, und dann reichen Vorlagen oft nicht mehr aus. Der ständige, quälende Harndrang bestimmt auf einmal das ganze Leben. Wer betroffen ist, traut sich irgendwann kaum noch aus dem Haus. Zu Freunden möchte man auch nicht mehr gehen; welches Gespräch macht noch Spaß, wenn jemand alle paar Minuten zur Toilette läuft? Kino und Konzertbesuche werden unmöglich. Selbst spezielle dicke Windeln können oft nicht zuverlässig helfen – gefürchtet sind Undichtigkeit und Geruch.

Wohin kann ich mit meinem Leiden gehen?

Mit einer Harninkontinenz gehen Frauen oft zum Gynäkologen, Männer zum Urologen. Für die Männer ist damit meist der richtige Arzt gefunden, bei Frauen ist das Problem jedoch oft komplizierter, und der Frauenarzt zieht einen Urologen hinzu. Der Urologe führt die Diagnostik durch, die eine Abgrenzung der reinen Schließ-muskelschwäche zu den anderen Ursachen der Harninkontinenz ermöglicht. Geht die Patientin zuerst zum Urologen, wird dieser einen Frauenarzt heranziehen, da nur er die verschiedenen Formen der Senkungen und ihre Bedeutung für die Harninkontinenz beurteilen kann. Bei Stuhlinkontinenz kann weder der Gynäkologe noch der Urologe allein helfen, hier braucht es einen Chirurgen oder Proktologen.

Um dieses Hin und Her für die Patienten einfacher zu machen, gibt es zum Beispiel im Rotenburger Diakoniekrankenhaus ein so genanntes Beckenbodenzentrum. Hier arbeiten Ärzte aus drei Kliniken Hand in Hand: Urologie, Chirurgie und Frauenheilkunde versorgen die Erkrankten und schaffen Abhilfe mit modernster Technik. Die verschiedenen Fachrichtungen arbeiten eng zusammen, um eine optimale Diagnostik und Behandlung zu gewährleisten. Ein Beckenbodenzentrum ist somit immer die richtige Adresse. Gibt es so etwas in Ihrer Umgebung nicht, so können Sie sicher sein, auch viele niedergelassene Urologen und Gynäkologen, Chirurgen und weitere Fachärzte arbeiten qualifiziert zusammen.

Von Prof. Dr. Dr. R. Muschter

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