Krampfadern: Viele Deutsche leiden unter schweren Beinen

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    • 09.08.12
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Viele Deutsche leiden unter Krampfadern

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Berlin - Lange Autofahrten oder schon ein Bürojob -  für die Venenklappe in den Beinen ist das Schwerstarbeit, die ernste Folgen haben kann.

© medi Bayreuth

Schließen die Venenklappen nicht mehr richtig, versackt das Blut in den Beinen. Die Folge: Die Venen leiern aus, es kommt zu Krampfadern.

Das Gefühl kennt jeder: Schwere, angeschwollene und kribbelnde Beine nach langem Stehen oder Sitzen.

In den Beinen hat sich Blut gestaut, weil die Venen mit dem Rücktransport zum Herzen überlastet sind. Richtig unangenehm wird es, wenn die Venenklappen nach jahrelanger Überlastung schlapp machen und der Blutfluss gestört ist. Sichtbares Zeichen sind blaue Knoten an den Unterschenkeln - die Krampfadern. Doch sie sind nicht nur ein ästhetisches Problem. Unbehandelt drohen schmerzhafte offene Beine und lebensbedrohliche Lungenembolien.

Rund 80 Prozent der Bundesbürger haben nach Angaben der Deutschen Venen-Liga Venenbeschwerden. Das reicht von den harmlosen sogenannten Besenreisern bis zur chronisch-venösen Insuffizienz. Jede fünfte Frau und jeder sechste Mann leiden darunter, sagt Norbert Frings, Chefarzt an der Capio Mosel-Eifel-Klinik Bad Bertrich, die nach eigenen Angaben größte und älteste Venenfachklinik Deutschlands.

Krampfadern: Das sollten Sie wissen

Folgen eines langjährigen Krampfader-Leidens sind bräunliche Verfärbungen der Haut, Entzündungen und schlecht heilende Unterschenkelgeschwüre. Diese offenen Beine sind besonders schmerzhaft und schwer behandelbar. 80.000 vorrangig ältere Menschen in Deutschland leiden daran. Gefährlich sind auch die Blutgerinnsel, die die tiefen Beinvenen verstopfen und eine Thrombose auslösen. Wenn das verklumpte Blut in die Lunge wandert, kann es eine Lungenembolie verursachen. „Noch heute sterben daran jährlich 30.000 Deutsche“, sagt der Präsident der Deutschen Venen-Liga, Michael Wagner. Zudem droht eine weitere Gefahr. Jahrelang überbelastete oberflächliche Beinvenen ziehen auch die tieferen Beinvenen in Mitleidenschaft. Ein Eingriff ist dort nicht möglich, sagt Frings. Der Betroffene kann immer wieder neue Krampfadern bekommen.

Varizen, so der exakte medizinische Begriff, entstehen hauptsächlich aus einer angeborenen Bindegewebsschwäche. 95 Prozent aller Fälle sind laut Experten genetisch bedingt. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Begünstigt wird das Leiden durch stehende Tätigkeiten, Übergewicht und Schwangerschaft. „Wenn Mutter und Großmutter bereits unter Krampfadern leiden, sollte die Tochter in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft unbedingt Kompressionsstrümpfe tragen“, rät Phlebologe Frings. Zudem empfiehlt er regelmäßigen Ausdauersport. „Körperliche Bewegung kann die Krampfadern nicht verhindern, aber die Beschwerden reduzieren.“

Veröden, Verschweißen oder Ziehen 

Ein Gefäßspezialist sollte bereits bei Beinbeschwerden und den ersten Anzeichen von Krampfadern aufgesucht werden. „Viele Menschen denken irrtümlich, dass Schmerzen dazu gehören“, sagt Frings. Symptome sind schwere, unruhige Beine, Juckreiz, nächtliche Wadenkrämpfe und knotig-erweiterte Venen. Die Diagnose wird per Ultraschalluntersuchung schnell und schmerzlos gestellt. Eine medizinische Behandlung ist erforderlich, wenn nicht nur eine oder mehrere Venenklappen defekt sind, sondern auch der venöse Blutkreislauf gestört ist. Sollte nur eines von beiden nicht funktionieren, rät der Experte zu körperlicher Bewegung und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen.

Ob Veröden, Verschweißen oder Ziehen - als Therapie bieten sich heute verschiedene Möglichkeiten an. Beim Veröden wird ein Wirkstoff direkt in die Vene gespritzt. Sie entzündet sich, verschließt sich und wird vom Körper abgebaut. Als beste und älteste Methode, Krampfadern beizukommen, gilt das Venenstripping. Dabei werden die kranken Venen minimalinvasiv und bei örtlicher Betäubung aus dem Bein gezogen. „Optisch schaffen wir ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Frings. Rund 300.000 Mal wird diese Operation nach Angaben der Venen-Liga pro Jahr stationär durchgeführt. Hinzu kommt noch eine unbekannte Zahl an ambulanten Operationen. Beim Verschweißen wird eine Spezialfaser in die Vene eingeführt und per Radiowellen oder per Laserstrahlen erwärmt. Sie sterben ab und werden innerhalb von einigen Monaten abgebaut. Allerdings muss der Patient die Behandlung selbst bezahlen. Pro Stammvene kostet das rund 1300 Euro.

Von Grit König, dapd

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