Pillen per Ferndiagnose: DrEd in der Kritik

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL3NlcnZpY2UvZ2VzdW5kaGVpdC9waWxsZW4tZmVybmRpYWdub3NlLWRyZWQta3JpdGlrLXpyLTI4MDIwMjQuaHRtbA==2802024Pillen per Ferndiagnose: DrEd in der Kritik0true
    • 15.03.13
    • News
    • Drucken
Britischer Online-Arzt

Pillen per Ferndiagnose: DrEd in der Kritik

    • recommendbutton_count100
    • 0

Berlin - Ist immer ein Termin beim Arzt nötig oder reicht eine Diagnose rein übers Internet? Rezepte von Online-Ärzten etwa für die Pille danach können einfach sein - aber auch Risiken bergen.

Die britische Online-Praxis DrEd

© Screenshot

Die britische Online-Praxis DrEd

Medikamente per Mausklick beunruhigen Ärzte und Politiker. Besonders auf die britische Online-Praxis DrEd haben es Kritiker abgesehen. Tausendfach besuchen hier auch Patienten in Deutschland eine Fernsprechstunde und lassen sich Arzneimittel verordnen - etwa Mittel gegen Erektionsstörungen, die Pille danach oder Blutdrucksenker. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery und Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) warnen vor Risiken.

„Uns ist aufgefallen, dass sich hier ein expansives Geschäftsmodell entwickelt hat“, sagt Singhammer. Laut DrEd haben seit dem Start des deutschsprachigen Angebots Ende 2011 mehr als 15 000 Patienten die Sprechstunden besucht. Zwei deutsche Mediziner und ein britischer Arzt kümmern sich um die Patienten. Männer- und Frauengesundheit, Sexualgesundheit, Impfungen etwa vor Tropenreisen und Folgerezepte bei Bluthochdruck oder Asthma sind die Schwerpunkte.

Müssen Ärzte Patienten von Angesicht zu Angesicht sehen, um ordentlich zu helfen? „Diagnose und Behandlung allein über das Internet können nicht im Interesse des Patienten sein“, mahnt Montgomery. DrEd-Sprecher Jens Apermann versichert hingegen, Ferndiagnosen folgten strikt den Regeln ärztlicher Praxis und würden nur für wenige Bereiche angeboten. Patienten müssten Fragebögen ausfüllen. Vor allem bei Geschlechtskrankheiten sinke sogar die Gefahr unbehandelter Leiden. Der Gang in die Praxis sei Patienten oft peinlich.

Gerade für die Pille danach dürfe es keine scheinbar einfachen Lösungen geben, hält Montgomery entgegen. Frauen wüssten oft nicht, ob und wie sie die Pille einnehmen sollten. „Bestimmte Präparate haben wegen ihrer hohen Dosis erhebliche Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, Erbrechen, Übelkeit oder auch eine erhöhte Thrombosegefahr.“

Singhammer warnt grundsätzlich: Durch solche Online-Angebote werde der Schutz der Patienten ausgehöhlt. „Das bringt das Risiko von Fehldiagnosen mit sich.“ In Deutschland sind Fernbehandlungen verboten. Ärztliche Beratung und Betreuung gehe zurück, wenn sich noch mehr Versicherte an Portale wie DrEd wendeten, sagt Singhammer. Und nicht zuletzt leide die kleinräumige Struktur der Apotheken in Deutschland. Denn DrEd sendet seine Rezepte an den Patienten - oder direkt an eine deutsche Versandapotheke.

„Die Bundesregierung ist aufgefordert, deutsches Recht so durchzusetzen, dass es nicht unterlaufen werden kann“, fordert Singhammer. Im Bundesgesundheitsministerium werden die entsprechenden Rechtsfragen derzeit überprüft, wie aus einer aktuellen Stellungnahme hervorgeht. „Im konkreten Fall entspricht die Verschreibung wegen des fehlenden Patientenkontakts nicht dem (deutschen) ärztlichen Berufsrecht“, schreibt das Ministerium darin.

In Großbritannien sind Ferndiagnosen mit Verschreiben von Rezepten hingegen sehr wohl zulässig. „Es liegt daher eine Kollision zwischen deutschem und britischen Recht vor.“ Allerdings: Nach einer EU-Richtlinie zur Mobilität der Patienten müssten Verschreibungen anderer EU-Länder in Deutschland anerkannt werden. Bis Oktober muss die Richtlinie umgesetzt werden.

Hinter dem Streit stecken unterschiedliche Ansichten zur digitalen Medizin. Die Bundesärztekammer unterstütze zwar die Erprobung und den Einsatz telemedizinischer Methoden, sagt Montgomery. „Dabei muss Telemedizin aber der Patientenversorgung dienen und nicht der Erschließung neuer Absatzmärkte für die Industrie.“ DrEd-Sprecher Apermann betont, England sei Deutschland bei der Telemedizin um Jahre voraus. Die hiesigen Standesorganisationen der Mediziner seien noch nicht so weit, ihre Berufsordnungen veränderten Patientenwünschen anzupassen: „Die deutschen Ärzte trauen sich das, was wir machen, nicht zu.“

dpa

zurück zur Übersicht: News

Kommentare

Kommentar verfassen

Notrufnummern

  • Polizei: 110
  • Feuerwehr: 112
  • Apotheken-Notdienst: 0 800 288 288 0
  • Telefonseelsorge: 0 800 111 011 1
  • Giftnotruf: 089 192 40
  • Caritas Suchttelefon: 0 800 887 760 00
  • Aids-Beratung: 0 1805 555 444
  • Kinder-Notruf: 0 800 151 600 1

Meistgelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Letzter Monat
  • Themen
Vibrio vulnificus is a bacterium commonly found in warm, brackish waters and estuaries, although with the warming of the oceans, has been detected in more northern waters as well.

Warum gibt es Killer-Bakterien in der Ostsee?

Sie lauern in warmen Wasser und sind unsichtbar, doch sie sind tödlich: Bakterien namens Vibrio vulnificus. Denn sie fressen sich langsam ins Fleisch. Die fiesen Mikroben lauern auch in der Ostsee.Mehr...

Weintraube

Weintrauben mit Kernen sind gesünder

Die Kerne in Weintrauben sind bestimmt nicht jedermanns Sache, die Kerne in Weintrauben. Allerdings stecken gerade in den ungeliebten Traubenkernen Inhaltsstoffe, die Sie kennen sollten.Mehr...

Neuer Ebola-Schnelltest entwickelt

Nagasaki - Japanische Forscher haben nach eigenen Angaben einen Ebola-Schnelltest entwickelt, der zudem noch günstiger ist als bereits existierende Nachweismethoden.Mehr...

Schnarchen führt oft zu Beziehungsproblemen.

Tipps gegen das Schnarchen

Böse Tiere vertreiben oder einen Wald umsägen - Schnarchen kann extrem laut sein. Vor allem den Bettnachbar bringt der Krach um den Schlaf.Mehr...

Bier

Alkoholfreies Bier enthält meist Alkohol

Weißbier, Pils oder Radler  - fast alles gibt es auch als alkoholfreies Bier. Gerade nach dem Sport ist das Bier ohne Blei beliebt. Aber "alkoholfreies Bier" enthält Alkohol. Ist es deswegen ungesund?Mehr...

Eine Impfung gegen krebsauslösende Humane Papillomviren sollte vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen - bei Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten.

HPV-Impfung für Neunjährige

Nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sollten sich Mädchen deutlich früher als bisher gegen sogenannte Humane Papillomviren (HPV) impfen lassen.Mehr...

Alkoholsucht im Alter

Alkoholsucht im Alter - ein gefährliches Tabu

Angesichts der Statistiken über junge Kampftrinker wird die Gefahr für Alkoholsucht bei Senioren oft unterschätzt. Experten warnen besonders vor Wechselwirkungen mit Medikamenten.Mehr...

Paulaner, Weißbier, Biergarten

Plastik im Bier: Münchner Brauerei beschuldigt

München - 70 Partikel Mikroplastik pro Liter Weißbier - das will der emeritierte Professor Gerd Liebezeit bei einer Marke aus München entdeckt haben. Und es ist nicht die einzige Brauerei. Doch es gibt Kritik.Mehr...

Das Ebola-Virus

Ebola-Verdachtsfall in Ghana: US-Bürger gestorben

Ein US-Bürger mit Symptomen der Ebola-Erkrankung ist im westafrikanischen Ghana in einer Klinik gestorben. Dies berichtete der Radiosender Joy FM am Dienstag in der Hauptstadt Accra.Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.