Tausende neue Hausarztpraxen geplant

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    • 20.12.12
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Kampf gegen Ärztemangel

Tausende neue Hausarztpraxen geplant

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Berlin - In vielen ländlichen Regionen werden die Ärzte knapp. Nun soll eine neue Planung helfen. Vor allem mehr Hausärzte sollen aufs Land. Verbraucherschützer zeigen sich enttäuscht.

Angesichts des drohenden Ärztemangels in Deutschland haben die Organisationen des Gesundheitswesens den Weg für fast 3000 neue Hausärzte freigemacht. Eine entsprechende Richtlinie beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken am Donnerstag in Berlin, wie aus G-BA-Kreisen verlautete.

Die Zahl umfasst neu geschaffene und bereits bestehende Niederlassungsmöglichkeiten. Im Vergleich zur bisherigen Planung kommen gut 900 hinzu, die neu entstehen können. Am meisten Hausärzte können sich von jetzt an mit insgesamt 710 nun in den Regionen Nordrhein und Westfalen-Lippe niederlassen, gefolgt von 481 in Niedersachsen und 346 in Baden-Württemberg.

Für die Psychotherapeuten sieht die Richtlinie knapp tausend neue Praxen vor, bereits bisher gab es rund 500 freie Plätze. Auch bei den Fachärzten gibt es Hunderte Zulassungsmöglichkeiten.

Von den mehr als 150 000 niedergelassenen Ärzten heute waren laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) zuletzt gut 60 000 Hausärzte, 78 000 Fachärzte und 17 000 Psychotherapeuten. Laut KBV gehen über 40 000 Haus- und Fachärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Bereits heute gebe es für Hunderte Praxen keine Nachfolger.

G-BA-Chef Josef Hecken sagte, in vielen städtischen Ballungsgebieten gebe es eine Überversorgung an Ärzten. „Wir haben auf der anderen Seite Landstriche, die zwar sehr viele ältere Menschen beheimaten, in denen aber ärztliche Versorgung gegen Null tendiert“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die neue Planung hält Hecken gemeinsam mit weiteren Schritte für geeignet, tatsächlich mehr Allgemeinmediziner aufs Land zu bringen - auch wenn sie bisher oft einen weiten Bogen um ländliche Regionen gemacht hätten. So müssen Ärzte laut Gesetz nun nicht mehr dort wohnen, wo sie arbeiten.

Auf dem Land entfallen zudem finanzielle Strafen bei vielen Arzneiverschreibungen. „Hier wird eine klare Perspektive für junge Mediziner aufgezeigt, dass es attraktive Niederlassungsmöglichkeiten gibt“, sagte Hecken. Der Arzt müsse zu den Patienten gebracht werden - nicht umgekehrt.

Berücksichtigt werde die regionale Alters- und Krankheitsstruktur. Die Richtlinie muss noch vom Bundesgesundheitsministerium geprüft werden, soll aber bereits Anfang des neuen Jahres in Kraft treten.

Die Ärzte begrüßten den Beschluss. „Es freut mich sehr, dass wir dadurch die wohnortnahe Versorgung der Patienten perspektivisch weiter verbessern werden“, sagte Regina Feldmann vom KBV-Vorstand.

Die Bundespsychotherapeutenkammer zeigte sich alarmiert. „Über 6000 psychotherapeutische Praxen sind bedroht“, sagte Präsident Rainer Richter der dpa. Denn der Ausschuss gehe von veralteten Zahlen aus, nach denen es noch viel weniger Psychotherapeuten gegeben habe, als heute. „Wir sind sehr unzufrieden.“

Heftige Kritik übte der Bundesverband der Verbraucherzentrale. Aus Patientensicht verdiene die Festlegung höchstens die Note vier, sagte deren Gesundheitsexpertin Ilona Köster-Steinebach. „Vernachlässigt werden unter anderem die Bedürfnisse von Kindern, Armen und insbesondere von Menschen mit Behinderungen.“ Zwar gebe es eine etwas bessere Versorgung mit Hausärzten auf dem Land. Zentrale Probleme wie die Unterschiede zwischen reichen und armen Stadtteilen blieben weitgehend unverändert. „Statt zukunftsgerichteter Planung bedarfsgerechter Versorgung regiert die Besitzstandswahrung.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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Hausarzt20.12.2012, 17:50
(2)(0)

Damit wurde das eigentliche Problem weder erkannt - oder besser: es durfte nicht erkannt werden - noch wurde es gelöst. Wer auf die blöde Idee kommen sollte, Landarzt zu werden, auf den warten heute schon hunderte von Zulassungsmöglichkeiten in ganz Deutschland nebst Niederlassungsprämien bis zu 60000 € und Baugrundstücken. Aber kein Arzt will aufs Land, heute nicht und nach dieser unsinnigen Reform morgen auch nicht. Wenn ein Arzt nicht aufs Land will, hat er ab Mitte nächsten Jahres aber eine viel größere Auswahl, wohin er nicht will. Und als allerletztes will ein Arzt derzeit in den KV-Bereich Nordrhein, Westfalen-Lippe oder Niedersachsen. Daran ändert auch ein vermindertes Regressrisiko nichts. Es macht praktisch nämlich keinen Unterschied, ob man als Kassenarzt wegen eines Regresses oder wegen Unterfinanzierung der hochqualifizierten Leistung in die Insolenz geht.

Es ist auch wirklich unheimlich weitsichtig, tausende neuer Hausarztsitze auf dem Land zu schaffen, wenn es die dafür notwendigen Ärzte gar nicht gibt. Bei den Landesärztekammern kann man sich kundig machen, wie stark die Prüfungszahlen zum Facharzt für Allgemeinmedizin in den letzten Jahren gesunken sind. Solange sich an der Honorierung und dem planwirtschaftlichen Sachleistungsprinzip der kranken Kassen nichts ändert, wird es von Jahr zu Jahr weniger Haus- und auch Fachärzte im niedergelassenen Bereich geben.

Übrigens ist die Behauptung falsch, dass der Ärztemangel vorrangig auf dem Land bestünde. In den Städten fällt es eben nicht so sehr auf, dass die Zahl der Hausärzte abnimmt. Vor nicht allzu langer Zeit rechnete die KVB vor, dass der bislang einzige wirklich unterversorgte Bereich Bayerns ausgerechnet die Landeshauptstadt ist.

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