Verbraucherzentrale schlägt Alarm: Patienten werden trotz Gesetz kaum geschützt

    • aHR0cDovL3d3dy5tZXJrdXItb25saW5lLmRlL3NlcnZpY2UvZ2VzdW5kaGVpdC92ZXJicmF1Y2hlcnplbnRyYWxlLXNjaGxhZWd0LWFsYXJtLXBhdGllbnRlbi13ZXJkZW4tdHJvdHotZ2VzZXR6LWthdW0tZ2VzY2h1ZXR6dC16ci0yNzIwOTUwLmh0bWw=2720950Trotz Gesetz: Patienten werden kaum geschützt0true
    • 28.01.13
    • News
    • Drucken
Verbraucherzentrale schlägt Alarm

Trotz Gesetz: Patienten werden kaum geschützt

    • recommendbutton_count100
    • 0

Berlin - Tausende Patienten pro Jahr sterben wegen medizinischer Fehler. Bald soll ein neues Patientenrechtegesetz helfen. Die Verbraucherzentrale kritisiert: Die Patienten werden trotzdem allein gelassen.

© dpa (Symbolbild)

Ein Arzt untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop.

Vor der Verabschiedung des Patientenrechtegesetzes hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen der Koalition vorgeworfen, Patienten zu wenig gegen Arztfehler zu schützen. „Das Beste an diesem Gesetz ist, dass es es gibt, und dass es dann änderbar ist“, sagte die Gesundheitsexpertin des Verbands, Ilona Köster-Steinebach, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Im Bundesrat soll das Gesetz am kommenden Freitag abschließend beraten werden.

Patienten müssen künftig umfassend vom Arzt informiert werden. Bei groben Fehlern muss der Arzt fortan beweisen, dass der nachgewiesene Fehler nicht den eingetretenen Schaden verursacht hat.

Aus Sicht Köster-Steinebachs ist die neue Regelung riskant. „Sie kodifiziert, was Richterrecht ist - allerdings soll die Beweiserleichterung künftig nur bei groben Behandlungsfehlern greifen.“ Dabei gebe es patientenfreundliche Urteile bereits bei einfachen Fehlern. „Nun besteht die Befürchtung, dass sich die patientenfreundliche Entwicklung des Rechts verlangsamt.“

Dem Arzt wird schnell bescheinigt, alles richtig gemacht zu haben

Köster-Steinebach begrüßte, dass die Krankenkassen Patienten bei Behandlungsfehlern künftig unterstützten sollen. „Bei Schäden wegen Medizinprodukten oder wegen Medikamenten greift die Unterstützungspflicht der Kassen nicht“, kritisierte sie aber. „Außerdem wird nicht gesagt, wie die Unterstützung aussehen soll.“ In manchen Fällen werde es wohl nur einen Flyer der Kassen geben, in anderen ein Gutachten ihres Medizinischen Dienstes.

Gegen Missstände im Gutachterwesen in Streitfällen etwa vor Gericht passiere nichts. „Es gibt viele Gutachter, die dem Arzt schnell bescheinigen, alles richtig gemacht zu haben“, sagte Köster-Steinebach. „Manche Gutachter erfüllen die Grundanforderung nicht, zu sagen: Wie wäre eine richtige Behandlung abgelaufen, was ist passiert, wo ist die Abweichung?“ Patienten hätten fast keine Chancen, gegen Gutachter vorzugehen. „Sie bleiben damit allein.“ Es fehle auch eine Registrierung von Gutachtern - etwa um sie überhaupt zu finden.

„Die Patienten werden nicht vor den schwarzen Schafen geschützt“

Zu wenig Verbindlichkeit gebe es bei den Systemen der Kliniken zur internen Fehlermeldung mit dem Ziel künftiger Vermeidung. Nur Krankenhäuser, die dies selbst wollten, setzten solche Systeme ein. „Die Patienten werden nicht vor den schwarzen Schafen geschützt“, sagte Köster-Steinebach. Der Gesetzgeber lasse es auch zu, dass Ärzte und Kliniken hier Verbesserungen blockieren. Auch dem Kassenverband fehle hier der Eifer.

Unzureichend findet die Gesundheitsexpertin den Schutz bei den Selbstzahler-Leistungen (IGeL). Die Patienten sollten laut Gesetz vorher nur in Textform über Kosten informiert werden. „Das heißt, dass ein Flyer oder eine Preisliste reicht.“ Dabei seien im Bundesmantelvertrag für Ärzte mehr Patientenrechte festgeschrieben. „Hier droht eine Verschlechterung.“ Selbst das Minimalziel, alle Rechte im neuen Gesetz zu bündeln, werde hier verfehlt.

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

Besonders bedauerlich sei es, dass sich die Koalition sich nicht zu einem Härtefallfonds durchringen konnte. Nach Studien sterben allein in Deutschlands Kliniken jedes Jahr mindestens 17 000 Menschen wegen Fehlern und Problemen.

dpa

zurück zur Übersicht: News

Kommentare

Kommentar verfassen

Ort des Geschehens

52.519171,13.4060912

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Notrufnummern

  • Polizei: 110
  • Feuerwehr: 112
  • Apotheken-Notdienst: 0 800 288 288 0
  • Telefonseelsorge: 0 800 111 011 1
  • Giftnotruf: 089 192 40
  • Caritas Suchttelefon: 0 800 887 760 00
  • Aids-Beratung: 0 1805 555 444
  • Kinder-Notruf: 0 800 151 600 1

Meistgelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Letzter Monat
  • Themen

Trotz Urlaub gestresst? Das hilft!

Der große Sommerurlaub ist vorbei. Hoffenlich, liebe User, hatten Sie eine gute Zeit. Die meisten mögen Erholung gefunden haben, andere dagegen merken: Immer noch fehlt die Kraft für den Alltag. Wir haben Tipps!Mehr...

Pharmaverband klagt über Regeln für neue Arzneimittel

Berlin/München - Die Pharmaindustrie sieht in den Regeln zur Nutzenbewertung neuer Arzneimittel eine Innovationsbremse. Die Krankenkassen loben die preisdämpfende Wirkung.Mehr...

Demenz Alzheimer

Demenz: Was hilft gegen das Vergessen?

1,5 Millionen Demenzkranke leben in Deutschland, viele haben Alzheimer. Forscher stellt die Krankheit vor große Herausforderungen. Kann man ihr vorbeugen?Mehr...

"Ebola bestraft jeden kleinsten Fehler"

München - Ebola breitet sich immer schneller aus. In drei Wochen hat sich die Zahl der Todes- und Infektionsfälle in Westafrika mehr als verdoppelt – aktuell ist die Rede von rund 2300 Toten und knapp 4300 Infizierten.Mehr...

Zahl der Ebola-Fälle im Kongo steigt

Zahl der Ebola-Fälle im Kongo steigt

Genf - Die Zahl der Ebola-Toten im Kongo steigt schnell an. Jetzt sind es schon 35, die wegen des tödlichen Virus starben. Das berichtet am Donnerstag die Weltgesundheitsorganisation in Genf.Mehr...

Studie zeigt, wo am meisten operiert wird

Berlin/Gütersloh - Kindern werden in manchen Regionen Deutschlands Studien zufolge achtmal häufiger die Mandeln herausgenommen als anderswo. Ähnlich große regionale Unterschiede gebe es bei Blinddarm- oder Prostata-Operationen.Mehr...

Das Ebola-Virus

Ebola-Verdachtsfall in Ghana: US-Bürger gestorben

Ein US-Bürger mit Symptomen der Ebola-Erkrankung ist im westafrikanischen Ghana in einer Klinik gestorben. Dies berichtete der Radiosender Joy FM am Dienstag in der Hauptstadt Accra.Mehr...

Stiftung Warentest

Das ist die beste Sonnencreme für mein Kind

Kinderhaut ist besonders empfindlich, ein sicherer Schutz vor Sonnenstrahlen ist wichtig. Die Stiftung Warentest hat nun 19 Sonnenschutzmittel für Kinder mit hohem und sehr hohem Lichtschutzfaktor geprüft. Mehr...

Deutsche Fußballfans auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor 2006.

Giftige Stoffe in WM-Fanschminke gefunden

Trikot und Schwarz-Rot-Gold im Gesicht sind für leidenschaftliche Fußball-Fans der deutschen Nationalmannschaft ein Must. Doch Vorsicht! Experten warnen vor der Schminke. Sie kann krebserregend sein.Mehr...

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.