Wirbelsäule: OP-Verfahren und Stützsysteme

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    • 30.01.13
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OP-Verfahren für den Rücken

Das Stützsystem für die Wirbelsäule

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München - Sieben Halswirbel, zwölf Brustwirbel, fünf Lendenwirbel, dazu eine gelenkige Verbindung mit dem Kopf, Kreuz- und Steißbein – der Rücken bietet jede Menge Angriffsfläche. Wir zeigen moderne OP-Verfahren.

© dpa

Im Laufe eines Leben passieren an jeder Wirbelsäule sogenannte degenerative Veränderungen – auf Deutsch: Verschleißerscheinungen. Manchmal lassen sich die Beschwerden nur noch mit einer Operation beheben. Vor allem dann, wenn wie etwa bei schweren Spinalkanalstenosen die Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden. Im Rahmen der tz-Serie über Spitzenmedizin in München erklärt der Neurochirurg Dr. Armin Helmbrecht, wie man die Wirbelsäule mit modernen Implantaten stabilisieren kann.

Die Schmerzen scheuchten Johanna A. nachts immer wieder aus dem Bett, sie zogen vom Rücken bis hinunter ins linke Bein. Elektrisierend – wie endlose Nadelstiche. „Es wurde immer schlimmer. Ich musste beim Gehen alle paar Meter stehen bleiben. Und irgendwann konnte ich fast gar nicht mehr laufen“, berichtet die 53-Jährige.

Die Diagnose: eine hochgradige Spinalkanalstenose – so nennt man eine starke Verengung des Wirbelsäulenkanals, die auf die Nerven drückt. Noch dazu erwies sich ihre Lendenwirbelsäule als instabil, Wirbel drohten abzugleiten – also aus ihrer natürlichen Verankerung zu rutschen. Kurzum: Johanna B. brauchte das volle Programm der modernen Wirbelsäulenchirurgie.

Solchen Patienten kann die moderne Medizin mit innovativen Implantaten helfen. „Zunächst muss man allerdings das Gewebe entfernen, das auf die Nerven im Spinalkanal drückt. Der Fachausdruck dafür heißt Dekompression“, erklärt Dr. Helmbrecht. „In weiteren Schritten kann man die Wirbel mit einem dynamischen System stabilisieren.“

Der Clou dabei: Anders als bei einer herkömmlichen Versteifung des erkrankten Wirbelsäulenabschnitts setzen die Ärzte beweglich miteinander verbundene Stäbe und Schrauben ein. Helmbrecht: „Der Vorteil daran ist, dass dem Patienten eine Restbeweglichkeit erhalten bleibt. So kann er sich etwa weiterhin bücken. Der Patient bleibt oft länger mobil.“

Manche Implantate der neuesten Generation – praktisch flexible Stützen aus Kunststoff – besitzen sogar eine Art eingebauten Stoßdämpfer. „Diese sogenannten Bumper bestehen aus einem silikonartigen Material. Sie entlasten die Wirbelsäule zusätzlich“, erläutert Helmbrecht.

Für diesen Eingriff benötigt der Operateur nur einen kleinen, wenige Zentimeter langen Schnitt, um die Stäbe und Schrauben zur Wirbelsäule transportieren zu können. Den Überblick behält er in der Regel mit einem speziellen Operationsmikroskop.

An der Halswirbelsäule ist der Einbau dynamischer Stützsysteme nicht möglich. Hier kommt nur eine klassische Fusion infrage, wie Mediziner die Versteifung nennen.

Neben Schrauben und Stäben können die Neurochirurgen auf moderne Bandscheibenprothesen zurückgreifen. „Sie bestehen in der Regel aus zwei Titanplatten. Dazwischen befindet sich ein Gleitlager, das meistens aus Kunststoff besteht“, weiß Dr. Helmbrecht. „Die Prothesen können über kleine Zugänge eingebracht werden.“

Bei Stenosen-OPs ohne Prothesen und Versteifungen können die Operateure einen Trokar einsetzen. Dabei handelt es sich um eine Kunststoff-Hülse. Sie wird durch einen kleinen Hautschnitt bis zum Operationsfeld an der Wirbelsäule vorbeigeschoben. „Diese Hülsentechnik verhindert eine Ablösung der Muskulatur.“ Durch ein Spezialmikroskop sieht der Operateur genau, wo er sich mit seinem Instrument bewegt. Zusätzliche Sicherheit bringt eine Röntgenkontrolle direkt während der Operation.

Dr. Helmbrechts Rücken-Tipps

Wer sich regelmäßig bewegt, der stärkt sein Herz-Kreislauf-System – aber nicht nur das: „Sport schützt nachweislich auch vor Rückenproblemen“, sagt Dr. Armin Helmbrecht. „Allerdings sollte man die Bewegung richtig dosieren und grobe technische Fehler vermeiden.“ In der tz erklärt der Experte, welche Sportarten dem Rücken guttun und worauf man dabei achten sollte:

1. Schwimmen ist das beste Rückentraining und gut für den gesamten Organismus. Der Wasserauftrieb entlastet die Gelenke und die Wirbelsäule. Besonders bei akuten Bandscheibenproblemen kann das hilfreich sein. Der Wasserwiderstand erhöht den Trainingsreiz der Muskulatur. Ich empfehle Rücken- oder Brustschwimmen. Auf Letzteres sollten Sie aber verzichten, falls Sie Probleme im Nacken- und Schulterbereich haben. Hier können beim Brustschwimmen zusätzliche Verspannungen entstehen.

2. Skilanglauf ist ein gutes Training für den gesamten Körper. Das Gleiten fördert die Rotation in der Wirbelsäule und stärkt so die tiefe Rückenmuskulatur. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Stöcke nicht verkrampft umklammern und gekrümmt auf den Skiern stehen. Das kann zu einer Überlastung der Schulter- und Nackenmuskulatur führen.

3. Nordic Walking ist ein gutes Training für den Oberkörper, er wird dabei intensiver beansprucht als beim Joggen. Der rhythmische Wechsel von Be- und Entlastung trainiert die Schulter- und Nackenmuskulatur effektiv.

4. Radeln stärkt die tiefe Rückenmuskulatur. Zudem wird die Wirbelsäule vom Körpergewicht entlastet, das macht sich für etwas fülligere Menschen besonders bezahlt.

5. Achten Sie darauf, wie Sie auf den Radl sitzen. Bei einer schlechten Sitzposition können Sie schnell Rückenschmerzen bekommen. Lassen Sie deshalb Ihr Radl – ­Sattelhöhe, Vorbau, und Lenker – von einem Fachmann auf Ihre Körpergröße abstimmen.

Andreas Beez

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