München - Die radverrückten Holländer und Schweizer fahren längst drauf ab. Und auch hierzulande kommen Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor allmählich in die Gänge. In diesem Jahr will die Industrie 750 000 E-Bikes verkaufen.

© obs/ITMS Marketing GmbH
Die tz wollte wissen, wie gut diese neue Art der Elektrofahrräder wirklich ist.
Deutsche Postboten fahren schon seit vielen Jahren ihre Briefe mit so genannten Pedelecs aus. Die tz wollte wissen, wie gut diese neue Art der Elektrofahrräder wirklich ist, und fuhr Probe.
■ Was bedeutet „Pedelec“? Bei Elektrofahrrädern denken die meisten: Entweder man strampelt selbst oder man lässt den Motor arbeiten. Irrtum, denn: Ein Pedelec („Pedal Electric Cy cle“) ist kein Entwe der- oder-Fahrrad, sondern ein Sowohl-als-auch- Gerät: Der Radler tritt ins Pedal und erfährt durch einen Elektromotor einen zusätzlichen Schub. So kann er etwa dieselbe Geschwindigkeit mit halber Muskelkraft erreichen.
So viel zur Theorie, nun ab in die Praxis! Die tz testete das Mittelklasse- Pedelec Kalkhoff „Pro Connect“: bei innerstädtischen Fahrten ins Büro oder zum Einkaufen, bei Ausflügen zum Biergarten, auf asphaltierten Radwegen und auf Schotter pisten. Satte 2199 Euro kostet das elektrifizierte Trekkingfahrrad – ob es das wert ist?
Wer Fahrrad fahren kann, der kann auch Pedelec fahren – jedoch mit dem Gefühl von eingebautem Rückenwind. Fast lautlos und ruckelfrei spendet der hinter dem Tretlager angebrachte 250-Watt- Motor bei jedem Pedaltritt seine Extrapower, und zwar bis zu 150 Prozent der Tretkraft! Wie gut sind die neuen Elektroräder? So erreicht man im achten Gang (Shimano-Nabenschaltung) mit wenig Mühe die für Pedelecs zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometer. Wer noch schneller fahren möchte, muss das aus eigener Kraft tun. Oder er kauft sich ein Sondermodell, das erst bei 40 Stundenkilometern abgeriegelt ist (siehe rechts).
Aber auch mit 25 Sachen lässt man im Berufsverkehr die Autopendler hinter sich und erreicht das Büro mit kleineren Schweißflecken als die Radl-Kollegen. Seine ganze Stärke spielt ein Pedelec aus, wenn’s für gewöhnliche Radler besonders hart kommt: an Steigungen, bei Gegenwind und beim Anfahren aus dem Stand. Springt die Ampel auf Grün, spurtet das EBike los. Und die steile Rampe von der Isar zur Waldwirtschaft meistert man im Sattel, während die anderen Biker längst schieben; erst jetzt, bei maximaler Belastung, gibt der Motor ein verräterisch lautes Summen von sich.
Bei der Steilabfahrt zurück zur Isar halten die Felgenbremsen das 21 Kilo schwere Pedelec sicher im Zaum. Die Laufruhe, die aufrechte Sitzposition und der bequeme Sattel nehmen langen Strecken den Schrecken. Einen Abzug in der Komfortwertung gibt es für die dünnen Reifen und die fehlende Federgabel. Zumal das Kalkhoff ansonsten mit sehr hochwertigen Anbauteilen ausgestattet ist. Drei Leuchtdioden am Lenkerschalter zeigen den aktuellen Ladestand an. Laut Hersteller hat der Akku eine Reichweite von 80 Kilometern, was sich bei gemütlicher Fahrt als realistisch erweist. Wirklich praktisch: Die Fahrradlampen werden ebenfalls aus dem Akku gespeist, der Reibungswiderstand eines Dynamos fällt also weg.
Zum Nachladen nimmt man den Akku, den ein Schloss vor Diebstahl schützt, mit einem Handgriff aus seiner Halterung und stellt ihn daheim ins Ladegerät. Nach drei Stunden ist die Lithium- Ionen-Batterie wieder voller Energie. Angeblich gibt sie erst nach 500 Ladevorgängen den Geist auf. Außerdem hat Kalkhoff ausgerechnet, dass sich die Stromkosten für eine komplette Akkuladung auf sechs Cent belaufen.
Fazit: Pedelecs erleichtern das Fahrradfahren enorm. Sie erlauben Bewegung an der frischen Luft, ohne sich verausgaben zu müssen. Gleichzeitig halten sie die Luft frisch, sind viel umweltfreundlicher als Verbrennungsmotoren. Der hohe Anschaffungspreis schreckt ab, könnte sich aber für zahlreiche Radlertypen lohnen: für Ausflügler, die künftig doppelt so lange Touren durchhalten; für Eltern, die einen Kinderanhänger ziehen; oder auch für ungleich sportliche Paare – denn dank eingebautem Rückenwind kann sie künftig bei seinem Radltempo mithalten.



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