Tunnel, Autobahn, Ortsumfahrungen: Milliardenprojekt Olympia 2018
Garmisch-Partenkirchen - Noch ist unklar, ob München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 erhalten werden. Doch jetzt geht Bayern in die Vollen: Für Straßenbau soll der Bund 1,3 Milliarden Euro locker machen. Mehrere Projekte sind indes vor Ort umstritten.

Rund um Garmisch-Partenkirchen sollen Engstellen beseitigt werden.
- Vierspuriger Ausbau der Bundesstraße B 2 zwischen Eschenlohe und Farchant-Nord. Herrmann hält sie „für die wichtigste Maßnahme“, schließlich handelt es sich um ein Nadelöhr, wie jeder weiß, der sich am Wochenende schon einmal auf der B 2 ab Autobahnende Richtung Garmisch-Partenkirchen durchgequält hat.
- Ortsumfahrung B 2 Partenkirchen: Der sogenannte Wanktunnel, dessen exakte Trasse indes noch nicht feststeht, soll den Verkehr Richtung Mittenwald/Scharnitz beschleunigen und zugleich Partenkirchen vom Durchgangsverkehr entlasten.
- Ortsumfahrung B 23 Garmisch: Der Tunnel durch den Kramer, einem beliebten Wanderziel, soll 5,6 Kilometer lang werden. Baukosten: über 133 Millionen Euro. Der Bund Naturschutz klagt gegen den Planfeststellungsbeschluss – zum Missfallen von Innenminister Herrmann. Der warnt: „Es gibt exakt diesen Tunnel – oder keinen.“ Gestern war erster Verhandlungstermin vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Die Naturschützer rügten, dass die vorgesehene Trasse Biotope zerstöre und gefährdete Arten wie Mopsfledermaus, Laubfrosch und Ringelnatter ausrotte.
Die von ihnen vorgeschlagene Alternativ-Streckenführung sei nicht überprüft worden Diese Route jedoch durchquert ein Erholungszentrum der US-Streitkräfte. Seit den Terror-Anschlägen des 11. September 2001 haben die Amerikaner ihre Sicherheitsvorstellungen extrem verschärft. Für eine Untertunnelung wird ein 2,5 Meter dicker, Sprengstoff sicherer Mantel gefordert. Der hätte zur Folge, dass sich ein Wall durch das betroffene Gebiet schlängeln würde, der in Loisach-Nähe ein Ausmaß von fünf Metern Höhe annehmen würde. Außerdem verlangen die Amerikaner einen überirdischen Sicherheitsstreifen von 100 Metern Breite. Der wiederum würde die Verlagerung eines Campingplatzes, die Verlegung von Freizeitstätten und den Abriss einer Schule nach sich ziehen. Mehrkosten laut Straßenbauamt Weilheim: bis zu 25 Millionen Euro.
- Ortsumfahrung B 23 Oberau: Ein Dauerbrenner. Die Anlieger demonstrieren seit Jahren für eine Westumgehung des staugeplagten Dorfes.
- A 8 – Verbreitung von vier auf sechs Spuren zwischen Rosenheim und Landesgrenze bei Salzburg: „Wir wollen eine Planung mit größtmöglicher Akzeptanz“, betont Herrmann. „Niemand wird mehr Lärm haben als bisher – im Gegenteil: weniger.“ Der Ausbau kann nur stückweise verwirklicht werden. Gestern zum Beispiel genehmigte die Regierung von Oberbayern die Sanierung der 345 Meter langen und bis zu 35 Meter hohen Talbrücke bei Bergen. Sie stammt noch aus dem Jahr 1937. Die Abmessungen des neuen Bauwerks werden so ausgelegt, das auch eine sechsspurige Autobahn Platz hätte. Eine Vielzahl von Gemeinden auf dem 65 Kilometer langen Abschnitt hat Sonderwünsche – Einhausungen, Lärmschutzwände, Grünbrücken. „Es gibt hier keine Tabus oder Denkverbote“, versichert Herrmann, der gestern auf einer Baukonferenz in Traunstein zahlreiche Kommunalpolitiker traf. Eins aber doch: „Ein Verzicht auf den sechsspurigen Ausbau, wie es der Bund Naturschutz will, macht keinen Sinn.“
- Ortsumfahrung B 21 Bad Reichenhall: Die Salzstadt wünscht sich eine Ortsumfahrung, weil die Zuschauer zur Rodelbahn Schönau am Königssee sonst durch den Ort fahren müssten. Doch eine Umgehung geht nur mit Tunnel. Zwei klangvolle Namen – „Kirchholztunnel“ und „Stadtbergtunnel“ – gibt es. Doch ob die Tunnel verwirklicht werden, ist fraglich. Im Moment sind die Projekte nur im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans verzeichnet – also weit nach hinten gestuft.
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