125.05.10|Sport|Sport|
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Buenos Aires - Argentiniens Coach Diego Maradona vertraut dem Barca-Star Lionel Messi - und stößt damit nicht nur auf Fürsprache.

Idol, mit Skepsis zu genießen: Über Maradonas WM-Kader wird kontrovers diskutiert. ap
Der Rahmen war bereitet. Auf dem Rasen gab sich im Vorprogramm die Elite der argentinischen Musikszene ein Stelldichein. Und beim Einlauf der Elf von Trainer Diego Maradona (49) rieselte ein Konfettiregen in den Nationalfarben Himmelblau und Weiß von den Tribünen. Doch so recht wollte der Funke nicht überspringen auf die 65 000 in Buenos Aires’ ausverkauftem Monumental-Stadion. Denn der Protagonist nahm nur auf der Bank Platz: Lionel Messi. Und dort blieb der Weltfußballer auch während der 90 Minuten. Von der Bank verfolgte er, wie sich sein Team im letzten WM-Test mit einem 5:0 gegen Kanada vom eigenen Publikum verabschiedete. Am Freitag hebt die Selección ab in Richtung Südafrika.
Die Schonung seines wertvollsten Manns sei reine Vorsicht gewesen, sagte Maradona nach dem Schlusspfiff. Ein Crash mit Javier Mascherano hatte für eine Schrecksekunde auf dem Trainingsgelände vor den Toren von Buenos Aires gesorgt. Messi brach die Einheit ab. Teamarzt Donato Villani gab aber umgehend Entwarnung und spielte die Blessur am rechten Knie des Stars des FC Barcelona herunter: „Ein Kratzer, weiter nichts.“ Bereits tags darauf mischte Messi wieder mit.
Umso überraschender war seine Statistenrolle bei der Abschiedsfeier. Einen Ausfall des genialen Offensivkünstlers kann Maradona nicht riskieren. Sein gesamtes Konzept ist auf die Formel „Messi plus zehn“ zugeschnitten. „Wenn wir Fußball spielen und unser Spiel läuft nicht über ihn, läuft etwas falsch“, erklärt Argentiniens Fußball-Ikone. In Südafrika will Maradona eine kompakte Einheit auf den Platz schicken, die Messi die nötigen Räume schafft, seine Raffinesse und Schnelligkeit auszuspielen.
Ein Plan, den der 23-köpfige Kader deutlich widerspiegelt - und am Rio de la Plata heftig diskutiert wird. Die Kritik entzündet sich daran, dass Maradona alles auf Messi setzt. „Wenn Messi Spaß hat, werden wir alle Spaß haben“, spekuliert er. Und wenn nicht? In Abwehr und Mittelfeld biete das Aufgebot kaum Varianten, wird bemängelt.
Bayerns Sosa bei WM nun doch nicht dabei
Für Kopfschütteln sorgt vor allem die Berufung von Ariel Garcé (30), der erst dreimal das Nationaltrikot getragen hat. Unter Maradona debütierte der Verteidiger von Colón de Santa Fé im Test vor einigen Wochen gegen Haiti. Garcé erhielt den Vorzug vor Javier Zanetti, der bei Champions-League-Sieger Inter Mailand eine herausragende Saison gespielt hat. Ebenfalls daheim bleiben muss Bayerns José Sosa (24). Der zuletzt an Estudiantes de La Plata ausgeliehene Mittelfeld-Allrounder wäre in den Augen vieler der ideale Vertreter von Juan Sebastian Veron gewesen.
Maradona pokert hoch. So wie er es immer getan hat. In kurzen Hosen auf dem Rasen hatte er das gute Ende meist für sich. Als Trainer muss er seine strategischen Fähigkeiten erst noch beweisen. Ebenso wie Messi als Kopf der Nationalelf. Paradoxerweise ist es seine Heimat, die Barcas Ausnahmekönner am skeptischsten gegenübersteht. Via Fernsehen verfolgen die argentinischen Fußballfans die Kunststücke, die Messi bei den Katalanen Woche für Woche vollbringt. Doch sobald er das Trikot der „Albiceleste“ überstreift, wirkt er gehemmt. Messi schone sich für Barcelona aus Angst vor Verletzungen, kritisieren manche. Andere behaupten gar, Messi kenne nicht einmal den Text der Nationalhymne. Wo er auftritt, stürzen sich Dutzende Journalisten auf ihn. Die immer wiederkehrende Frage: Wann brilliert er endlich auch in der Nationalelf? In Argentinien wird man ungeduldig. Messi weiß das. Die Antwort will der 22-Jährige bei der WM geben: „Das ist die perfekte Gelegenheit, es dem ganzen Land zu zeigen.“ Den Ton in der Mannschaft geben aber andere an. Allen voran Veron. Der 35-jährige Stratege ist Maradonas verlängerter Arm. Er soll Messi den Rücken frei halten.
„Er ist besser, als ich es bei der WM 1986 war“, sagt Maradona über Messi. „Damals ging ich mit dem Ball voran, und meine Kameraden wuchsen an mir. Nun habe ich Messi gesagt, dass er dasselbe tun soll. Er hat mich verstanden.“ Knapp drei Wochen vor dem Auftakt gegen Nigeria sagt er: „Wir haben das Zeug, Weltmeister zu werden.“
Hinter den Kulissen präsentiert sich der zweifache Weltmeister allerdings nicht titeltauglich. Zunächst hatte es Teammanager Carlos Bilardo versäumt, die Flüge nach Südafrika rechtzeitig zu reservieren. Nun wurde bekannt, dass Messi und Co. die für die Einreise vorgeschriebene Gelbfieberimpfung einige Tage zu spät verabreicht worden war. Auf der offiziellen Verbandsseite im Internet wird auf das Prozedere detailliert hingewiesen. Bei den eigenen Spielern nahm man es dagegen nicht so genau.
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