Garmisch-Partenkirchen - SC Riessersees kämpferischer Kraftakt bleibt unbelohnt - Verteidiger Völk ins Krankenhaus

Abtransport: SCR-Kapitän Tim Regan und Mannschaftsarzt Dr. Wolfgang Schmidt bringen Christian Völk vom Eis. foto: bse
von Peter Reinbold
Es war Wut, Zorn und eine riesige Menge Verzweiflung. 19 Sekunden vor dem Ende fuhr Hardi Wild auf die Bank, knallte seinen Schläger auf den Boden, schüttelte den Kopf, um dann seinem Frust freien Lauf zu lassen. In einem Schrei entlud sich alles. 19 Sekunden vor dem Ende hatte der Torhüter der SC Riessereee, wieder einmal bester Spieler seiner Mannschaft, das entscheidende Tor kassiert. Zweimal hatte Wild überragend pariert, doch den finalen Schuss von Elia Ostwald konnte er nicht mehr abwehren. Riessersees Trainer Zdenek Travnicek holte Wild vom Eis, um mit einem sechsten Feldspieler zu retten, was nicht mehr zu retten war. Das 2:3 gegen die Landshut Cannibals bedeutete die zweite Heimpleite für den SCR.
Riessersees Trainer Travnicek wollte mit Weber nicht zu hart ins Gericht gehen. „Viele meiner Spieler sind einfach noch zu unerfahren.“ Schützend seine Hand über den Noch-18-Jährigen hielt SCR-Legende Sepp Lehner, wie häufig interessierter Zuschauer im Stadion. „Seine Mitspieler haben ihn in dieser Szene im Stich gelassen“, sagte Lehner, in der vergangenen Oberliga-Saison noch Webers Abwehrpartner.
Zu diesem Zeitpunkt agierte Riessersee nur noch mit vier Verteidigern. Routinier Christian Völk war nach einem brutalen Foul von Jaroslav Kracik, das Schiedsrichter Ulrich Hatz mit einer Spieldauer ahndete, nicht mehr einsatzfähig. „Er musste ins Krankenhaus gebracht werden“, sagte SCR-Geschäftsführer Ralph Bader. „Ich tippe auf eine schwere Gehirnerschütterung.“ Und dem Unparteiischen, der erst nach Beratung mit seinen Linienrichtern auf Ausschluss entschied, schrieb er ein ungenügend ins Zeugnis. „Er war der schlechteste Mann auf dem Eis.“ Landshuts Trainer nannte den Ellenbogen-Check gegen Völks Kopf in Verkennung der Dinge gar eine „faire Attacke“. Eine Meinung, die Ehrenberger Unmutsäußerungen der Gäste im VIP-Raum und einen tadelnden Blick von Bader und Travnicek eintrug.
Der SCR-Trainer blieb ob der Niederlage, seines Temperament und seiner Ansprüche überraschend gelassen. Trotz des Null-Punkte-Wochenendes sieht er seine Mannschaft auf dem richtigen Weg. „Wir sind weder heute, noch am Freitag in Rosenheim für unsere harte Arbeit belohnt worden.“ Und dann konnte er seine Enttäuschung über den negativen Spielverlauf doch nicht mehr ganz verbergen. Sein Team sei noch nicht in der Lage, ein Spiel zu kontrollieren und kühlen Kopf in brenzligen Situation zu bewahren. „Wir wollen zu viel und kriegen gar nichts.“
Zur Frustbewältigung knallte er - anders als Wild - keinen Schläger auf den Boden, sondern nahm seine kleine Tochter und seine Frau bei der Hand und verließ die Stätte der Niederlage.



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