Bad Tölz - Vor 50 Jahren war großer Feiertag in Bad Tölz: Der örtliche Eishockey-Club gewann erstmals die Deutsche Meisterschaft. Eine Reise zurück in die Zeit, in der die Puckjagd noch ohne Helm betrieben wurde und überhaupt noch alles ganz anders war: bayerischer, ursprünglicher.

© Arndt Pröhl
An die glorreichen Zeiten ihres Vereins erinnern sich (v.l.) Peter Lax, Georg Eberl, Walter Riedl und Heinz Bader.
Mit den Helmen war das damals so eine Sache. „Die meisten waren zu eitel, um einen Kopfschutz aufzusetzen“, sagt Peter Lax lachend. Weil kaum einer von ihnen Helme trug, waren er und seine Team-Kollegen vom EC Bad Tölz bekannt wie bunte Hunde. „Uns hat jeder erkannt auf der Straße“, erinnert sich Georg Eberl. Vor allem nach dem 27. Januar 1962: Da hatte der Eisclub zum ersten Mal in seiner Geschichte die Deutsche Meisterschaft klargemacht (am 7. Februar war letzter Spieltag). Ein Höhepunkt für die ganze Region, die sich mit dem Eishockey-Club und seinen Helden identifizierte. Ihnen war es gelungen, die Favoriten zu schlagen: den EV Füssen, mehrfacher Meister, und den SC Riessersee aus dem Olympiaort Garmisch-Partenkirchen, mit dem die Tölzer eine Hassliebe verband.
Material und Spielweise sorgten dafür, dass die Spiele im Vergleich zum heutigen Power-Eishockey fast etwas behäbig aussahen. „Der Sport war damals noch nicht so schnell wie heute“, gibt Eberl zu. „Technische Defizite haben wir durch Körpereinsatz ausgeglichen“, sagt Lax. Auch der Beruf verschaffte der Mehrheit der Tölzer Spieler gute körperliche Voraussetzungen: Im ECT-Team der Saison 1961/62 gab es Zimmerer, Schlosser, Elektriker, Schuhmacher, Schreiner, Bauarbeiter und Monteure. Student (Peter Schmidt) und Konditor (Heinz Bader und Klaus Retzer) waren die Ausnahmen. Gute Voraussetzungen, um den hohen Anforderungen standzuhalten. „Dadurch waren wir in der Lage, die technisch versierten Füssener oder Garmischer aus dem Spiel zu nehmen“, sagt Lax.
Hinzu kam purer Idealismus, der die Tölzer Spieler zu Höchstleistungen antrieb. Zu verdienen gab es bis auf wenige Ausnahmen nichts. Eine dieser Ausnahmen war Georg Eberl. „Das durfte aber damals niemand wissen, sonst hätte es böses Blut gegeben.“ Doch viel bekam auch er nicht. „Aber durchs Eishockey ist man in die Welt hinausgekommen“, so der Torjäger. Für eine Olympia-Teilnahme gab es zum Beispiel 50 Mark. „Und das war schon außergewöhnlich“, erzählt der 75-Jährige. Doch die Spieler genossen andere Annehmlichkeiten. „Der Vorstand hat uns zum Essen eingeladen, wenn wir gewonnen haben“, erinnert sich Bader. Das war damals schon etwas Besonderes, das sich nicht jeder leisten konnte.
Nach dem Titelgewinn wuchs die Anerkennung für den ECT in der Region weiter. „Wir sind richtig zu städtischen Persönlichkeiten geworden, konnten mit stolzgeschwellter Brust durch die Straßen laufen“, erinnert sich Lax. Doch schon vorher war das Tölzer Eishockey-Team ein verschworener Haufen, zu dem jeder gerne Zugang erhalten hätte. „In diese Mannschaft wollte jeder Tölzer Eishockey-Spieler gerne rein“, sagt Walter Riedl. „Es war die beste Mannschaft überhaupt“, fügt Eberl an. Das Kollektiv war es, das neben der Schnelligkeit zu dem Triumph 1962 geführt hatte. „Einer ist für den anderen gelaufen“, sagt Eberl.
Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft dürfte etwas ausgiebiger gefeiert worden sein. Spätnachts machte der Mannschaftsbus auf dem Heimweg vom 6:2-Sieg beim SC Riessersee Halt beim Schmid von Kochel. Dort wartete schon der Münchner Schauspieler Curd Jürgens auf den Triumphzug – zum Sektempfang. Die Feier zog sich hin. „Da haben wir es schon krachen lassen“, sagt Eberl. „Der Lohn für die all die Plackerei“, fügt Bader an. Doch schon früh am nächsten Tag mussten die Spieler allesamt wieder ran: Nicht aufs Eis, sondern in den Beruf. Deutscher Meistertitel hin oder her, meint Lax: „Wir mussten alle arbeiten.“
Nick Scheder



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