+
In Russland ist Eishockey Volkssport, hier ist Wladimir Putin bei einem Legendenspiel zu Gast

Kuriose Pläne

EHC-Nachwuchs soll nach Russland

München - Kuriose Pläne in Russland: Der EHC RB München und sein Bruderklub EC Salzburg werden ein Juniorenteam in der Molodjoschnaja Chokkeinaja Liga (MCL) an den Start schicken.

Das besagen Informationen, die übereinstimmend der Eishockey News und der tz vorliegen. Kürzlich stellte Pierre Page seine Pläne für den EHC vor. Gerade im Nachwuchsbereich klangen sie gigantisch. Der starke Mann des RB-Eishockeyprojekts will einiges umbauen, neue Wege einschlagen. Bisher, fragte sich Page auf der Pressekonferenz sinngemäß, wandern die deutschen Eishockeytalente nach Nordamerika ab – warum nicht hier vor Ort veredeln? Irgendwann solle der „Eishockey-Messi“ aus dem RB-Nachwuchs kommen.

In München ist man nach missglückten Versuchen zwar vorsichtig geworden, was die Kombination „große Pläne“ und „Eishockey“ angeht. Red Bulls Pläne sind jedoch ernst zu nehmen: Zu den bestehenden und entstehenden Strukturen in Salzburg sind nun die ersten Entscheidungen beim EHC erfolgt. Zum einen holte der EHC Helmut de Raaf an Bord, der sich in Mannheim einen hervorragenden Ruf als Jugendkoordinator erwarb. Und jetzt stellte der EHC die Weichen, um den U21-Talenten Spielpraxis auf hohem Niveau zu ermöglichen.

Eine Förderlizenz-Kooperation mit einem unterklassigen Klub wie auch eine zweite Mannschaft in der Bezirksliga waren Page nicht fordernd und fördernd genug. Wie die tz vorige Woche exklusiv berichtete, werden die RB-Klubs darum mit einer Junioren-Mannschaft künftig im Ausland antreten, wie zuletzt schon Salzburger Jugendteams. Jetzt steht fest: Die RB-Junioren spielen künftig in Russland!

In der seit 2009 bestehenden MCL spielten zuletzt 33 Mannschaften, vor allem Farmteams der KHL-Klubs. Die russischzentrierte KHL gilt als zweitstärkste Spielklasse der Welt. Die MCL war bisher in eine Ost- und eine Westgruppe unterteilt. Vorstellbar ist nach den letzten Aufnahmen tschechischer, ungarischer und nun eines deutschen Klubs aber eine Neugliederung.

Denn ansonsten müssten die EHC-Junioren für ihre Spiele nach Moskau reisen, aber auch nach Chabarowsk. Kurioserweise gehört die Stadt im russischen Föderationskreis „Ferner Osten“, 8000 Kilometer von München entfernt, bislang auch zur Westgruppe. Die Anreise per Linienflug würde mindestens 14 Stunden dauern.

Die MCL bildet 17- bis 21-Jährige aus. Junge Männer, die ihre Begabung groß genug wähnen, um ihre Zukunft im Eishockey zu sehen. Ob und wie den Talenten beim EHC auch eine alternative Ausbildung ermöglicht wird, ist nicht bekannt, ebenso die Kosten. Vorstellbar ist, dass das Projekt analog zu den großen Fußballakademien aufgebaut wird. Wie bei Messi eben, der als Knirps aus Argentinien an die Barca-Schule kam.

Zu diesen Modellen gibt es kritische Stimmen, auch die EHC-Pläne sieht nicht jeder in der Eishockey-Szene mit Begeisterung. Offen dazu äußern wollte sich auf tz-Anfrage keiner. Auch die offizielle Bestätigung seitens des EHC steht noch aus.

wim

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen