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Eishockey: Ehemaliger Tölzer Löwe Korbinian Holzer aus dem NHL-Traum gerissen

Korbinian Holzer aus dem NHL-Traum gerissen

Bad Tölz - Der Ex-Tölzer Korbinian Holzer spielt vorerst in der AHL und sagt: „Es kann sich alles noch zum Positiven entwickeln“

© Claus Andersen

von patrick staar

Toronto/Bad Tölz - Der ehemalige Tölzer Verteidiger Korbinian Holzer war ganz nahe dran an der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL. Er durfte im Trikot der Toronto Maple Leafs Vorbereitungsspiele gegen die Philadelphia Flyers und die Buffalo Sabres bestreiten. Doch in der vorletzten Stufe des Auswahlverfahrens wurde der Geltinger aussortiert. Er muss somit fortan für das Farmteam, die Toronto Marlies, in der American Hockey League (AHL) spielen. Doch der Traum vom großen Eishockey ist für ihn noch nicht vorbei. Quasi über den „Hintertüre“ will Holzer doch noch in die NHL einziehen.

-Sie dürfen vorerst nicht in der NHL spielen, sondern in der AHL. Sind Sie enttäuscht?

Ich habe damit gerechnet, weil es in dieser Organisation sehr viele Verteidiger gibt. Auf der anderen Seite ist man nach solch einer Entscheidung natürlich immer enttäuscht. Aber Trübsal blasen bringt nichts. Es geht weiter, und ich möchte mich weiter für die NHL empfehlen.

-Wie viel Zeit geben Sie sich, um den Sprung zu schaffen?

Ich habe einen Zweijahres-Vertrag. Was dann passiert, wird man sehen. Nur weil ich in die AHL runtergeschickt wurde, heißt das nicht, dass ich zwei Jahre dort bleibe. Es kann in zwei oder vier Wochen ganz anders aussehen. Es kann sich alles zum Positiven entwickeln. Ich mache mir da keinen Stress.

-Was fehlt Ihnen noch, um den letzten Schritt in die NHL zu schaffen?

Ich durfte schon bei zwei Spielen mitmachen. Das war schon mal ganz gut. Ich muss mich erst mal an das andere Niveau gewöhnen. In der NHL geht alles noch schneller. Da werde ich noch ein paar Spiele brauchen. Aber das kommt automatisch.

-Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erstmals für die Maple Leafs auf dem Eis standen?

Da war ich natürlich etwas nervös. Aber das muss man schnell ablegen, und während des Spiels denkt man nicht mehr dran. Zur Hälfte der Spielzeit hatten wir nur noch vier Verteidiger, weil sich zwei verletzt hatten. Da hatte ich viel Eiszeit und wenig Zeit zum Nachdenken. Da spielst du einfach.

-Die Eishockey-Begeisterung ist in Kanada größer als in den USA. Sind sie froh, dass Sie bei einem kanadischen Club gelandet sind?

Speziell in Toronto ist alles noch mal alles ganz anders. Jeden Tagen kommt Eishockey im Fernsehen, beim Training sind zig Kamerateams und Reporter da. Verrückt. Faszinierend. Es ist eine ganz andere Eishockey-Welt. Jeder kennt die Mannschaft, jeder kennt die Spieler. Es herrscht eine ganz andere Aufmerksamkeit als in Deutschland.

-Ist das Training anders als in der DEL?

Es ist ein bisserl mehr Zug drin. Jeder versucht Vollgas zu geben, weil jeder um seinen Platz kämpft. In der DEL hat man seinen Platz sicher.

-Wenn so viele um so wenige freie Plätze kämpfen: Wie verhalten sich die Spieler untereinander?

Es ist eine lockere Atmosphäre. Jeder ist nett, und wir sind da gut aufgenommen worden. Natürlich spricht man nicht mit allen Leuten, die an so einem Camp teilnehmen. Am Anfang waren wir 63 Leute. Wir haben in drei Gruppen trainiert. Die Gruppen haben auch gegeneinander gespielt. Es macht Spaß, auf so einem Level zu trainieren. Da sieht man, wie weit man weg oder wie nahe man dran ist.

-Wie viele Spieler werden letztlich verpflichtet?

Acht Verteidiger, zwölf Stürmer und zwei bis drei Torleute. Es ist ziemlich schwierig reinzukommen, weil ein Großteil der Spieler gesetzt ist. Letztlich geht es um fünf oder sechs freie Positionen. Den ersten Cut habe ich überlebt, ich war bei den besten 40 dabei. Den zweiten habe ich dann leider nicht mehr überstanden. Man muss sich nur die Situation bei den Verteidigern ansehen: Da haben wir mit 23 Verteidigern angefangen.

-Eigentlich würde man erwarten, dass es in solch einer Situation nicht sonderlich kollegial zugeht.

Jeder versucht natürlich, sich bestmöglich zu präsentieren, aber untereinander verstehen wir uns ganz gut. Natürlich gibt es aber immer wieder kleinere und größere Reibereien. Es hat im Trainingscamp auch die eine oder andere Schlägerei gegeben. Aber das ist kein Problem.

-Wurden Sie auch in eine Schlägerei verwickelt?

Ich habe mich rausgehalten.

-Sie spielen jetzt für die Toronto Marlies. Wie ist das Niveau der AHL einzuschätzen?

Das Niveau ist in etwa so wie in der DEL. Technisch sind die Spieler allerdings nicht so versiert, weil in der DEL mehr erfahrene Leute mitspielen. Aber die Geschwindigkeit ist ähnlich.

-Wie reagiert Ihre Freundin darauf, dass Sie jetzt in Kanada spielen?

Sie kommt am Donnerstag nach und bleibt das ganze Jahr da. Nur im Januar muss sie noch mal heim, weil da ein paar Prüfungen für ihr Fernstudium anstehen. Sie studiert Business Communication und hat Englisch als Hauptfach. Es wird ihr helfen, dass sie jetzt zwei Jahre in Kanada wohnt.

-Für Sie dürfte es jetzt noch schwieriger werden, heim nach Gelting zu kommen?

Heuer werde ich es wohl gar nicht mehr schaffen, aber im nächsten Sommer werde ich auf alle Fälle wieder daheim sein und dort trainieren. Meine Eltern oder meine Brüder werden uns schon mal besuchen. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt. Es gibt ja inzwischen genügend Kommunikationsmittel.

-Haben Sie schon einen Spitznamen?

Das Übliche halt von Korbi bis Holzi. Vor Kurzem haben sie mich auch mal „Woody“ genannt.

-Waren Sie schon auf dem CN-Tower?

Ich war schon mal vor drei Jahren droben. Jetzt hatte ich dafür aber noch keine Zeit. Ich bin auf Wohnungssuche und werde mir heute noch mal einige anschauen. Aber wenn meine Freundin da ist, werden wir mal auf den Turm rauf fahren.

-Wo stehen Sie sportlich in zehn Jahren?

Ich hoffe, dass ich dann schon bei meinen zweiten Olympischen Spiele mit dabei war und mich in der NHL etabliert habe.

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