München - Am Montag ist EHC-München-Pressechef Carsten Zehm zurückgetreten. Darüber sprechen will er noch nicht. Er will erst einmal Abstand gewinnen. Dafür spricht ein bekannter Fan Klartext.
Carsten Zehm sagt über Carsten Zehm: „Der hat vom Eishockey überhaupt keine Ahnung.“ Er kommt aus Niedersachsen, ist also ein Zuagroaster in München. Und doch, oder gerade deshalb, war der Pressesprecher bei den Anhängern des EHC München so beliebt.
Vergangene Saison huldigten sie ihn mit Sprechchören und Plakaten wie sonst nur Torwart Joey Vollmer. Für beide gilt: Sie sind Sympathiebolzen, die den Klub mit ihrer Arbeit großgemacht haben. Für die Fans galt: EHC = EHZehm.
Am Montag ist Zehm endgültig zurückgetreten. Darüber sprechen will er noch nicht. Er will erst einmal Abstand gewinnen und sich verstärkt um seine PR-Agentur kümmern. Dafür spricht Oliver Wenner Klartext. Er ist EHC-Anhänger, dessen Wort in Fankreisen Gewicht hat und der im Fall Zehm gut informiert war. Er sagt: „Ich finde es schade, dass gewisse Leute im Klub Carsten wegen persönlicher Eitelkeiten rausgeekelt haben.“
In Ordnung, lass uns das machen, das war Zehms Motto seit Amtsantritt im April 2003. Er band Fans in die Arbeiten rund um den EHC ein. Zum Beispiel ins brachliegende Feld des Marketings. Oder in die Videoaufnahmen der Partien, die Trainer Pat Cortina für seine Analysen nutzt. Der Klub zahlt den Freiwilligen ein paar Groschen dafür; immer noch mehr, als Zehm viele Jahre für seine Arbeit bekam. In den letzten Wochen verhandelten Klub und Zehm über einen neuen Vertrag. Natürlich ging es auch ums Geld. Aber auch Spannungen mit den Klub-Oberen verhinderten eine Übereinkunft.
Anhänger Wenner sieht in Zehms Abschied mehr als nur den Abtritt eines Pressesprechers, er meint: „Carsten hat für den Klub für einen riesigen Aufschwung in der Presse gesorgt. Und ganz wichtig: Er hat sich für die Fanbelange interessiert und sich für uns eingesetzt. Im Klub gibt es eine Tendenz, dass die Meinung der Fans erkennbar rausgedrängt wird und Leute eingesetzt werden, die nach der Pfeife gewisser Leute tanzen. Der Klub ist professioneller geworden, klar. Aber man will sich unabhängig machen von den Fans. Das alles erinnert mich fatal an den TSV 1860 München…“
Martin Wimösterer
Rubriklistenbild: © sampics


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