Bad Tölz - Toni Prommersberger im Gespräch über defensives Spiel, falsche Erwartungen und unnötige Checks: „Es muss nicht immer scheppern“.

Die Fans hatten hohe Erwartungen an den Neuzugang aus der 2. Bundesliga: Verteidiger Toni Prommersberger wechselte diese Saison von den Landshut Cannibals zu den Tölzer Löwen. FOto: Patrick Staar
Er kam als Hoffnungsträger zu den Löwen. Ausgestattet mit DEL- und Zweitliga-Erfahrung sollte Toni Prommersberger für Stabilität in der Tölzer Abwehr sorgen. Doch viele Fans sind enttäuscht vom 30-jährigen Routinier: Zu behäbig, zu wenig Druck nach vorne, zu viele Fehler, dafür lässt er harte Checks vermissen, lauten die Kritikpunkte. Der Tölzer, der momentan eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei der Stadt macht, bezieht Stellung.
-Herr Prommersberger, Sie enttäuschen seit Beginn der Saison die Erwartungen der Fans. Können Sie bei den Löwen nicht mithalten?
Doch, aber meine Spielweise unterscheidet sich von den meisten der jungen, offensiven Verteidiger. Ich spiele defensiv, sichere ab. Ich kam aus der 2. Bundesliga, jetzt erwarten die Fans in der Oberliga von mir, dass ich die Scheibe hole, mich nach vorne durchtanke und ein Tor nach dem anderen schieße. Dazu bin ich aber nicht der Spielertyp. Ich habe gelernt: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften. Daran halte ich mich.
-Kommen Sie mit dem Tempo der Löwen zurecht?
Damit habe ich keine Probleme, auf 100 Meter schlägt mich höchstens der Florian Strobl, und auf dem Eis auch. Es ist einfach ein anderes Eishockey als in der 2. Bundesliga. Da ist das Spiel strukturierter, es gilt mehr, taktische Vorgaben umzusetzen. Und man kann sich noch mehr auf seine Mitspieler verlassen. Ich möchte damit nicht meine jungen Kollegen schlechtreden. Aber wenn vier Spieler nach vorne stürmen, braucht es einen, der nach hinten absichert. Darum kümmere ich mich, so dass hinten nichts passiert. Das müssen die jungen vielleicht noch lernen.
-Von Ihnen?
Ich versuche schon, meine Erfahrungen weiterzugeben, so weit ich kann. Wir haben sehr viele junge Spieler, und die müssen lernen, nicht einfach nach vorne zu rumpeln. Ich versuche ihnen weiterzugeben, welche Möglichkeiten sie in verschiedenen Situationen haben.
-Mit Ihnen auf dem Eis fallen nur wenige Gegentore. Woran liegt es, dass die Fans trotzdem nicht zufrieden sind?
Sie bekommen nicht das zu sehen, was sie sehen wollen. Ich mache von hinten raus ein unauffälliges Spiel, sehr defensiv, weil es bei uns nach vorne ohnehin von alleine läuft. Dadurch entsteht der Eindruck, dass ich zu wenig mache, weil es ein unauffälliges Spiel ist. Aber ich erledige meinen Job.
-Sie laufen so viel wie jeder andere?
Das vielleicht nicht. Aber mir hilft meine Erfahrung, unnötige Laufwege zu verhindern. Durch gutes Stellungsspiel muss man nicht so viel laufen, ist aber trotzdem effektiv. Ich antizipiere meistens, wo die Scheibe hingeht und wo der Gegner ist, und wenn der den Puck kriegt, bin ich gleich da. Außerdem ist die Scheibe schneller, wenn man sie passt, als wenn man läuft. So kommt ein fehlerfreies Spiel zustande.
-Fehlt bei den Löwen zuweilen der sichere Pass?
Es kommt darauf an, wie wir spielen. Es bringt nichts, sicher hin und herzupassen, und die Scheibe dann im Vorwärtslaufen zu verlieren. Wir müssen uns auf unsere Stärken verlegen, forechecken. Dann können wir den Gegner überlaufen. Aber dabei ist der Blick nach hinten wichtig.
-Stellt Ihre Ausbildung eine Doppelbelastung dar?
-Das geht den anderen Spielern ähnlich...
Das stimmt, die meisten arbeiten viel. Aber einige haben bloß vormittags Schule, und die meisten sind jünger als ich. Da regeneriert man noch leichter...
- Sie spielen meistens mit den ganz jungen Spielern zusammen. Warum?
Das macht der Trainer absichtlich so, damit den jungen geholfen wird und Stabilität reinkommt. Wenn die Fehler machen, kann sich Flocko drauf verlassen, dass ich da bin und absichere. Generell kann ich mit allen gut zusammenspielen.
-Dafür, dass Sie „wie ein Mädchen hingehen“, wie der Trainer einmal gesagt hat, haben Sie ganz schön viele Strafzeiten gesammelt. Mit 53 Minuten liegen Sie bei den Löwen an dritter Stelle...
Da waren einmal zwei plus zehn dabei, über die Strafe haben alle gelacht. Und eine fünf plus Spieldauer. Die war unglücklich, die habe ich nur bekommen, weil dem Peitinger damals ein Zahn rausgefallen ist. Bleiben noch 16 Strafminuten übrig...
-Sie können also auch hart checken?
Ja, aber ich muss nicht immer die Leute zammfahren. Das macht manchmal einfach keinen Sinn. Manchmal sind Checks kontraproduktiv: Wenn der Gegenspieler ausweicht, fährt er hinter mir durch, und die Scheibe ist weg. Da ist es gescheiter, ihn abzupassen, an die Bande zu drängen, dann erobere ich die Scheibe und spiel’ sie weiter. Es muss nicht immer scheppern, auch wenn das die Fans gerne sehen. Überlegtes Spiel ist manchmal besser. Nicht mit Brachialgewalt, sondern mit Köpfchen.
-Wie kommen Sie im Tölzer Team zurecht?
Eine super Truppe, ich komme mit allen gut zurecht. Alle sind wissbegierig, heiß aufs Eishockey, trainingsfleißig, alle haben einen guten Charakter. Ab und zu sind wir zu ungestüm, jung und wild.
-Zu jung und wild für die Meisterschaft?
Nein, wir können Meister werden. In den Play-offs ist alles offen. Selbst die West-Vereine können wir schlagen. Frankfurt oder Kassel haben vielleicht eineinhalb gute Reihen. Wenn wir gegen die etwas defensiver spielen und die Top-Spieler ausschalten, sind Siege drin. Es wird auf jeden Fall ein Erlebnis für die jungen Spieler, wenn wir vor 5000 Zuschauern spielen.
-Und dann kommt der Aufstieg?
Das wäre eher schlecht, dann könnte ich nicht mehr in Tölz spielen. Ich würde gerne bleiben, aber in der 2. Liga müsste ich mir freitags für die Auswärtsspiele frei nehmen. Das geht nicht, der Beruf geht vor. (lacht) Dann spiele ich vielleicht für Gaißach oder Reichersbeuern.
(Nick Scheder)



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