SC Riessersee hat ein Offensivproblem

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    • 18.02.13
    • SC Riessersee
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SC Riessersee hat ein Offensivproblem

Die Angst vor dem Torschuss

Garmisch-Partenkirchen – Nominell standen auf dem Spielberichtsbogen des SC Riessersee in der Partie gegen den ESV Kaufbeuren elf Angreifer.

© Thomas Sehr

Folgt man der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, die das Aufgabengebiet eines Stürmers mit „der Stürmer soll in erster Linie für die Tore seines Teams sorgen und wird nach seiner Chancenverwertung beurteilt“ beschreibt, dann verdient die Bezeichnung Stürmer beim SC Riessersee allerdings kaum einer. Oldie Tim Regan vielleicht, dem bei der 1:3-Niederlage gegen die Kaufbeurer das einzige SCR-Tor nach zuletzt zwei Nullnummern gelang.

Im Februar ist Regan 39 Jahre jung geworden, sein Treffer war Tor Nummer zehn, was ihn zusammen mit Erik Condra, der längst wieder in der National Hockey-League (NHL) seiner Beschäftigung nachgeht, als besten Torschützen des Tabellenletzten ausweist. „Es ist schon bezeichnend, dass unser ältester Spieler die meisten Tore geschossen hat“, sagt Riessersees Trainer Toni Krinner. Regan ist nicht nur treffsicher, sondern einer, der kämpf, rackert, dorthin geht, wo’s weh tut und Emotionen zeigt.

Die Spielweise seiner Mannschaft hat Krinner, der seit Mitte Januar beim Schlusslicht der 2. Eishockey-Bundesliga die sportliche Verantwortung trägt, ein bisschen desillusioniert. „Was die Offensive angeht, habe ich mir die Aufgabe nicht so schwierig vorgestellt“, räumt er ein.

Es ist seit Saisonbeginn immer dasselbe Lied und das alte Leiden. Den meisten SCR-Profis mangelt es an Talent und Qualität, um in der 2. Liga erfolgreich zu sein. Es ist die Angst vor dem Torschuss, die fast durch die Bank die Spieler quält. So auch gestern. Ehe den Kaufbeurern durch Daniel Menge in der 25. Minute das 1:0 gelang, hätte der SC Riessersee 2:0 führen können, nein müssen. Andrew Lord und David Appel, der eine Kanadier, der andere Tscheche, beide als Torjäger eingekauft, scheiterten kläglich mutterseelenallein vor Kaufbeurens Ersatztorwart Johannes Wiedemann. Krinner fand das Versagen seiner Kontingentspieler bestimmt nicht gut, doch er verpackte es eloquent. „Die mangelnde Chancenverwertung zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Spiele. Selbst die besten Möglichkeiten werden vergeben. Das ist bitter, sehr, sehr bitter.“ Seine Mannschaft habe nach dem Rückstand den Faden verloren, nachdem sie das erste Drittel dominiert habe.

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Wer keine oder nur wenige Tore schießt, der wird auch nicht gewinnen. Deshalb trägt der SC Riessersee seit dem vierten Spieltag die Rote Laterne und wird dies – wenn nicht noch ein Wunder geschieht – wahrscheinlich auch bis zum Ende der Punkterunde am 17. März tun. Dabei hatte Krinner bei seinem Amtsantritt das Erreichen des vorletzten Platzes als Ziel ausgegeben. Acht Zähler beträgt der Rückstand auf den ESV Kaufbeuren, der eine Mannschaft von ähnlichem Zuschnitt wie der SCR hat. Bieder, bescheiden, vom Kampf lebend. Trotzdem hat es für die Riesserseer in zwei Zweitliga-Heimspielen und einer Pokal-Begegnung nicht zu einem Erfolg gereicht. ESVK-Trainer Ken Latta, in dieser Saison auch nicht gerade vom Schicksal – die Kaufbeurer Eishalle ist gesperrt, da einsturzgefährdet – oder vom Erfolg verwöhnt, feierte die drei Punkte nach einer Niederlagenserie als Befreiungsschlag. „Wir trainieren wenig, trotzdem liefert die Mannschaft immer wieder gute Leistungen ab. Ich bin stolz auf sie.“ Beim SCR wird viel trainiert, die Ergebnisse hingegen sind noch schlechter als die des ESVK, weil der Stürmer hat, die wenigstens ansatzweise diese Bezeichnung verdienen.

Peter Reinbold

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