Die Arbeitsbiene macht Karriere

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    • 30.01.13
    • Tölzer Löwen
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Die Arbeitsbiene macht Karriere

Bad Tölz - Der Ex-Löwen-Verteidiger Andreas Andrä gehört zum erweiterten Kader der Hamburg Freezers. Bislang hat er es auf14 DEL-Einsätze gebracht.

„Riesengroße Anspannung“ vor Debüt in der DEL

„Riesengroße Anspannung“ vor Debüt in der DEL

Welche Spieler der Tölzer Löwen haben das Zeug für DEL-Einsätze? Hörte man sich in der vergangenen Saison bei den Fans um, so wurden meist die üblichen Verdächtigen genannt. Yasin Ehliz, Peter Lindlbauer, Andreas Jenike und Leo Pföderl. Vielleicht noch Johannes Sedlmayr und Florian Strobl. Aber Andreas Andrä? Den Verteidiger hatten nur wenige auf der Rechnung. Und doch hat der 22-Jährige still und heimlich den Sprung in den erweiterten Kader der Hamburg Freezers geschafft und brachte es in dieser Saison schon 14 Einsätze in der höchsten Liga. Eine Entwicklung, die ihn selbst etwas überrascht. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich gleich in den DEL-Kader reinrutsche. Aber ich bin sehr glücklich darüber.“

Andräs Weg in die DEL war so wie der vieler Isarwinkler: Er begann beim SC Reichersbeuern, wechselte zum EC Bad Tölz und absolvierte etliche Nachwuchs-Länderspiele. In der Insolvenz-Saison 2008 stand er erstmals im Kader der Löwen. In den folgenden vier Jahren brachte er es auf 143 Einsätze in der 2. Bundesliga und Oberliga, in denen er 27 Scorerpunkte sammelte. Als Arbeitsbiene erledigte er unauffällig und unaufgeregt seine Defensivaufgaben.

Im vergangen Sommer wollte Andrä etwas Neues kennenlernen und zog nach Hamburg um. Sein Plan: Ein Praktikum in der Immobilienbranche zu absolvieren und nebenbei beim Hamburger SV Eishockey zu spielen. Dem Oberligisten stand zunächst jedoch kein Eis zur Verfügung, und so trainierte Andrä einfach mal bei den Freezers. Sein Auftritt war überzeugend. Ein paar Tage später hatte der 22-Jährige eine Förderlizenz in der Tasche. Und am 21. Oktober gab er bei der Partie in Düsseldorf sein DEL-Debüt: „Natürlich war da die Anspannung vor dem Spiel riesengroß“, sagt Andrä. „Aber als ich auf dem Eis stand, war ich total auf das Spiel fokussiert. Die Nervosität war schnell verflogen.“ Die Anpassung an die höhere Liga fiel ihm nicht allzu schwer. Natürlich sei das Tempo höher. „Aber teilweise finde ich es einfacher, in der DEL zu spielen, weil ich weiß, dass mein Mitspieler immer dort steht, wo er stehen muss. Und man kann sicher sein, dass die Pässe ankommen.“

Sportlich hat sich der Tölzer im hohen Norden eingelebt, auch privat hat er keinen Grund zur Klage. Andrä lebt in einer vierköpfigen Wohngemeinschaft. Zwei seiner Mitbewohner haben mit Eishockey nichts am Hut. Der dritte, Marcel Schlode, ist Kapitän des HSV. „Lauter Supertypen“, sagt Andrä. Einmal pro Woche kommt eine Putzhilfe. Die restlichen Haushalts-Aufgaben teilen die vier Männer unter sich auf. Abends sitzt Andrä am liebsten im Café Alex. Von dort aus genießt er den „super Blick auf die Binnenalster und die traumhaften Hausfassaden“.

Und wie sieht es mit der Sprache aus? In der Kabine der Freezers sitzen etliche Bayern. Die Ausländer begrüßen Andrä schon mal mit einem zackigen „Servus“. Bei ihm selbst haben die paar Monate im hohen Norden allerdings Spuren hinterlassen. Er spricht ein Bairisch, in das sich immer wieder hochdeutsche Passagen einschleichen. Hat er Angst, allmählich seine Muttersprache zu verlernen? „Nein“ entgegnet der Verteidiger lachend: „Das ändert sich sofort, sobald ich daheim bin.“ In Hamburg müsse man gezwungenermaßen Hochdeutsch reden: „Sonst wird man blöd angeschaut, weil keiner mehr etwas versteht.“

Der Kontakt nach Tölz ist nicht abgerissen, schon alleine deshalb, weil seine Mutter in der Geschäftsstelle der Löwen arbeitet. Dass die Stimmung im Umfeld gedämpft ist, hat der Verteidiger registriert - es überrascht ihn aber nicht: „Es ist immer so, dass die Saison nach einem Meistertitel brutal schwierig ist. Die Erwartungen sind höher als sie sein sollten. Wenn es nicht wie gewünscht läuft, kommt Kritik auf.“ Doch die Kritik ist harmlos im Vergleich zur Medienstadt Hamburg: „Hier wird auf Kleinigkeiten viel mehr herumgeritten.“

Andräs Wunsch ist, in Hamburg zu bleiben und in der kommenden Saison mit Förderlizenz für einen Zweitligisten aufzulaufen. Die Chancen stehen nicht schlecht - dem Tölzer liegt ein ganzes Paket an Vertragsangeboten vor. Über weitere DEL-Einsätze würde sich längst niemand mehr wundern.

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