Die lieben Nachbarn

Bad Tölz - Eigentlich ist alles geklärt. Aber ein bisschen angefressen ist Dieter Taffel immer noch. In den vergangenen Monaten hat der Vorsitzende des TEV Miesbach einige wichtige Nachwuchsspieler verloren, alle an den EC Bad Tölz.

Schon zum Jahreswechsel war der Topscorer der Schüler-Bundesliga-Mannschaft, Tobias Kirchhofer, zum Nachbarverein gewechselt. Nach der Saison folgten ihm Teamkollege Michael Grabmaier sowie die beiden Knabenspieler Lukas Leitner und Tobias Steiger. Pikant: In allen vier Fällen handelt es sich um Schüler-Spieler. Und das, obwohl die Miesbacher und Tölzer beide in der Bundesliga spielen, der höchsten Klasse in dieser Altersstufe.

„Den Kindern kann man nicht böse sein“, meint Taffel. Den Tölzern dagegen schon. Allen voran Yanick Dubé. Der 39-Jährige spielt für die Tölzer Löwen in der Oberliga und war bei einem Sichtungslehrgang des Bayerischen Eishockey-Verbands (BEV) als Trainer dabei - ebenso wie Kirchhofer und Grabmaier. „Die hat er als Sichtungstrainer direkt angesprochen“, berichtet Taffel. „Das geht gar nicht. Das macht natürlich was her, wenn einen der Dubé anspricht.“ Nun tragen die Umworbenen das Tölzer Trikot. „Für uns ist das ein brutaler Aderlass“, betont Taffel. Auch finanziell. Denn die Ausbildung von Talenten kostet den Verein viel Geld, und eine Ausbildungsentschädigung gibt es auf Landesebene nicht.

Das Fass zum Überlaufen brachte dann ein Interview auf der Homepage der Tölzer. Kurz nach der gewonnenen Bundesliga-Meisterschaft der Schüler-Mannschaft - an der neben Kirchhhofer auch der Ex-Miesbacher Tobias Eder Anteil hatte - warf EC-Trainer Sebastian Fottner dem TEV schlechte Nachwuchsarbeit vor (siehe Interview unten). „Das war mir dann zu viel“, schimpft Taffel. „Wir haben vier Nationalspieler, wie kann man da von schlechter Nachwuchsarbeit reden. „Und einen anderen Verein denunzieren, das tut man nicht.“

TEV-Geschäftsstellen-Leiter Markus Wieland sieht das ähnlich. Allein die Tatsache, dass die Tölzer Spieler in Miesbach abwerben, zeige, dass es gute Spieler gibt. Derzeit stehen sieben Miesbacher in der bayerischen U13-Auswahl, fünf in der U14 und drei in der U15. Dazu die 1Nachwuchs-Nationalspieler Andreas und Tobias Eder, Michael Grabmaier sowie Jenny Schuster. Allerdings würde er sich von Verbandsseite auch stärkere Einschränkungen für Vereinswechsel im Jugendbereich wünschen. „Denn wir als kleiner Verein leiden darunter, dass rechts und links mit Tölz und Rosenheim zwei starke Vereine sind.“

Inzwischen hat es zwischen Taffel und seinem Tölzer Amtskollegen Josef Hintermaier eine Aussprache gegeben. „Wir haben die Entschuldigung akzeptiert“, sagt Taffel. „Auch wenn man’s nicht mehr rückgängig machen kann: Wir sind an einem guten Verhältnis interessiert.“ Hintermaier bestätigt, dass die Sache geklärt sei: „Da sind ein paar Dinge unglücklich gelaufen“, räumt er ein. Auch Dubé hat er sich zur Brust genommen. „Er hat sowohl vom BEV als auch vom Verein eine Abmahnung bekommen.“

Hintermaier betont zudem, dass die Situation des TEV auch den Tölzern nicht fremd sei. „Es ist immer ein Problem, wenn ein Spieler weggeht“, sagt Hintermaier. Wie berichtet zieht es die Talente Andreas Eder (Miesbach) und Maximilian Kammerer nach Kanada. „Deshalb wein’ ich jetzt auch nicht.“

Dennoch betont Hintermaier: „Ein gewisses Konkurrenzdenken ist wichtig, aber ich darf niemals einen anderen schädigen.“ Es sei für den Eishockey-Sport wichtig, dass es viele Vereine gibt. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, möchte er im Rahmen seiner Möglichkeiten den Miesbachern mit Eiszeiten helfen, so lange das Hallendach saniert wird (wir berichteten). „Es ist selbstverständlich, dass wir versuchen, beim Nachbarn zu helfen.“

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