Den Stadionbesuch mussten die 1238 Zuschauer sicher nicht bereuen. Beim Spiel der Löwen gegen den EHC Klostersee war alles drin: Tempo, ein ansehnliches Niveau, großer Kampf, der Ausgleich nach 0:2-Rückstand aus Tölzer Sicht, jede Menge Spannung in einer Schlussphase, in der sich eine Rauferei an die nächste reihte. Erst im Penaltyschießen mussten sich die Löwen 2:3 geschlagen geben.
Bei den Löwen fehlten Leo Pföderl, Michael Fischer und Dennis Neal. Dafür bekamen sie die Nürnberger Leihgaben Peter Lindlbauer und Tim Schüle, die nur bedingt überzeugen. Beide machten zwar gute Defensiv-Arbeit mit sporadisch cleveren Offensiv-Aktionen. Doch gerade Schüle leistete sich manchen Fehler, verschuldete einen (fragwürdigen) Penalty, den Michael Dorr an die Latte setzte.
Bilder vom Spiel gegen Klostersee
Nicht nur diese Aktion machte die Partie durchaus ansehnlich. Schnell waren beide Teams. Doch der EHC Klostersee war effizienter im Torabschluss. Wo die Löwen in Überzahl einen Pass zu viel spielten oder die Scheibe zu ungenau auf den Weg schickten, verwandelte Grafing den tödliche Pass. Bei den Buam verpasste Yanick Dubé Florian Strobls Pass knapp. Auch Christoph Fischhaber, der rechtzeitig zum Spiel genesen war, machte nichts aus Josef Kottmairs schönem Zuspiel.
Die Gäste dagegen gingen mit zwei einfachen Treffern in Führung. Erst vollstreckte Michael Dorr Patrick Cullens Traum-Pass bei einem Konter zum 1:0 kurz vor der ersten Pause. Dem 2:0 ging wieder ein direkter Pass voraus. Diesmal bediente Christian Hummer seinen Vordermann Andreas Farny punktgenau, der ließ Viona Harrer keine Chance. „In der Situation wäre jeder mit einem Punkt zufrieden gewesen“, meint Löwen-Trainer Florian Funk.
Mit Wut im Bauch drängte Tölz auf den Ausgleich. Doch Strobl oder Thomas Merl waren einen Schritt zu spät, oder die Pässe kamen zu ungenau. Auch eine doppelte Überzahl nutzten die Buam nicht, keiner traute sich zu schießen. Stattdessen Schüles Fehler in Formation. Dorr lief alleine auf Harrer zu, die parierte, doch Schiedsrichter Roland Seckler entschied auf Penalty, als Schüle selbst zu klären versuchte und Dorr behindert haben sollte. Dorr vergab.
Mit dieser Entscheidung verlor Seckler seine Linie. Und die Löwen kamen zurück ins Spiel. Erst erzielte Merl per Bauerntrick den Anschluss. Dann stocherte Yanick Dubé zum Ausgleich ins Tor. Jetzt war es nicht nur wieder ein enges Spiel, vor allem auf der Strafbank wurde es eng. Schüle lag nach einem Check auf dem Eis, ein Klosterseer Ellbogen soll beteiligt gewesen sein. Merl trug die Angelegenheit mit den Fäusten gegen Gennaro Hördt aus. Der Tölzer holte sich eine blutige Nase, war am Ende aber obenauf. Über den Ausgang der Auseinandersetzung wollte er sich aber nicht auslassen. „Das muss der andere entscheiden“, sagte Merl, der den Rest des Spiels zuschauen musste: Genau wie Franz Mangold bei Tölz sowie die Klosterseer Nicolai Quinlan und Hördt bekam er eine Disziplinarstrafe.
Und sie sahen von außen: Immer wieder Raufereien. Nur Tore blieben aus - auch, weil die Keeper Harrer und Martin Morcinietz stark fingen. Die Verlängerung blieb torlos. Im Penaltyschießen zogen die Löwen dann doch den Kürzeren, weil nur Dubé seinen Versuch verwandelte.
Auch den Tölzern gelang es nicht, den Siegeszug des EHC Klostersee zu stoppen. Zwar holten sie einen Punkt, doch müssen sie jetzt den Tabellenplatz vier mit den Grafingern tauschen. Funk hofft, dass es bis zu den Play-offs nicht so bleibt. Dann träfen die Teams wieder aufeinander. „Aber es ist ja kein Wunschkonzert.“
(Nick Scheder)
































