Und plötzlich sagt ein Spieler zu Korbinian Holzer: „Es ist Dein Tor“

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    • 13.02.13
    • Tölzer Löwen
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Interview

Und plötzlich sagt ein Spieler zu Korbinian Holzer: „Es ist Dein Tor“

Bad Tölz - Erst mit Verzögerung erfährt Korbinian Holzer, dass er seinen ersten Treffer in der NHL geschossen hat. Fast täglich hat er nun Fernseh-Auftritte.

Was für eine Woche für Korbinian Holzer. Erst schob der NHL-Club Toronto Maple Leafs den Verteidiger aus Gelting in die zweitklassige AHL ab. Dann durfte er zurückkehren, schoss im ersten Spiel gleich ein Tor und im dritten noch eines. In Partie Nummer vier kassierte Holzer eine große Strafe wegen eines Bandenchecks. Über die wohl turbulenteste Woche seiner Eishockey-Karriere sprach der Tölzer Kurier mit dem 24-Jährigen, dessen Karriere einst im Nachwuchs des TuS Geretsried und des EC Bad Tölz begann.

Zwei Tore in vier Spielen: Werden Sie jetzt zum Torjäger?

(lacht) Zurzeit läuft’s. Die Scheibe springt genau dorthin, wo ich stehe oder sie springt gleich ins Tor. Das ist Glück, aber ich nehm’s mit. Ich erwarte nicht, dass es jetzt immer so läuft.

Was ist Ihnen in dem Moment, als Sie Ihr erstes Tor geschossen haben, durch den Kopf gegangen?

Nicht viel. Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob es mein Tor war. Es waren ziemlich viele Leute vor dem Tor. Ich hab’ gesehen, dass der Puck abgefälscht wurde, aber habe nicht gewusst, ob einer von uns oder den anderen dran war.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie der Torschütze sind?

Als ich in der Jubeltraube drin war, hat mir ein Mitspieler gesagt: Es ist Deins. Das war ein aufregendes Gefühl. Dass es dann sogar das Siegtor war, hat das Ganze noch vergoldet.

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Tore in der Heimat?

Per SMS oder über Facebook habe ich einen Haufen Glückwünsche bekommen. Es hat mich brutal gefreut, dass sich so viele Leute mit mir freuen und an mich denken. Das pusht einen, man gibt noch mehr Gas.

Ihre Eltern wurden von Ihrem ersten NHL-Tor völlig überrumpelt...

Bis kurz vor dem Aufwärmen habe ich nicht gewusst, ob ich überhaupt spielen darf. Als es feststand, war es in Gelting ein Uhr nachts. Da wollte ich keine SMS mehr schreiben. Blöd gelaufen, dass ich dann auch noch ein Tor schieße (lacht). Meine Eltern haben es sich am nächsten Tag in der Früh angeschaut. Sie haben sich unwahrscheinlich gefreut.

Ist das erste Tor in der NHL Ihr bisheriger Karriere-Höhepunkt?

Es zählt auf alle Fälle zu den top drei bis fünf Momenten. Olympia war bislang das höchste der Gefühle. Dann die Weltmeisterschaft zu Hause mit dem Eröffnungsspiel auf Schalke vor 78 000 Zuschauern. Das war Wahnsinn. Das steht mit dem ersten NHL-Tor auf einer Stufe. Ich würde da nicht von Erlebnis Nummer eins, zwei, drei reden sondern von Erlebnis 1a, 1b und 1c. Lauter unglaubliche Geschichten, die man nie vergisst. Das sind Erfahrungen, die einen prägen. Wenn man älter ist, kann man davon erzählen.

Nach Ihrem Tor haben Sie den Puck in die Kameras gehalten. Haben Sie ihn von Ihren Mitspielern bekommen?

Ich weiß nicht, wer ihn geholt hat. Wer auch immer es war: Ich bin sehr dankbar dafür. Die Scheibe kommt daheim an einen besonderen Platz. Ich weiß nicht, ob ihn meine Eltern haben wollen oder ob ich ihn bei uns zu Hause hinlege.

Bei ihrem zweiten Tor sind Sie mutig nach vorne gestürmt. Hätten Sie das zweite Tor geschossen, wenn das erste nicht gefallen wäre?

Ich weiß nicht, ob ich schon in meinem ersten Spiel so mit nach vorne gegangen wäre. So was hat viel mit Selbstvertrauen zu tun. Mit jedem Spiel traut man sich mehr, mit jeder Minute fühlt man sich auf dem Eis wohler, läuft es besser.

Vor eineinhalb Wochen wurden Sie in die AHL geschickt, und auf einmal sind Sie zweifacher Torschütze in der NHL. Kommt Ihnen das surreal vor?

So schnell kann’s kommen. Von einem auf den anderen Tag kann sich alles um 180 Grad drehen.

Waren die vergangenen vier Spiele Ihr Durchbruch in der NHL?

Schwer zu sagen. Sechs Spiele hab’ ich heuer gemacht. Es wird immer besser. Das Gute ist, dass ich oft aufs Eis darf und die Trainer mir das Vertrauen geben. Ich versuche, das Beste draus zu machen. Es ist aber etwas früh, vom Durchbruch zu sprechen.

In Vorberichten konnte man nachlesen, dass Toronto wegen der vielen verletzten Spieler wahrscheinlich alle vier Spiele verliert. Und jetzt haben die Maple Leafs viermal in Serie gewonnen. Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Das ist Toronto (lacht). Wenn man gewinnt, planen sie fast schon die Stanley-Cup-Parade, wenn man ein paar Spiele verliert, ist alles schlecht. Es gibt nur Extreme. Wenn man gewinnt, macht es brutal viel Spaß, weil alle hinter der Mannschaft stehen und begeistert sind.

Die Krönung war wohl der 6:0-Sieg in Montreal. Das ist ja ein Derby.

Ja, das ist so wie Tölz gegen Garmisch oder wie Sechzig gegen Bayern. Da gibt es eine ewige Rivalität. 6:0 auswärts gewinnen - das ist ein Statement. Wir haben über 60 Minuten ein perfektes Spiel gemacht und überhaupt nichts zugelassen. Bei Boxkämpfen, die es in solch einem Derby immer gibt, haben wir uns auch nichts gefallen lassen. Toronto ist eine Mannschaft, die zusammensteht und in der jeder jeden unterstützt.

Sie haben auch ein Statement mit den Fäusten abgegeben....

Das war nicht so schlimm. Das war nur eine Schubserei. Da waren schlimmere Sachen dabei.

Es gibt aber auch ein unerfreuliches Thema: Gegen die Philadelphia Flyers haben Sie zuletzt eine 5+10-Minuten-Strafe wegen eines Bandenchecks kassiert. Kanadische Medien berichten, dass sich womöglich die Diziplinar-Kommission einschaltet und Ihnen eine längere Sperre droht. Wissen Sie schon Genaueres?

Das passiert nicht. Gott sei Dank.

Wie haben Sie die Aktion erlebt?

Das war etwas unglücklich. Der Puck kommt in die Rundung, und wir gehen beide zur Scheibe. Mein Gegenspieler hat nicht damit gerechnet, dass ich daherkomme. Dann ist alles ziemlich schnell gegangen. Mein Gegenspieler hat mir den Rücken zugedreht, hat gebremst und ist unglücklich gegen die Bande geflogen. Natürlich hat das ziemlich wild ausgeschaut. Aber es war keine Absicht von mir. Es war blöd. Ich denke, dass der andere Spieler nicht ganz unschuldig war. Man muss immer aufpassen und sich selber schützen.

Toronto musste anschließend fünf Minuten in Unterzahl überstehen. Wie war die Reaktion der Trainer?

Sie haben gesagt: „Mei, das passiert halt.“ Ich soll mir keinen Kopf machen. Sie haben es lieber, wenn ich hart spiele als dass ich gar nicht hingehe. Das Unterzahlspiel hat gut funktioniert, wir haben kein Gegentor kassiert. Die Kollegen haben mir geholfen.

Hat diese Woche Ihr Leben verändert?

Nicht wirklich. Ich war jetzt eine Woche lang bei Auswärtsspielen unterwegs und weiß nicht, was in der Stadt los war. Ich glaube nicht, dass sich mein Alltag groß verändert. Die Trainingshalle ist die gleiche wie bei den Toronto Marlies, die Kabinen sind 300 Meter voreinander entfernt. Nur der Weg zum Stadion hat sich verändert.

Ein Unterschied dürfte aber sein: Sie werden jetzt fast täglich im kanadischen Fernsehen interviewt.

Wenn man sein erstes Tor schießt, ist das immer etwas Besonderes, gerade in Toronto. Die Medien hier sind extrem. Nach jedem Training sind zig Reporter und Kamerateams in der Kabine.

Zuletzt durften Sie sogar an der Seite von Star-Verteidiger Dion Phaneuf spielen.

Es ist schon etwas Besonderes, wenn man als junger Spieler reinkommt, in der ersten Reihe spielen darf und viel Eiszeit bekommt. Für die Medien ist das auch etwas Besonderes. Entsprechend oft wird man angesprochen.

In der vergangenen Woche sind Sie weit rumgekommen. Erst 900 Kilometer nach Washington, dann 2500 Kilometer nach Winnipeg und 2300 Kilometer nach Montreal. Fahren Sie überhaupt noch mit dem Bus zu Auswärtspielen?

Sobald man in der NHL ist, wird überall hin geflogen. Die Spiele liegen zeitlich so eng beieinander, dass keine Zeit für Busfahrten bleibt. Eine Ausnahme sind Spiele in Buffalo. Dorthin ist man auch nur eineinhalb Stunden unterwegs.

Bleibt bei den ganzen Reisen überhaupt noch Zeit für Training?

Auf jeden Fall. Es ist immer noch Zug drin. Wir haben 48 Spiele in 99 Tagen. Da ist die Trainings-Intensität natürlich nicht so hoch wie wenn man nur zweimal pro Woche spielt.

Sehen Sie wenigstens ab und zu Ihre Freundin?

In der vergangenen Woche gar nicht. Es ist schwierig, weil ich nie länger als einen Tag daheim bin. Ich fliege mit der Mannschaft nach einem Heimspiel sofort weiter, wenn wir zwei Tage später ein Auswärtsspiel haben. Aber meine Freundin arbeitet nebenbei, dann ist es nicht so wild. Man gewöhnt sich daran. Ich würde mich nie darüber beschweren. Ich bin in der NHL, dort wollte ich hin. Wenn ich mich beklagen würde, wäre das Jammern auf hohem Niveau.

Sie haben schon erwähnt, dass Olympia 2010 in Vancouver ein Höhepunkt Ihrer Karriere war. Was sagen Sie dazu, dass Deutschland sich nicht für Olympia 2014 qualifiziert hat?

Das ist sehr schade. Es ist traurig. Und das ist noch untertrieben. Die Jungs haben sicher alles versucht, aber sie haben einfach kein Tor reingebracht. Langfristig gesehen ist das Ausscheiden für die Eishockey-Nationalmannschaft nicht gut.

Die Nationalmannschaft scheint bei Ihnen trotz der NHL-Einsätze einen hohen Stellenwert zu haben?

Sicher. Es ist eine Ehre, in der Nationalmannschaft zu spielen. Wenn Toronto gesagt hätte, dass ich in der Olympia-Qualifikation mitspielen darf, wäre ich sofort rübergeflogen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Carolina wieder dabei sind?

Ich weiß es noch nicht sicher, aber ich gehe davon aus, dass ich spielen darf.

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