Auf eines ist im Eishockey Verlass: Wenn es Sommer wird, beginnen die Machtkämpfe. In diesem Jahr ist alles anders. Die Funktionäre wollen sich nicht so lange wie zuletzt gedulden. Schon jetzt wird hinter den Kulissen heftig gerangelt. Die in der Eishockey Spielbetriebs-Gesellschaft (ESBG) organisierten Zweitligisten haben den Kooperationsvertrag mit dem Deutschen Eishockeybund (DEB) gekündigt. Die Konsequenz: So wie es momentan aussieht, darf nach der Saison womöglich kein Oberligist aufsteigen.
Groß ist der Aufschrei bei vielen Oberligisten. Etwa in Frankfurt. Die Hessen haben in dieser Saison nach regulärer Spielzeit noch kein Spiel verloren, sie haben in 35 Spielen 329 Tore geschossen, und ihr Zuschauerschnitt liegt bei über 4000. „Was hier abgeht, ist ein Schlag ins Gesicht“, sagt Trainer Frank Gentges in der „Frankfurter Rundschau“. „Eigentlich müssten wir mit dem Eishockeyspielen aufhören.“
Ebenso groß ist das Entsetzen beim Ost-Oberligisten Saale Bulls Halle. Vereinspräsident Daniel Mischner sagt: „Es ist ein Wahnsinn. Ich habe gedacht, schon alles erlebt zu haben im deutschen Eishockey. Aber es gibt tatsächlich noch neue Horror-Szenarien. Wir sind die Leidtragenden der Machtkämpfe auf Funktionärsebene.“
Die Oberliga West verweigert einem möglichen Aufsteiger die Freigabe in die 2. Bundesliga, alle übrigen Landesverbände haben sich solidarisch erklärt. „Die DEL ist schon länger ein eigener Club“, sagt Franz Fritzmeier, sportlicher Berater der Tölzer Löwen. „So wie es aussieht, wollen auch die Zweitligisten ein eigener Club werden.“ Er fürchtet: „Das werden einige Vereine nicht überleben.“ Nicht nur für die Löwen sei es wichtig, ein Ziel wie die 2. Bundesliga zu haben.
Wie soll es weitergehen? Frankfurts Geschäftsführer glaubt, dass es für die Verweigerung des Aufstiegsrechts keine Grundlage gibt, da der Kooperations-Vertrag noch noch bis Saisonende läuft. Gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ droht er mit dem Gang vors Gericht: „Wir haben gute Anwälte. Wir klagen sie dumm und dusselig.“
Davon geht auch ECT-Präsident Josef Hintermaier aus. „Die West-Vereine haben genügend Geld. Sie werden auf einstweilige Verfügung klagen, und sie werden vor Gericht Recht bekommen.“ Das Aufstiegs-Verbot ist seiner Ansicht nach rechtlich nicht haltbar. Seine Meinung: „Es kann mal passieren, dass ein einzelner Club nicht aufsteigen kann. Aber es kann nicht sein, dass es überhaupt keinen Auf- und Abstieg mehr gibt.“ Der Präsident kann sich nicht vorstellen, dass es zum Äußersten kommt. Er hält die Diskussion nur für aufgeregtes Ballyhoo: „Das ist alles Politik. Man weiß nie, welche Interessen dahinterstecken.“ Hintermaier stellt klar: Wenn die Löwen nochmal in die Situation kommen, würden sie ohne Wenn und Aber den Aufstieg in die 2. Bundesliga wahrnehmen - „notfalls auch mit einem Mini-Etat“. Er erneuter Verzicht komme nicht in Betracht, „denn den ganzen Ärger tue ich mir nicht mehr auf“.
Trotz all dem Getöse im Hintergrund empfiehlt er: „Jetzt freuen wir uns erstmal auf die Play-off-Runde.“













