München - Rudi Assauer als Bayern-Manager? Es hätte nicht viel gefehlt, und die Schalke-Ikone hätte diesen Posten in den 70er Jahren bekommen. In seiner Autobiographie verrät er: Uli Hoeneß war damals nur zweite Wahl.

© dapd
Der damalige Manager des FC Schalke 04, Rudi Assauer (r.), im Januar 2002 im Gespräch mit Bayern-Manager Uli Hoeneß.
Assauer war zu diesem Zeitpunkt Manager bei Werder Bremen, als das Angebot von der Säbener Straße kam. Er schreibt: "Bayerns Präsident Neudecker rief mich an und sagte: 'Herr Assauer, wir brauchen einen guten Manager in München.' Offenbar hatte er Uli Hoeneß den Job nicht wirklich zugetraut, denn soweit ich informiert war, liefen da im Hintergrund schon Gespräche."
Nach ersten Vorgesprächen in München wurde Assauer von Neudecker kurze Zeit später wieder an die Isar eingeladen. "Ich habe eingewilligt, bin runtergeflogen und habe mir das Trainingsgelände an der Säbener Straße angeschaut – natürlich unter dem Vorwand, ich wolle mich als Manager des SV Werder ein wenig umschauen und Anregungen holen. Der Plan ging auf. Kein Journalist wurde hellhörig, wir wurden auch nicht erkannt, als mir ein paar Villen in Grünwald gezeigt wurden, in die ich hätte einziehen können. Neudecker hat sogar einen Vertrag ausgearbeitet, den ich lange Zeit in meinen Unterlagen aufgehoben habe."
Uli Hoeneß, so ist in der Autobiographie ausdrücklich vermerkt, sei beim damaligen Bayern-Präsidenten Neudecker nur zweite Wahl gewesen. Neudecker wollte in Sachen Vertrag auch gleich Nägel mit Köpfen machen. Doch Assauer spielte auf Zeit, da sein aktueller Verein Werder Bremen zu diesem Zeitpunkt gegen den Abstieg kämpfte. In dieser dramatischen Situation wollte er Werder nicht verlassen.
Doch Neudecker stand laut Assauer offenbar unter Zeitdruck und forderte eine schnelle Entscheidung. "Herr Assauer, das geht nicht, das muss jetzt sofort passieren: Hopp oder topp." Doch Assauer ließ sich nicht drängen: "Für mich war klar: Ich haue nicht ab. Ich will meine Bremer nicht sitzen lassen."
Deshalb sagte Assauer Neudecker per Telefon ab. Er gibt den Wortlaut des Gesprächs wieder: "'Danke für das Angebot. Mein Bauch und mein Kopf haben Nein gesagt.' Neudecker antwortete: 'Sie können es sich in den nächsten Tagen noch überlegen, Sie sind herzlich willkommen.' Ich blieb standhaft."
Da Assauer nicht wollte, so legen es die Memoiren nahe, musste ein anderer in die Bresche springen: Uli Hoeneß. Er trat am 1. Mai 1979 seinen ersten Arbeitstag als Bayern-Manager an. Es sollte der Beginn einer sensationell erfolgreichen Ära für den Verein sein. Assauer geht davon aus, dass er selbst an der Säbener Straße niemals deratiges erreicht hätte wie Hoeneß:
"Ich hätte es in München sicher nicht so weit gebracht. Was der Uli in München erreicht hat, weiß jeder. Bayern hatte unglaublich viele Erfolge, die alle mit seinem Namen verbunden sind. Und wir immer ein sehr gutes Verhältnis, das von gegenseitigem Respekt geprägt war. Bis auf kleinere Scharmützel und Wortgefechte hat es nie größere Auseinandersetzungen gegeben, auch bei Transfers liefen die Gespräche und Verhandlungen immer fair ab. Uli Hoeneß ist zu Recht der größte, weil fähigste Manager der Bundesliga."
Assauer schlägt vor, dass Hoeneß sich nachträglich für seine Absage im Frühjahr 1979 revanchieren könne: "Vielleicht sollte er mir noch mal einen ausgeben dafür, dass ich damals Nein gesagt habe."
fro
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