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Augen in FC-Bayern-Rot

München - Karl-Heinz Rummenigge hat diese Woche mal erzählt, was in seiner Kindheit sein größtes Glück gewesen ist. Und zwar, jedes Jahr zu Weihnachten von der Mama ein paar neue Fußballschuhe unter den Christbaum gelegt zu bekommen. Das Fabrikat hieß „Uwe classic".

20 Mark musste man damals dafür löhnen, der kleine Kalle war sechs Jahre jung, als er sein erstes Paar bekam. 27 Jahre später erlebte ein Bub’ namens Manuel Neuer auch erstmals das Glücksgefühl eines besonderen Geschenks, das sein Leben prägen sollte. Er erhielt, gerade mal zwei Jahre jung, einen Fußball.

Weitere 23 Jahre sind seitdem ins Land gezogen, und nun dürfte es mit dem Teufel zugehen, sollten sich nicht in Kürze der gelernte Stürmer Rummenigge und der gelernte Torhüter Neuer regelmäßig über ihre frühzeitig vorbestimmten Berufungen austauschen können. Manuel Neuer hat seit seinem zweiten Geburtstag so ziemlich alle Fußballbälle so gut gehalten, dass er inzwischen als kommender Weltstar zwischen den Pfosten firmiert. Auf dem Weg in die absolute Spitze hat er nun den nächsten Schritt angestrengt, indem er seinen Abschied aus der Provinz Schalke 04 ankündigte. Der FC Bayern, wo Rummenigge das Sagen hat, gilt als mehr als eine wahrscheinliche Adresse, unter der sich die deutsche Nr. 1 einen großen Namen machen möchte. Als Neuer seinen Entschluss bekanntgab, ließ sich das nicht nur aus der Farbe seiner Augen deuten - sie schimmerten FC-Bayern-Rot in seinem tränenumspielten Gesicht -, sondern auch in einem vielsagenden Nebensatz. Auf die Frage, ob er nun Pfiffe des Schalker Anhangs fürchte, antwortete er: „Ja, denn es ist schlimmer, wenn man von der eigenen Familie ausgepfiffen wird als von noch Fremden.“

In der Pressekonferenz vermied Neuer, zu erklären, dass es ihn nach München zieht. Aber „noch Fremde“, das kann getrost mit dem Anhang der Bayern gleichgesetzt werden. Denn dort hat sich geballter Widerstand gegen die sich anbahnende Verpflichtung des Schalkers Ultras formiert. Neuer wird in München Vorbehalte entkräften müssen. Er wäre gut beraten, sich vor dem Einstand einige nette Worte zurechtzulegen. Doch wie er die nicht weniger heikle Angelegenheit, sich von Schalke loszueisen, moderierte, lässt den Schluss zu: Da weiß ein junger Mann, wie subtil er vorzugehen hat.

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Am Dienstag hatte er schon einige Schalker Fans informiert. „Ich wollte offen und ehrlich sein - es war kein schöner Moment“, erzählte er. Immer wieder kämpfte er mit den Tränen, „ich weiß, dass die Fans enttäuscht sein werden. Aber wir wollen keinen Eiertanz machen.“

Für Manuel Neuer, 25, geht es um die Zukunft. Und zwar nicht um die als Schalker Fan, der er gewesen ist, seit er als Knirps in der Kurve stand. Sondern um die als Profi. „Ich will weiterkommen und den nächsten Schritt machen. Ich will dauerhaft auf dem hohen Niveau der Champions League spielen“, skizzierte er seine Gründe. In der Gelsenkirchner Heimat, wo sportliche und wirtschaftliche Turbulenzen ambitioniert Doppelpass spielen, ist das nicht garantiert. Zudem meinte er, ihn reize eine andere Umgebung. „Ich will noch mehr auf eigenen Beinen stehen, das geht in einer fremden Stadt besser.“ Seine Freundin Kathrin lebt in München.

Über das Interesse des FC Bayern sagte Neuer lediglich, Schalkes Sportdirektor Horst Heldt habe ihn darüber in Kenntnis gesetzt. Die Münchner hätten um einen Termin gebeten, doch man habe ihnen mitgeteilt, dass derzeit kein Zeitfenster für Transferverhandlungen offen sei - in den nächsten Tagen hat man schwere Spiele vor der Brust.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagte Uli Hoeneß dem „ZDF“. Der Präsident ist optimistisch: Schalke bekäme nächstes Jahr ja keine Ablöse mehr - „die werden sich schon so bewegen, dass man sich einigen kann. Ich hoffe, Neuer kommt schon diesen Sommer zu uns. Wenn nicht, dann halt im nächsten Jahr.“

Die Profis des FC Bayern freuen sich auf Neuer. „Von seiner ganzen Art her muss er einfach beim FC Bayern spielen“, sagte Miroslav Klose, „die Besten sollen bei Bayern spielen - das gilt auch für Torhüter.“ Ralf Rangnick meinte: „Wir haben mit Leib und Seele um Manuel gekämpft.“ Letztlich vergeblich. Schalkes Trainer sah aus, als habe man ihm Weihnachten geklaut.

Andreas Werner

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