München - Karl-Heinz Rummenigge hat diese Woche mal erzählt, was in seiner Kindheit sein größtes Glück gewesen ist. Und zwar, jedes Jahr zu Weihnachten von der Mama ein paar neue Fußballschuhe unter den Christbaum gelegt zu bekommen. Das Fabrikat hieß „Uwe classic".
20 Mark musste man damals dafür löhnen, der kleine Kalle war sechs Jahre jung, als er sein erstes Paar bekam. 27 Jahre später erlebte ein Bub’ namens Manuel Neuer auch erstmals das Glücksgefühl eines besonderen Geschenks, das sein Leben prägen sollte. Er erhielt, gerade mal zwei Jahre jung, einen Fußball.
In der Pressekonferenz vermied Neuer, zu erklären, dass es ihn nach München zieht. Aber „noch Fremde“, das kann getrost mit dem Anhang der Bayern gleichgesetzt werden. Denn dort hat sich geballter Widerstand gegen die sich anbahnende Verpflichtung des Schalkers Ultras formiert. Neuer wird in München Vorbehalte entkräften müssen. Er wäre gut beraten, sich vor dem Einstand einige nette Worte zurechtzulegen. Doch wie er die nicht weniger heikle Angelegenheit, sich von Schalke loszueisen, moderierte, lässt den Schluss zu: Da weiß ein junger Mann, wie subtil er vorzugehen hat.
Für Manuel Neuer, 25, geht es um die Zukunft. Und zwar nicht um die als Schalker Fan, der er gewesen ist, seit er als Knirps in der Kurve stand. Sondern um die als Profi. „Ich will weiterkommen und den nächsten Schritt machen. Ich will dauerhaft auf dem hohen Niveau der Champions League spielen“, skizzierte er seine Gründe. In der Gelsenkirchner Heimat, wo sportliche und wirtschaftliche Turbulenzen ambitioniert Doppelpass spielen, ist das nicht garantiert. Zudem meinte er, ihn reize eine andere Umgebung. „Ich will noch mehr auf eigenen Beinen stehen, das geht in einer fremden Stadt besser.“ Seine Freundin Kathrin lebt in München.
Über das Interesse des FC Bayern sagte Neuer lediglich, Schalkes Sportdirektor Horst Heldt habe ihn darüber in Kenntnis gesetzt. Die Münchner hätten um einen Termin gebeten, doch man habe ihnen mitgeteilt, dass derzeit kein Zeitfenster für Transferverhandlungen offen sei - in den nächsten Tagen hat man schwere Spiele vor der Brust.
„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagte Uli Hoeneß dem „ZDF“. Der Präsident ist optimistisch: Schalke bekäme nächstes Jahr ja keine Ablöse mehr - „die werden sich schon so bewegen, dass man sich einigen kann. Ich hoffe, Neuer kommt schon diesen Sommer zu uns. Wenn nicht, dann halt im nächsten Jahr.“
Die Profis des FC Bayern freuen sich auf Neuer. „Von seiner ganzen Art her muss er einfach beim FC Bayern spielen“, sagte Miroslav Klose, „die Besten sollen bei Bayern spielen - das gilt auch für Torhüter.“ Ralf Rangnick meinte: „Wir haben mit Leib und Seele um Manuel gekämpft.“ Letztlich vergeblich. Schalkes Trainer sah aus, als habe man ihm Weihnachten geklaut.
Andreas Werner



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