Die Augsburg-Connection des FC Bayern

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    • 04.11.11
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Die Augsburg-Connection des FC Bayern

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München – Sie sind sich so nah – nur 78 km trennen ihre Stadien – und doch so fern: Zwischen FC Bayern und FC Augsburg gab es noch nie ein Spiel um Punkte. Das erste steigt am Sonntag. Doch wenigstens gibt es einige Personen, in denen sich die Geschichte beider Klubs verbindet.

© M.I.S.

Raimond Aumann: Fan-Beauftragter in München.

Es war Anfang der 90er-Jahre, an einem Januar-Abend, kalt, grau, und Augsburgs Fußball war so weit unten, dass auch der FC Bayern nicht helfen konnte. Es kamen 800 Zuschauer ins Augsburger Rosenaustadion, vereinbart war Einnahmeteilung, und als dann die FCA-Verantwortlichen mit ihrem bisschen Tageskasse bei Bayern-Manager Uli Hoeneß vorstellig wurden, winkte der ab. Ihm hatte es genügt, dass seine Mannschaft Winterspielpraxis bekommen hatte, da waren ein paar Mark nicht der Rede wert. Augsburg war ein mit geringen Kosten verbundener Zielort – und außerdem die Heimatstadt des damaligen Bayern-Präsidenten Fritz Scherer.

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Von 1985 bis 94 hatte Fritz Scherer das höchste Amt im Verein inne, zuvor war er schon Schatzmeister gewesen, zu der Zeit, als der ehrpusselige Fußball sich zum Geschäftszweig wandelte. In Augsburg war man stolz auf diese Personalie, denn Scherer war gebürtiger Augsburger und an der Fachhochschule Augsburg Professor für Betriebswirtschaftslehre. Der Prof als Präse – gute Geschichte. Seine Studenten in Augsburg waren stets „brennend interessiert“ an Vorgängen beim FC Bayern – „und an Freikarten“.

„Natürlich bin ich jetzt mit ganzem Herzen beim FC Bayern“, sagt Scherer, heute 71, immer noch im Aufsichtsrat des Klubs aktiv und auch beim DFB im Steuer- und Wirtschaftsausschuss gefragt. Seine Augsburg-Verbindung? Er hat beim BCA gespielt, dem Verein, aus dem 1969 durch eine Fusion mit der Fußball-Abteilung von Schwaben Augsburg der Nun-Bundesligist FCA hervorging. „Zu mehr als der Schwäbischen Schüler-Meisterschaft habe ich’s nicht gebracht“, sagt Scherer, und eigentlich endet seine Augsburg-Geschichte schon mit 17 Jahren, „da bin ich nach München zur Schule gegangen, später habe ich dort studiert.“ Und als der Bayern-Mäzen Rudolf Houdek, Fleischwaren-Unternehmer aus Starnberg, den BWL-Absolventen Scherer einstellte, war klar, dass er sich bei den Bayern engagieren würde.

Spiele des FCA hat er selten gesehen. Das berühmte von 1973 in der Regionalliga, gegen den TSV 1860 im überfüllten Olympiastadion, „wo die Leute sogar auf den Bäumen gesessen sind“. Und in letzter Zeit: „Das Pokalspiel voriges Jahr, das der FCA gegen Schalke 0:1 verloren hat.“ Das war schon in der neuen Augsburger Spielstätte, der SGL-Arena, wie sie nach einem Namenswechsel (zuvor Impuls-Arena) heißt. „Schönes Stadion“, sagt Scherer. Am Sonntag wird er es wiedersehen. Natürlich.

Für Heiner Schuhmann ist das erste Bundesligaspiel zwischen FCA und FC Bayern auch etwas Besonderes, „mein Herzblut fließt in beiden Klubs“, sagt er. Inzwischen gibt es einen dritten Verein in seinem Leben. Schuhmann, der heute 63 wird, ist als Scout bei Borussia Dortmund angestellt – da würde ihm ein Sensationssieg des FCA gut passen. Aber: „Auch unter den FCA-Fans“, sagt er, „rechnen 98 Prozent mit einem Bayern-Sieg. Und die zwei Prozent, die auf den Augsburger Sieg hoffen, wissen eigentlich nicht, warum.“

Als Heiner Schuhmann FCAler war, hat er den FC Bayern oft besiegen und ärgern können. Als Jugendtrainer. Der ehemalige Verteidiger, Amateurnationalspieler war er, hat Augsburgs goldene Generation geformt, all die Jugendstars, die später bei Profiklubs Karriere machten: Bernd Schuster, Karl-Heinz Riedle, Raimond Aumann, Armin Veh, Roland Grahammer, Christian Hochstätter. „Es waren um die 40 Spieler, die wir zu Bundesligisten gebracht haben. Dadurch haben wir den Verein oft gerettet, weil wir unsere Jugendspieler verkaufen konnten.“ Viermal hat die FCA-Jugend den DFB-Pokal gewonnen, einmal ist sie Deutscher Meister geworden. „Wir haben“, sagt Schuhmann, „die Bayern abgehängt“.

Deren Reaktion: Sie verpflichteten Heiner Schuhmann, 1995 kam er an die Säbener Straße, baute die Nachwuchsarbeit um, blieb bis 1998. „Es war mir dann zuviel Schreibtischarbeit“, sagt Schuhmann, der Praktiker, der lange auch an einer Augsburger Wirtschaftsschule unterrichtete und an den direkten Kontakt mit seinen Schützlingen gewöhnt war. „Sonst wäre ich heute vielleicht immer noch bei Bayern.“ Sein Fazit: „Bayern war eine schöne Zeit, aber Augsburg hat mich, weil ich dort auch gespielt habe, mehr geprägt.“

Als Scout in Europa unterwegs zu sein, gefällt ihm jedoch auch. Er trifft auf Bekannte aus der Bayern-Zeit: „Der Giovanni Trapattoni, der hüpft immer vor Freude, wenn er mich sieht.“ Neulich ist er einem weiteren Münchner Ex-Cheftrainer begegnet: Otto Rehhagel. „Kennen Sie mich noch?“, fragte Schuhmann. „Nein“, sagte Rehhagel. „Wir waren zusammen bei Bayern“, so Schuhmann. „Aber klar: Der Heiner Schuhmann“, freute sich Rehhagel.

Spielerwechsel zwischen Augsburg und München hat es nicht viele gegeben. Der prominenteste war Raimond Aumann. „Mit 16, noch in der B-Jugend, bin ich vom FC Augsburg weggegangen und habe bei Bayern A-Jugend gespielt.“ Den Führerschein machte er noch daheim, in Augsburg.

In München löste er später Jean-Marie Pfaff im Tor ab, gehörte zum deutschen Weltmeisterkader 1990, wurde nach der aktiven Laufbahn Fan-Beauftragter bei Bayern. Trifft er andere ehemalige Nationalspieler, die aus Augsburg stammen, „ist der FCA natürlich ein Thema“. Mit seinem ehemaligen Verein hatte er intensiver 2002 zu tun, als in Augsburg ein Benefizspiel für die Opfer des Oder-Hochwassers organisiert wurde, „da habe ich den FCA-Präsidenten Walther Seinsch kennen- und schätzen gelernt“. Heimatklub von Aumann ist eigentlich der SV Stadtwerke Augsburg, der auch noch einige Zeit ein jährliches Turnier zu Ehren seines Vaters veranstaltete, der bei einem Altherrenspiel ums Leben gekommen war.

Heute lebt der Bruder von Raimond Aumann in Augsburg, „und den werde ich am Samstagabend nach langer Zeit mal wieder besuchen“. Das Spiel ist am Sonntagabend. „Ich finde es klasse, dass dieses Derby stattfindet“, sagt er – und ist sich nicht so sicher, dass es die allgemein erwartete klare Sache für seinen FC Bayern wird: „Der FCA gehört für mich nicht zu den Schlechtesten. Augsburg hat was – und du weißt nie, was in einem kleinen kompakten Stadion passieren kann.“

Günter Klein

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