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Bayern-Präsident Uli Hoeneß findet, dass Blatter angeschlagen wirkt.

"Keine Chance, zu überleben"

Hoeneß legt gegen Blatter im Interview nach

München - Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat bei einer Benefizveranstaltung gegen FIFA-Boss Sepp Blatter nachgelegt. Er glaubt an ein baldiges Ende der Ära des Schweizers.

Wie siehts denn mit Ihrer Geburtstagswette aus, die Herr Blatter kürzlich wieder angesprochen hatte?

Hoeneß: Ich habe diese Wette nicht gemacht. Ich habe auf meiner Geburtstagsfeier etwas anderes zu tun gehabt als über das Schicksal von Herrn Blatter zu wetten. Woher er diese Meinung hat, ist mir schleierhaft. Aber unabhängig von der Wette sage ich: Der 31.12. ist ja noch nicht da, also hat man noch genug Zeit, was er angedeutet hat, wahrwerden zu lassen. Und das wird sicher nicht gerade gut aussehen für ihn.

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Blatter wurde heftig attackiert. Heute hat ihm die FIFA aber den Rücken gestärkt.

Hoeneß: Ich habe mir die Pressekonferenz angeschaut. Da hat er ja nicht gerade gut ausgeschaut. Endlich trauen sich ein paar Leute, ihn zu attackieren - auch von der internationalen Journaille. Ich hatte überhaupt nicht verstanden, dass da in erster Linie die deutschen Journalisten ziemlich vorgesprescht sind. Das scheint sich ja jetzt seit einigen Tagen etwas zu ändern. Ich denke nicht, dass sich die Situation für ihn sehr beruhigen wird. Was er da heute wieder vorgestellt hat beim Kommitee, das ist ja nicht einmal das Papier wert. Ein Neuanfang in diesem ganzen Verband geht nur ohne ihn - und sonst gar nicht.

Uli Hoeneß: Sein Leben in Bildern

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Liga-Präsident Reinhard Rauball hat Blatter angerufen und explizit zum Rücktritt gedrängt. Wie bewerten Sie das? Und wäre dies nicht Aufgabe von DFB-Chef Wolfgang Niersbach gewesen?

Hoeneß: Ich denke, dass Herr Niersbach klar Stellung bezogen hat zu diesem Thema. Er hat sich klar positioniert. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Haltung des DFB und der DFL in diesem Fall ist eindeutig. Das werden wir von Seiten des FC Bayern sehr unterstützen, zumindest was meine Person betrifft. Ich bin sicher, Karl-Heinz-Rummenigge denkt genauso. Und ich denke, die Luft wird sehr, sehr dünn für Herrn Blatter. Ich kann mir nicht vorstellen, das er seine Amtszeit übersteht - geschweige denn, was er vorhat: nochmal zu kandidieren. Das wäre ja der Witz des Jahres! Heute hat er zum ersten Mal angeschlagen ausgesehen im Fernsehen. Und ich glaube, das ist ja auch berechtigt.

Immer wieder aktuell: Uli Hoeneß' explosivste Attacken

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Blatter hat sich über Jahrzehnte eine Monopolstellung in der FIFA aufgebaut und offensichtlich liefen da Geschäfte nicht sauber ab. Warum kommen erst jetzt diese heftigen Reaktionen?

Hoeneß: Weil kein Kläger da war - ganz einfach. Er hat Leute um sich geschart, die er abhängig gemacht hat von sich, und von denen konnte er nicht erwarten, dass sie ihn attackieren. Das werden sie auch weiterhin nicht tun. Das muss von außen kommen. Man kann nicht erwarten, dass die, die jahrelang vom System Blatter profitiert haben, jetzt das Messer reinstoßen. Ich persönlich sehe für ihn keine große Chance zu überleben.

Aufgezeichnet von: Andreas Thieme

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