Mönchengladbach – Normalerweise sind Rückpässe zum Torwart bei den Fußball-Fans in etwa so beliebt wie Ticketpreiserhöhungen. In der Regel wird diese äußerste Form des Defensivspiels mit Pfiffen quittiert.

© dpa
Manuel Neuer
Ganz anders war es aber am Freitag in Gladbach: Der Borussen-Anhang zollte Beifall, wann immer die Bayern Manuel Neuer anspielten. Sie witterten jedes Mal wieder eine Chance. Es war eine seltene Art Beifall, nämlich hämischer. Beifall, der weh tut.
„Ich habe heute die Gladbacher zum Sieg eingeladen“, gab der Torwart nach dem 1:3 unumwunden zu, „mein Fehlpass hat die Niederlage eingeleitet.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Zu offensichtlich ist Neuers Faux-Pas gewesen, zu offensichtlich waren auch die Folgen. Nach dem frühen 0:1 konnten die Gladbacher nach Lust und Laune kontern, was ihre große Stärke ist. Jegliche Münchner Matchpläne hatte Neuers Lapsus aufs Gründlichste untergraben.
Schweinsteiger war jedoch der Einzige, der die Rasenverhältnisse reklamierte. Jupp Heynckes rüffelte seinen Torwart, er solle lernen, „ruhiger, bedächtiger, konzentrierter“ zu agieren. Das, meinte der Trainer, „ist sein Problem“. Der Vorwurf verwundert insofern, da es eigentlich als eine Stärke Neuers gilt, das Spiel mal schnell zu machen. Allerdings pflegen die Bayern den durchdachten Aufbau.
Bleibt festzuhalten: Neuer ist noch immer nicht zu 100 Prozent in München angekommen. Für die Konkurrenz heißt das: Reichlich Grund für hämischen Beifall.
awe



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