München – Am Sonntag, die Nullnummer tags zuvor beim SC Freiburg schmerzte noch immer, beschlossen die Bosse des FC Bayern: Bis hierher und nicht weiter!

© sampics
Holger Badstuber, Thomas Müller und Mario Gomez (v. l.) sind vom Kurs abgekommen.
Es muss etwas passieren, und es muss mal richtig scheppern. Trainer Jupp Heynckes steht außer Frage, der Missmut richtet sich gegen die Spieler, die nicht verstanden haben, um was es geht in diesen Tagen. Für Montag wurden alle öffentlichen Auftritte storniert, hinter den Kulissen ist hingegen Tacheles angesagt. Offen, ehrlich, schonungslos.
Nach dem 0:0 im Breisgau ist viel geschrieben und gesagt worden über die Situation der Münchner. Ein schnippischer Kommentar gefiel den Chefs dabei – obwohl er ihnen eigentlich gar nicht gefallen dürfte. „Die Bayern schmusen sich in die Krise“, mussten sie über sich hören. Und sich eingestehen, dass das zutrifft.
Der Ton wird nun intern rauer. Man setzt aufs berühmte reinigende Gewitter. Aktuell ist nicht der Zeitpunkt, Arm in Arm durch die Kabine zu gehen, denn in den vergangenen Wochen hat sich auf diese Art viel zu viel Selbstzufriedenheit eingenistet. Die Spieler, grollen die Bosse, haben all das Lob vom Herbst so nah an sich herangelassen, dass sie nun denken, es genüge in den Spielen jetzt ein Schritt weniger. Dabei haben sie noch nichts erreicht – und wenn sie sich nicht wieder am Riemen reißen, werden sie auch nichts gewinnen.
Die Bosse werden in Zukunft wieder etwas genauer hinschauen, was aber keineswegs als Misstrauensvotum gegen ihren Coach ausgelegt werden soll. Auch bei Borussia Dortmund, so ist zu hören, gibt der Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei Bedarf Saures. In der heutigen Zeit sei die Arbeit eines Trainers wie die eines Dompteurs in der Manege: Es ist vor allem wichtig, die unter Kontrolle zu haben, die sich im Rücken des Chefs befinden. Die Grüppchenbildung ist da ebenfalls ein Dorn im Auge.
Die Profis haben sich in ihrer eigenen Welt eingerichtet, und die Schnittstellen mit der Realität wurden immer geringer. Das anzusprechen, tut weh – und zu allem Überfluss fehlt ein Spieler, der auf den Putz hauen kann und dabei unangreifbar bleibt. Bastian Schweinsteiger pausiert verletzt, die weiteren vermeintlichen Schlüsselfiguren kreiseln aus diversen Gründen um sich selbst. Von Philipp Lahm erwarten seine Chefs mehr. Seit einem Jahr sehen sie bei ihm zu wenig Entwicklung. Für den Sommer suchen die Münchner, obwohl der Transfer von Dante nur mehr eine Formalie ist, einen weiteren Verteidiger. Lahm ist allerdings nicht der Einzige, der den – freilich hohen – Anforderungen nicht gerecht wird.
Die ganze Achse um den Kapitän, die Halt geben sollte, taugt gerade in schweren Zeiten nicht als Fundament.
Das beginnt bei Manuel Neuer, der noch seinen Platz in München sucht. Vor ihm und Lahm gähnt im Mittelfeld ein Loch. Es fehlt ein Mann mit Konstanz, der eine Mehrheit hinter sich vereinen kann, dem die Mannschaft im Zweifel folgt. Thomas Müller wird da in der Führung kritisch gesehen. Er spielt keine gute Saison, und es gelang ihm auch nicht, den Vertrauensbeweis von Heynckes zurückzuzahlen, als der Coach Arjen Robben zugunsten des WM-Torschützenkönigs aus der Startelf nahm. Mario Gomez kann im Sturm zwar 18 Tore vorweisen, dennoch ist er nicht ohne Fehl und Tadel. Bei ihm schleiche sich, so die Meinung seiner Chefs, zu schnell Bequemlichkeit ein. Die Suche nach einer Sturm-Alternative läuft. Dortmunds Robert Lewandowski gilt als Wunschobjekt, doch an der Säbener Straße zweifelt man an der Realisierbarkeit dieses Transfers. Man läuft ja auch akut Gefahr, immer mehr hinter dem BVB abzufallen. Das erschwert unter anderem Abwerbungsversuche.
Das Transfer-Thema wurmt die Bosse aber nicht an erster Stelle – dazu gibt es vor dem morgigen Duell mit Basel zu viele andere Ärgernisse. Man ist schon besser gelaunt zu einem Champions-League-Spiel geflogen als am Dienstag.
Andreas Werner



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