006.09.10|FC Bayern|FC Bayern|1
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München/Köln - Die Sache mit dem Ramadan hat die aserbaidschanische Nationalmannschaft geregelt. „Den haben wir abgebrochen, als wir ins Trainingslager gegangen sind", sagt Rashad Sadigov, der Kapitän, „die medizinische Abteilung achtet auf unsere Ernährung."

© dpa
Alles im Griff: Berti Vogts wirkt in Aserbaidschan nicht nur als Nationaltrainer.
Es war aber keinesfalls so, dass Berti Vogts, der deutsche Trainer, den muslimischen Fastenmonat im Zuge sportlicher Professionalisierung abgeschafft hätte.
Der ehemalige Bundes-Berti erzählt vielmehr, „dass ich meinen Spielern gratuliert habe, dass sie Ramadan machen. Sie stehen voll dahinter, das ist ihre Culture (Vogts wählt das englische Wort, d. Red.), das respektiere ich.“ Man hat sich nur darauf geeinigt: Für den Start in die EM-Qualifikation wird die Regel, dass von Sonnenauf- bis -untergang nichts gegessen und getrunken werden dürfe, ausgesetzt. „Die Spieler werden diese Tage dann nachholen“, so Vogts. Nach dem Spiel gegen Deutschland, in das sie wirklich nicht mit nüchternem Magen gehen sollten. Denn: „Wir werden uns zu wehren wissen, so gereift sind wir - doch eine Überraschung ist nicht möglich“, erklärt der Trainer, „Deutschland hat die beste Mannschaft der Welt.“
„Wir haben die WM-Spiele ja alle verfolgt“, so Spielführer Sadigov, „und es waren nur zwei Mannschaften berechtigt, den Titel zu gewinnen: Spanien und Deutschland.“
Weil Berti Vogts mit Deutschland die EM 1996 geholt hat, genießt er hohe Achtung im Fußball-Entwicklungsland Aserbaidschan, das mal Sowjetrepublik war, aber aufgrund seiner muslimischen Prägung sich an die Türkei anlehnt. Seit zwei Jahren ist Vogts dort im Amt, Zahlen belegen den Fortschritt in dieser Zeit: Aufstieg in der FIFA-Weltrangliste von Platz 147 auf 105. Die Vision: „Wenn der Verband so weiterarbeitet, die EM auf 24 Teilnehmer aufgestockt wird und wir eine schwache Qualifikationsgruppe - dann ohne Deutschland - erwischen, haben wir eine klitzekleine Chance, 2016 dabei zu sein“, erklärt Vogts. Was schon mal hilft: Aserbaidschan wird die U 17-WM der Frauen ausrichten, „dafür muss man Stadien bauen und Trainingsplätze“.
Vogts hat sich in Baku eine deutsche Kolonie aufgebaut. Uli Stein ist Torwarttrainer, Olaf Janßen arbeitet als Vogts-Assistent. Für die Ausbildung ehemaliger Nationalspieler zu Trainern hat er Erich Rutemöller gewonnen, den langjährigen Spezialisten vom DFB, und einer der Klubs in der Hauptstadt Baku wird jetzt von Winnie Schäfer trainiert.
Außerdem hat Vogts Besuchsprogramme organisiert: „Wir konnten 15-Jährige zum FC Bayern schicken, nach Hoffenheim und zu Hannover. Demnächst bringen wir jemanden für ein paar Wochen bei Manchester United unter.“ Die jungen Spieler sollen sehen, „dass man jeden Tag arbeiten muss“. Ausdrücklich dankt Vogts „Uli Hoeneß und Hoffenheims Manager Ernst Tanner“ für die Unterstützung seines Projekts. „Unsere 15-Jährigen sind genauso so gut wie die gleichaltrigen deutschen Spieler.“
In der EM-Qualifikation setzt Vogts auf die Heimstärke: „In Baku haben wir die Tschechen geschlagen und Russland nicht gewinnen lassen.“ Ein kleiner Auswärtserfolg war, vor einem Jahr in der WM-Qualifikation in Hannover den Deutschen eine 0:0-Halbzeit (Endstand 0:4) abgetrotzt zu haben. Und nun? „Wir sind hier, um zu gewinnen“, so Torwart Kamran Aghayev, „es ist alles in Gottes Hand.“ Berti Vogts bestaunt den Optimismus der Seinen mit mildem Vaterlächeln: „Ich bin überrascht, wie positiv sie sich darstellen.“
Günter Klein
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