105.05.10|FC Bayern|FC Bayern|
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Buenos Aires – Jose Ernesto Sosa hat sich in Argentinien Selbstvertrauen zurückgeholt und will im zweiten Anlauf beim FC Bayern Fuß fassen. Im Interview sagt er: „Ich fühle mich stark genug für Bayern.“

© ap
Die hohe Fußballkunst hat Jose Ernesto Sosa beim FC Bayern bisher nur sehr selten zelebriert.
Jose Ernesto Sosa verfolgt die Siege des FC Bayern aus dem fernen Argentinien. Im Herbst ließ er sich zu Estudiantes de la Plata ausleihen, weil er in München einen schweren Stand hatte. Im Interview spricht der 24-Jährige über eine mögliche Rückkehr zu Bayern.
Herr Sosa, der FC Bayern ist vorzeitig Meister. Wie haben Sie vom Titelgewinn Ihres Klubs erfahren?
Jose Ernesto Sosa: Wir hatten trainiert, als ich in die Kabine kam, hatte Martin Demichelis mir eine SMS mit dem Ergebnis geschickt. Beim Halbfinale in der Champions League habe ich vor dem Fernseher mitgefiebert – und war beeindruckt. Die Mannschaft hat sich großartig präsentiert. Nicht nur gegen Lyon, sondern auch schon vorher. Wer Brocken des Kalibers Manchester aus dem Weg räumt, steht verdient im Finale. Wehmut schwingt bei mir schon mit. Ich wäre gerne dabei. Aber das Niveau in Europa ist unglaublich hoch.
Bei Estudiantes spielen Sie – anders als in München – wieder eine entscheidende Rolle. Hätten Sie das bei Ihrem Wechsel erwartet?
Jose Ernesto Sosa: Ich bin froh, meinen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass wir hier eine fantastische Saison mit zwei Titeln krönen können. Ich wollte möglichst alle Spiele bestreiten, um später bei meiner Rückkehr nach München dem Konkurrenzkampf standhalten zu können. Das hat geklappt.
Ihre Heimkehr war also kein Rückschritt?
Jose Ernesto Sosa: Es war nötig, um mittelfristig in Europa Fuß fassen zu können. Manchmal versteht man nicht gleich die Dimension der Aufgabe, die man zu meistern hat und braucht einen Umweg. Die zwei Jahre Bayern waren hart. Leider bekam ich nicht die Anzahl an Spielen, die man braucht, um sich einen Namen zu machen.
Warum konnten Sie die hohen Erwartungen bei Bayern nicht erfüllen?
Jose Ernesto Sosa: Zum einen hatte ich gleich zu Beginn Verletzungsprobleme, die die Anpassung gestört haben. Dann stürzt plötzlich so viel Neues auf einen ein: die Sprache, die Kultur, eine andere Spielweise. Das alles hat mich vielleicht überfordert.
Bei Estudiantes hatten Sie dann wieder das Gefühl, gebraucht zu werden.
Jose Ernesto Sosa: Estudiantes ist der Klub, in dem ich großgeworden bin. Der Verein ist wie eine Familie. Die deutsche Mentalität ist anders. Der Umgang ist kühler als hier. Aber als Profi muss man sich auf fremde Kulturen einlassen. Wo man auch hingeht, nirgends wird es so sein wie dort, wo man aufwuchs. Diese Lektion habe ich gelernt. Es geht darum, als Spieler und Mensch zu reifen. Das Wichtigste ist der Kopf, die mentale Stärke.
Das Leihgeschäft endet am 30. Juni. Trotzdem würden Sie lieber noch länger bleiben. Warum?
Jose Ernesto Sosa: Aufgrund der WM wird die entscheidende Phase der Copa Libertadores hier erst im August ausgetragen. Sollten wir weiterkommen, wäre es schön, bis zum Ende dabei zu sein. Die Entscheidung liegt aber bei Bayern. Ich werde es akzeptieren, wie es kommt. Ich denke jedoch, dass man meinen Wunsch verstehen wird. Persönlich habe ich bisher noch mit niemandem gesprochen. Momentan haben die Bayern andere Dinge im Kopf. Nach Saisonende ist Zeit, diese Dinge zu klären.
Wie sähen Sie einer Rückkehr entgegen?
Jose Ernesto Sosa: Ich habe hier mein Selbstvertrauen zurückgewonnen und fühle mich stark genug, mich im zweiten Anlauf in der Bundesliga durchzusetzen. Doch ich weiß, es wird sehr schwer. Bayern spielt fantastisch, und der Trainer hat keinen Anlass, Wesentliches zu ändern.
Wie ist Ihr Verhältnis zu Louis van Gaal?
Jose Ernesto Sosa: Sehr gut. Ich habe großen Respekt vor ihm. Er hat immer mit offenen Karten gespielt und mir von Anfang an klar gesagt, dass er auf andere Spieler setzen möchte. Ich hätte es sehr schwer gehabt.
Sahen Sie dadurch auch Ihre Nationalmannschaftskarriere in Gefahr?
Jose Ernesto Sosa: Das war auch ein Motiv, nach Argentinien zurückzukehren. Ich habe mich da für die sichere Variante entschieden. Ich wusste, wenn ich hier regelmäßig spiele und zu alter Stärke zurückfinde, kehre ich automatisch zurück ins Blickfeld von Diego Maradona. Das ist auch eingetreten. Anfang des Jahres hat er mich zu einem Freundschaftsspiel eingeladen. Seitdem träume ich davon, noch den Sprung in den WM-Kader zu schaffen.
Mit Juan Sebastian Veron stehen Sie bei Estudiantes mit einer der Säulen der Selección auf dem Platz. Holen Sie sich manchmal Rat bei ihm?
Jose Ernesto Sosa: Er ist so etwas wie ein Mentor, verfügt über große Erfahrung auch im Ausland. Er war es, der mir geraten hat, nach Argentinien zurückzukehren.
Wie stehen Argentiniens WM-Chancen?
Jose Ernesto Sosa: Sehr gut, obwohl die Qualifikation nicht optimal war. Aber Argentinien ist mit Stars in allen europäischen Ligen vertreten. Messi, Tevez, Milito – alle spielen in ihren Klubs eine ausgezeichnete Saison. Nach der Vorbereitungsphase wird sich Argentinien anders präsentieren als zuletzt.
Und dann als Weltmeister zurück zu Bayern?
Jose Ernesto Sosa: Das wäre mein Traum. Und wenn mich Bayern nicht haben will, werde ich meinen Platz in einem Klub suchen, wo man auf mich setzt. Denn mein Ziel ist klar: Ich möchte regelmäßig spielen.
Interview: Kai Behrmann
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