München - Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat im Bayern-Magazin ein ausführliches Interview über "seinen" FC Bayern von damals und heute gegeben. Lesen Sie hier Teil 2.

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Bayern-Präsident Uli Hoeneß wollte schon immer ein eigenes Fußball-Stadion besitzen.
Ganz ehrlich: Als Sie als Spieler 1974 und 2001 als Manager den Europapokal der Meister gerade gewonnen hatten, an was haben Sie gedacht: An die Prämie, an die Steigerung des eigenen Marktwertes oder an den FC Bayern, der Ihnen – natürlich auch durch Ihren hervorragenden Einsatz – dies alles möglich gemacht hat?
Hoeneß: Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich 1974 nach unserem 4:0- Sieg im Wiederholungsspiel gegen Atletico Madrid in der Kabine saß und den Pokal auf dem Schoß hatte. Ich hatte zwei Tore geschossen, war total platt und wurde von den Reportern, die ausnahmsweise in die Kabine durften, nach meinen Gefühlen gefragt. Da sagte ich: Wenn ich die Zeit anhalten könnte, dann genau jetzt. Ich spürte das vollkommene Glück in mir. Genauso war das 2001, denn in der Position als Manager und Vorstands-Mitglied hat man ja noch eine ganz andere Verantwortung. Da dachte ich sofort daran, was dieser Titel jetzt für Auswirkungen hat auf das Image und den Wert des Klubs. Der Sieg 2001 war demnach mindestens so schön wie 1974.
Wie versuchen Sie als neuer Präsident die Tradition des 110-jährigen Klubs mit der fortschreitenden Professionalisierung und Kommerzialisierung des Profifußballs in Einklang zu bringen?
Hoeneß: Tradition ist mir sehr wichtig, aber ich bin nicht dafür, nur über Tradition zu reden, sondern sie zu leben. Ich werde als Präsident für alle da zu sein, für die ganz jungen Fans und für die ganz alten. Ich werde versuchen, weiterhin meinen Einfluss im Vorstand geltend zu machen, dass Dinge wie Fanclub-Besuche, Spiele gegen Fanclubs oder unser soziales Engagement nie zu kurz kommen. Aber ich habe keine Sorgen, dass unser Vorstand irgendetwas daran ändern wird. Den FC Bayern hat in den vergangenen 30 Jahren extrem ausgezeichnet, dass wir zum einen sportlich unglaublich erfolgreich waren und zum anderen nie vergessen haben, wo unsere Wurzeln sind und woher wir kommen. Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung, die täglich wächst, sehr bewusst.
Wie glauben Sie, sehen die Mitglieder und Fans den FC Bayern München heute?
Hoeneß: Die Jahreshauptversammlung im vergangenen November war für mich ein warmer Regen. Wir waren davor alle sehr nervös, denn zu dieser Zeit lief es sportlich alles andere als rund. Wir hatten uns entschlossen, die Hosen runterzulassen und Fehler zuzugeben, etwa in der Transferpolitik und in der Trainerfrage, und dachten, dass wir dafür von den Fans kritisiert und vielleicht auch einen Denkzettel erhalten würden. Und dann wurde der mitverantwortliche Manager mit 99,3 Prozent zum Präsidenten gewählt und die anwesenden Kapitäne und Trainer mit Beifall verabschiedet. Das hat mir doch gezeigt, dass wir es mit Leuten zu tun haben, die sehr viel tiefer mit dem FC Bayern verwurzelt sind, als man es manchmal glaubt. In dieser Hinsicht haben wir in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht und die Bindung der Fans stark gefördert. Das durften wir dann an diesem Tag auch erleben. Es gibt auch einige, die dem FC Bayern keine Sympathien entgegenbringen – sicherlich auch aufgrund der vielen Erfolge.
Gab es für Sie mal ein Erlebnis, warum ein bekennender Bayern-Gegner seine Meinung änderte?
Hoeneß: Interessanterweise bekomme ich jetzt als Präsident viele Briefe, in denen mir Leute schreiben, dass sie zwar keine Bayern-Fans seien, unsere Arbeit aber dennoch toll fänden. Da sind auch Briefe von Löwen-Anhängern dabei, die anerkennen, was wir aus unseren Möglichkeiten gemacht haben. Denn vor 40 Jahren waren die Voraussetzungen für beide Vereine die gleichen.
Werden Sie auch in punkto „Bayern-Museum“ Ihre treibenden Kräfte als neuer Präsident einbringen, um einem der sehnlichsten Wünsche der Mitglieder und Fans zu entsprechen?
Wie sehen die Pläne für das geplante Amateursport-Gelände in Freimann aus?
Hoeneß: Wir haben da verschiedene Möglichkeiten, vor allem müssen wir in Sachen Basketball eine Entscheidung treffen. Unser Vize-Präsident Bernd Rauch ist ein großer Basketball-Freak und hat den Lebenstraum, neben unserer Fußballmannschaft auch eine Basketballmannschaft in der ersten Bundesliga zu haben. Dazu müssten wir aber auch eine Halle bauen – denn ohne größere Halle hätte das keinen Sinn. Diese Halle könnte auf dem Gelände in Freimann entstehen, aber nur, wenn wir zu der Entscheidung kommen, dass diese Sportart in München eine echte Chance hat. Es hat viele herausragende Menschen, Funktionäre und Fußballer gegeben, die ein gerüttelt Maß Anteil am Ruhm des FC Bayern haben. Sie zählen unweigerlich dazu.
Wem sind Sie vor allem dankbar, dass er dem FC Bayern gedient hat?
Hoeneß: Es gibt unglaublich viele Leute, die dazu beigetragen haben, den FC Bayern zu dem zu machen, was er heute ist. Angefangen bei den Präsidenten Franz John, Kurt Landauer, Robert Endler, Wilhelm Neudecker und Willi O. Hoffmann, dazu der langjährige Manager Robert Schwan und der Geschäftsführer Walter Fembeck. Später, als die Professionalisierung voranschritt, waren Karl- Heinz Rummenigge, Karl Hopfner, Franz Beckenbauer, Fritz Scherer und ich die treibenden Kräfte. Dieser Jahrzehnte andauernde Erfolg des FC Bayern hat viele Schultern. Dafür bin ich als jetziger Präsident dankbar.
Wenn Sie heute, nach 40 Jahren FC Bayern, zurückblicken: Worauf sind Sie am meisten stolz?
Hoeneß: Da gibt es viele verschiedene Dinge, denn die Stärke des FC Bayern war immer das Gesamtgebilde. Zum einen die Allianz Arena: Beim Heimspiel gegen Dortmund saß ich wieder auf der Tribüne und hatte Gänsehaut. Es war eiskalt, aber die Leute haben eine rotweiße Party gefeiert. Und auf dem Heimweg hat die Arena wieder in unserem Rot geleuchtet. Oder wenn ich mir das Trainingsgelände ansehe: Als ich hier angefangen habe, mussten wir uns noch in einer Holzhütte umziehen, wir hatten einen Trainingsplatz, auf dem von November bis März kein einziger Grashalm zu finden war. Wenn ich das mit den heutigen Voraussetzungen vergleiche, bin ich sehr stolz darauf. Dann natürlich, wie sich der Verein zu einem Treffpunkt für Fans entwickelt hat: Als ich 1979 als Manager anfing, hatten wir 8.000 Mitglieder – heute sind es 153.000. Wir haben einen Spagat geschafft, wie sonst kaum jemand: Auf der einen Seite steht ein sehr professionelles und globalisiertes Fußballunternehmen, das Partner aus der Wirtschaft von Weltruhm hat und einen Aufsichtsrat, um den uns jedes DAX-Unternehmen beneidet. Auf der anderen Seite steht der festverwurzelte Verein, der nicht vergessen hat, dass er von seinen Mitgliedern und seinen Fans getragen wird. Wir haben etwas geschaffen, das die Leute bewegt.
Und der FC Bayern ist seit 2006 endlich auch alleiniger Besitzer der Allianz Arena ...
Hoeneß: Ich wollte immer etwas selbst besitzen. Und auch die Fans haben uns immer gedrängt, dass sie ein eigenes Stadion wollen und keines, das halb blau ist. Der absolute Traum wird sich für mich an dem Tag erfüllen, an dem wir es uns leisten können zu sagen: Wir sind endlich alleine in der Arena und jetzt bauen wir sofort rote Sitze ein.
Wann wird das sein?
Hoeneß: Wir haben mit 1860 einen Vertrag bis zum Jahr 2020. Nur nach den Entwicklungen speziell in den vergangenen Monaten ist mir heute klar, was ich früher aufgrund der wirtschaftlichen Vernunft nicht so gesehen habe: Wenn uns der TSV 1860, aus welchen Gründen auch immer, bitten sollte, aus dem jetzigen Vertrag auszusteigen, dann werde ich die Kapelle, die die Sechziger aus dem Stadion begleitet, persönlich mit dem Defiliermarsch anführen.
Auf was freuen Sie sich heute immer noch, wenn Sie morgens vom Tegernsee zur Säbener Straße fahren?
Hoeneß: Ich hatte all die Jahre nie das Gefühl, dass ich zur Arbeit komme, sondern dass ich meinem Hobby und meiner Leidenschaft nachgehen darf. Und selbst jetzt, wo ich ja eigentlich nicht mehr so viele Termine hier habe, komme ich etwa dreimal pro Woche an die Säbener Straße und freue mich jedes Mal, wenn ich zuhause losfahre. Was ich hier gemacht habe, hat mir immer Spaß gemacht, auch wenn es mal schwierige Entscheidungen zu treffen gab. Sie gelten seit Jahrzehnten als Visionär der Bundesliga und des FC Bayern.
Welche Vorstellung hat der Präsident Uli Hoeneß jetzt hinsichtlich des nächsten großen Vereinsjubiläums 2025 für den FC Bayern?
Hoeneß: Der FC Bayern muss sich gar nicht so groß verändern. Wir sollten die gesunde Mischung beibehalten aus wirtschaftlicher Vernunft und sportlichem Ehrgeiz. Dann glaube ich, dass der FC Bayern in den kommenden zehn Jahren die große Chance hat, das Terrain, das man international verloren hat, wieder zurückzugewinnen. Aufgrund unseres Handelns in den vergangenen Jahren sind wir einer der Vereine, die weltweit am besten für die Zukunft gerüstet sind. Wenn wir das geschickt genug ausnutzen, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass wir auch wieder so glorreiche Zeiten wie in den 70er Jahren erleben.
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