629.10.08|FC Bayern|FC Bayern|
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München - Es ist ein Witz, doch der Scherz sagt einiges aus über die momentane Situation beim FC Bayern.

© dpa
Dauerhafter Erfolg in Sicht? Mit Franck Ribery sind die Siegchancen des FC Bayern jedenfalls gestiegen.
„Wir müssen jetzt Schluss machen“, sagt Markus Hörwick, der die Gesprächsrunde mit den Journalisten managt, „es sind nur noch vier Minuten bis zum Training – Franck, du musst los.“ Ribery blickt auf die digitale Uhr an der Wand, springt auf und verlässt den Raum. Dabei ist der Uhr gar nicht zu trauen gewesen. Sie zeigt noch Sommerzeit an.
Franck Ribery hatte gestern letztlich also noch über eine Stunde, um die wenigen Meter zum Trainingsplatz zu bewältigen. Dennoch ist die Zeit momentan an der Säbener Straße ein zentrales Gesprächsthema. Der deutsche Meister hat keine mehr zu verlieren, will er es tatsächlich noch wie von den Klubchefs gefordert zum Herbstmeister bringen. „Den Fuß runter vom Gas wird es bei uns nicht geben“, sagt Jürgen Klinsmann. Zuletzt gab es inklusive Champions League drei Siege in Serie, man will die Erfolgsfahrt heute in Frankfurt und am Samstag gegen Bielefeld fortsetzen. „Das sind wichtige Spiele“, urteilt Ribery, „ich hoffe da sehr auf sechs Punkte.“ Dann wären die Münchner trotz ihres holprigen Saisonstarts wohl wieder ganz oben dabei.
Klinsmann sieht sein Team inzwischen gefestigter als in der ersten Saisonphase. „Die Mannschaft hat sich definiert“, sagt der Coach, er meint, so langsam habe jeder im Kader sein Plätzchen gefunden. Anfangs habe man sehen wollen, „wer angreift, wer was möchte“, jetzt sind die Stammspieler- und Bankdrückerkarten vergeben. Wobei das natürlich nicht heißt, dass ab sofort alles festzementiert ist wie die Bausubstanzen des neuen Leistungszentrums. „Wir wollen mit Europas Top-Klubs mithalten, dafür ist ein Prozess nötig, der im April noch genauso läuft wie heute“, so Klinsmann.
Franck Ribery hat sich seinen Platz in der Startelf reibungsloser als erwartet zurückerobert. Aufgrund seiner Ausnahmefähigkeiten gab es kaum Zweifel an seinem Status, selbst unter dem Radikal-Renovierer Klinsmann nicht, doch ein Hauch Skepsis umwehte den Franzosen, ob er schnell seinen Antritt und seine Körperkraft wiederfinden würde, um seine Pirouetten herzerfrischend wie im Vorjahr drehen zu können. „Er kommt immer mehr in Rhythmus“, sagt Klinsmann über den zurückgekehrten Rekonvaleszenten, „er ist unglaublich ehrgeizig und steckt voller Spielfreude. Auf seine Überraschungsmomente, wie er den Gegner beschäftigt, darauf haben wir gewartet. Einen wie ihn kann auch der FC Bayern nicht ersetzen.“
Der Mittelfeldmann wähnt sich selbst derzeit bei 85 Prozent seines Leistungsvermögens angelangt, „aber es dauert nicht mehr lange, dann bin ich wieder ganz da“. Insgesamt sieht er sich und die Mannschaft „auf dem richtigen Weg“, merkt aber auch kritisch an, man sei „noch nicht so gut wie im letzten Jahr“. Die vielen Gegentore missfallen ihm, gerade international droht den Bayern bei so einer laxen Vorstellung von Defensivarbeit Ungemach. „Aber wir haben uns zuletzt Selbstvertrauen geholt, die Angst aus den Spielen zuvor ist nicht mehr da.“
Was vor allem daran liegt, dass Ribery wieder für Impulse sorgt. Sein Spiel hat sich unter Klinsmann nicht verändert, er hat auch unter dem neuen Coach alle Freiheiten. Seinen Stil umschreibt er mit den Worten, die einst Wiggerl Kögl wählte – halt auf französisch: „Je joue mon jeu.“ I’ spui’ mei’ Spui’. Nur dass Ribery seine Dribblings mit höherer Gangart als der frühere Münchner Publikumsliebling ansteuert. Bloß nicht runter vom Gas lautet ja die Devise. Das haben die Uhren beim FC Bayern geschlagen.
Andreas Werner
Anstoß: Mittwoch, 20 Uhr
Frankfurt: Nikolov – Ochs, Russ, Galindo, Spycher – Fink, Toski, Korkmaz – Fenin, Steinhöfer – Liberopoulos
FC Bayern: Rensing – Oddo, Lucio, Demichelis, Lell – Schweinsteiger, van Bommel, Ze Roberto, Ribery – Klose, Podolski
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
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