Mönchengladbach – 30 Minuten vor der Geisterstunde, im Bauch des Borussia-Parks war nach dem 3:1 der Hausherren über den FC Bayern längst Ruhe eingekehrt, nahm ein Gladbacher langsam und sorgfältig Stufe um Stufe, um den Kabinentrakt in Richtung VIP-Räume zu verlassen.

© dpa
Er trug einen tiefroten Kapuzen-Pulli, was die letzte dezente Pointe darstellte nach einem Abend voller Paukenschläge – denn der Mann wird auf absehbare Zeit nicht die Farben des FC Bayern tragen. Marco Reus hat sich für Dortmund entschieden. Wenn er also ein rotes Outfit wählt, dann rein in privaten Momenten.
Das Nein des Jung-Nationalspielers hat die Bayern geschmerzt, und wenn man das Spiel am Freitag als Maßstab nimmt, erhärtet sich der Verdacht, dass der Wechsel des 22-Jährigen die Münchner in der Zukunft mehr treffen wird als seinen bisherigen Arbeitgeber, der ihn ja auch gerne behalten hätte. Dass Reus im Sommer geht, sei „ein Schock gewesen“, gab Trainer Lucien Favre zu, „ich war enttäuscht, klar, ich bin ein Mensch.“ Er sei aber auch mal Spieler gewesen, so der Schweizer, folglich habe er die Beweggründe des Ausnahmetalents schon nachvollziehen können. „Das Ganze ist jetzt verdaut, und Marco ist bis Sommer mit uns. Alles kein Problem“, sagte er, „er ist top motiviert.“
Das haben die Bayern am eigenen Leib erfahren – nicht auszudenken, wie übel er ihnen mitspielen könnte, wenn die Qualität seiner Kollegen steigt, wie es nach seinem Wechsel der Fall sein wird. „Wir wollten den Bayern zeigen, wo der Hammer hängt“, sagte Reus frech, das habe gut geklappt. Es war Spiel 1 nach Bekanntgabe des Abschieds, doch die Fans empfingen ihn freundlichst; er dankte es unter anderem mit dem 1:0.
Bange vor der Zukunft sollte Gladbach derzeit nicht sein. Reus geht, doch Patrick Herrmann zeigte mit einem Doppelpack gegen Bayern, dass die Talente nicht ausgehen. Der 20-Jährige höre gut zu, wenn die alten Recken von alten Zeiten berichten, sagte Mike Hanke: „Ich habe ihm ein wenig erzählt, wie ich früher die Tore gemacht habe.“ Er schmunzelte dabei, aber Spaß beiseite: Da könnte der Nächste heranwachsen, der das Format dazu hat, sogar einem FC Bayern zu zeigen, wo der Hammer hängt.
Andreas Werner



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.