München - Timoschtschuk? Luiz Gustavo? Der FC Bayern muss vor dem Spiel beim HSV an seiner Abwehr tüfteln.

Rechnung mit mehreren Unbekannten: Jupp Heynckes muss seine Viererkette wieder einmal neu formieren. foto: sampics
Seinem Präsidenten Karl-Heinz Rummenigge hat der FC Bayern die Erkenntnis zu verdanken, dass Fußball keine Mathematik ist. Die Rechnung, die einige Reporter in der vergangenen Woche aufmachten, verbietet sich demnach. Sie lautet so: Wenn Dortmund 5:1 in Hamburg gewinnt und die Bayern sich als stärker als Dortmund einschätzen, muss dann also der Rekordmeister im Norden noch klarer siegen als der Rivale aus dem Revier?
Natürlich ist das nur eine Fangfrage gewesen. Erwartungsgemäß hat sich auch niemand gefunden, der beherzt ein 6:1 in Aussicht stellte. Die Antworten reichten von „Die letzten Spiele haben wir auch nicht locker gewonnen“ (Ivica Olic) bis „Drei Punkte, egal wie“ (Franck Ribery). Jupp Heynckes hat sich am Freitag ebenfalls dem Vergleich mit dem BVB-Kantersieg gestellt und kam zu dem Ergebnis: Er hinkt.
„Erstens“, weiß der Trainer, „ist es so, dass viele Mannschaften gegen den FC Bayern anders agieren.“ Erfrischend defensiv nämlich, weswegen die Münchner zwar gewöhnlich einen kolossalen Ballbesitz haben, sich mit dem Ball dann aber den Weg durch ein stabiles Abwehrgeflecht bahnen müssen, was ihnen zuletzt schwer fiel. Und zweitens: „Es ist ein Unterschied, ob der erste oder dritte Rückrundenspieltag ist.“
Das Lob für die Trainingsleistungen gehört seit jeher zum Stehsatz aller Übungsleiter. Bemerkenswerter ist da schon Heynckes’ Feststellung, „dass wir ein riesiges Steigerungspotenzial haben“. In einer Phase, wo die Mannschaft um Stabilität ringt und Harmonie vorleben will, sind solche Worte in München ungewöhnlich. Das Beschwören der eigenen Stärke war ja stets die Domäne der Bayern.
Spekulationen, sie könnten mit einem Sieg gegen den HSV wie in der Vorrunde (6:0) zurück in die Spur finden, sind den Beteiligten zu vermessen. Sie haben genug Probleme. Das akuteste ist die Anordnung der Viererkette, der mit Daniel van Buyten (Mittelfußbruch) und Rafinha (Gelbsperre) zwei Glieder abhanden gekommen sind. Im Training testete Jupp Heynckes Anatoli Timoschtschuk als Rechtsverteidiger. Das hätte den Vorteil, dass die soeben wiedervereinigte Innenverteidigung Badstuber/Boateng nicht schon wieder entzweit werden müsste. Die Variante hätte aber den Nachteil, dass der Ukrainer bei den Bayern keine nennenswerte Erfahrung als Rechtsverteidiger gesammelt hat. Alternativ könnte Heynckes auch Boateng nach rechts beordern und die Lücke im Zentrum mit Luiz Gustavo schließen. Dem Brasilianer hat sein Trainer am Freitag ein robustes Dezember-Tief bescheinigt, das nun im frühen Februar aber überwunden sei.
Wie auch immer sich Heynckes entscheidet, es wird ihm einige Improvisationskunst abverlangt werden. Aber er hat keine Wahl, zumal sich beim ewigen Patienten Breno gerade wieder das Knie gemeldet hat. Ein Mitwirken in Hamburg ist ausgeschlossen. Nächste Woche entspannt sich die Lage immerhin dadurch, dass der gelernte Rechtsverteidiger Rafinha seine Sperre abgesessen hat. So viel Wertschätzung wie in diesen Tagen war ihm in München noch nicht oft vergönnt.
Von Marc Beyer



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