024.11.09|FC BayernFacebook
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München – Ein Gespräch mit Franz Beckenbauer, 64, über 15 Jahre Präsidentschaft, die momentane sportliche Situation und seine Pläne für die Zukunft.

© dpa
Mehr als 15 Jahre an der Spitze des Vereins: Ohne Franz Beckenbauer war der FC Bayern München gar nicht mehr vorstellbar.
Dieser Freitag ist ein einschneidender Termin in der Geschichte des FC Bayern München: Auf der Jahreshauptversammlung tritt Franz Beckenbauer als Präsident zurück, Uli Hoeneß übernimmt dieses Amt (und somit automatisch den Vorsitz im Aufsichtsrat), ist dann nach 30 Jahren jedoch nicht mehr Manager und muss aus dem bisher dreiköpfigen Vorstand der FC Bayern AG ausscheiden, in dem vorerst nur Karl-
Das Interview mit Franz Beckenbauer:
Herr Beckenbauer, was ist für den FC Bayern diese Saison noch drin?
Du musst den Punkteabstand nach vorne so gering wie möglich halten – und warten, bis Franck Ribery und Arien Robben wieder da sind. Klar kann man fragen: Macht man sich zu sehr abhängig von einem, zwei Spielern? Aber das sind nun mal Ausnahmespieler, Franck ist einer der Besten der Welt. Die Mannschaft spielt besser, jeder Einzelne, wenn er da ist. Das ist meine Hoffnung: Wenn er wieder spielt, wird ein anderer Zug in der Mannschaft sein. Dazu Arjen Robben, siehe zweite Halbzeit gegen Wolfsburg (3:0-
Besteht in der Champions League noch Hoffnung?
Entscheidend wird sein, wie Turin in Bordeaux spielt. Wenn Juventus gewinnt, brauchen wir nicht weiterzureden. Aber du musst auch erst gegen Haifa gewinnen. Das ist keine schlechte Mannschaft, die verliert immer erst in den letzten Minuten, und so souverän war unser 3:0 da unten auch nicht. Nicht passieren darf, dass Juventus nicht gewinnt und wir auch nicht. Dann bin ich am Freitag nicht da und grüße über Leinwand aus New York.
Bekommt Trainer Louis van Gaal Zeit?
Sicher, für van Gaal ist manches unglücklich gelaufen, er hat nie zweimal nacheinander mit der gleichen Aufstellung spielen können. Aber es ist ein Zeichen, dass er sich selbst nicht sicher und auf der Suche ist. Auch der Verlust von Ze Roberto und Lucio hat dazu beigetragen, dass Probleme da sind. Aber was ist, wenn wir bis Weihnachten alle Spiele gewinnen? Dann kommt Ribery wieder und wir werden mit zehn Punkten Vorsprung Meister.
Sie sagten, van Gaal müsse mehr delegieren.
Man hört, dass er alles selber machen und wissen will. Das erinnert mich an meine Anfangszeit als Nationaltrainer. Da habe ich mich sogar ums Toilettenpapier gekümmert, bin in Mexiko deswegen an die Hotelrezeption gegangen. Irgendwann habe ich kapiert, dass man sich nicht in diesen Kleinigkeiten verzetteln darf, sondern sich ums Wesentliche kümmern muss.
War das nicht bekannt, dass er so ist?
Er war schon bekannt. Wir hatten halt das Experiment mit Jürgen Klinsmann erlebt, die Spieler haben gesagt, es gehe zu wenig um Taktik, sie wüssten nicht, wo sie laufen müssten – gut, wenn man das mit 32 nicht weiß, dann hat man was falsch gemacht. Die Spieler haben sich hinter diesen Ausreden versteckt. Dann haben wir gesagt: Ein Fußball-
Freuen Sie sich auf diese Spiele?
Ich freue mich, wenn der Ribery wieder spielt.
Der ist kein Schematiker.
Gott sei Dank nicht. Er hat die letzten zwei Jahre den Unterschied ausgemacht.
Am Freitag ist Jahreshauptversammlung. Wird’s heiß hergehen?
Es passiert doch nichts. Ich höre auf, der Uli Hoeneß wird mein Nachfolger als Präsident, das sind eigentlich gar keine Wahlen, weil es keinen Gegenkandidaten gibt. Natürlich, wenn das Spiel am Mittwoch schlecht verläuft, könnte es unangenehme Fragen geben, es könnte ein Touch reinkommen, den man überhaupt nicht braucht, das haben wir in meinen 15 Jahren als Präsident auch nie gehabt.
Die Fans sympathisieren mit Kritiker Philipp Lahm . . .
Es geht nicht um den Inhalt, sondern um den Weg, den er gegangen ist. Im normalen Leben kannst du dir am nächsten Tag einen neuen Arbeitsplatz suchen. Einem Philipp Lahm steht es nicht zu, in die Öffentlichkeit zu gehen. Das ist nicht Mut. Mutig wäre gewesen, die Probleme beim Vorstand vorzutragen.
Ist denn im Vorstand in den letzten Jahren kontrovers genug diskutiert worden?
Das weiß ich nicht, da bin ich nicht dabei. Große Probleme haben wir nicht gehabt, über die man diskutieren müsste.
Ihr Verhältnis zum Vorstand?
Sehr gut. Ich habe die Entscheidung herbeigeführt: Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft; dadurch war klar, dass ich aus dem operativen Geschäft draußen bin. Hin und wieder brauchten Karl-
Als Kommentator sind Sie schon kritisch.
Ich finde, früher, so zur Trapattoni-
Ich wollte dem Ribery helfen, mein Verständnis zum Ausdruck bringen, dass er zu Real Madrid will, und genau das Gegenteil ist rausgekommen. Der Ausdruck „München ist ihm wurscht, er ist Franzose“ war vielleicht verkehrt. Die Erklärung, die der Vorstand deshalb herausgegeben hat, die war jedoch unglücklich. Das wissen die auch.
Glauben Sie, Uli Hoeneß wird auch so ein überwiegend zurückgezogener Präsident sein?
Nicht ganz. Er hat im Marketing-
Es sollte doch auch die Nachfolge von im wirtschaftlichen Bereich geregelt werden. Wann ist es so weit?
Ich hoffe, nie. Der Uli soll das so weitermachen, die wichtigen Kontakte wie Telekom, Adidas, Audi persönlich wahrnehmen. Und sicher legen diese Unternehmen Wert darauf, mit dem Uli zu sprechen und nicht mit einem Herrn Hinterhuber, der vielleicht mal kommen sollte. Der Uli soll weiter die Geschicke des FC Bayern leiten.
Christian Nerlinger hat den sportlichen Bereich bereits übernommen. Wie macht er sich?
Er gefällt mir, er hat einen klaren Blick. Und er hat mit Uli Hoeneß einen wichtigen Fürsprecher.
Empfinden Sie Wehmut, dass Sie ab Freitag von Ihrem FC Bayern weg sind?
Das bin ich doch nicht. Ich werde Ehrenpräsident.
Was macht der Ehrenpräsident?
Er wird eingeladen. Ernsthaft: Vor drei Jahren habe ich mich überreden lassen, noch einmal Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zu werden, doch damals habe ich schon gesagt: „Passt’s auf, ich kann nichts mehr für euch tun.“ Das Letzte waren der Bau des Stadions durch die WM und Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Der Uli war da gar nicht begeistert. Doch ich habe gesagt, dass wir bei 100 bis 150 Millionen Euro Umsatz eine professionelle Struktur brauchen. Jetzt machen wir 300 Millionen. Wenn wir das ehrenamtlich verwalten, lacht uns doch die Welt aus.
Ein unvergessener Moment Ihrer Präsidentschaft war im Jahr 2001 die Bankettrede von Lyon nach der 0:3-
Damals stand ich in der direkten Verantwortung, da muss man das Ventil öffnen. Jetzt ärgere ich mich auch noch, bin aber gefasster und kontrollierter.
Was haben Sie als Präsident falsch gemacht?
Die Entlassung von Otto Rehhagel (1996, d. Red.) war völlig ungerechtfertigt.
Der herausragende positive Moment?
Das Elfmeterschießen im Champions League-
D-
Dollar
Jetzt noch einmal Jahreshauptversammlung mit Ihnen in der Rolle des launigen Conferenciers. Die Rolle scheint Ihnen zu liegen, da wird sogar das Gedenken an verstorbene Mitglieder launig präsentiert.
Das kann man ein paar Mal machen, aber wenn man es als Beruf täglich machen müsstest, wäre es auch nicht mehr so lustig. Deswegen sind die meisten Komiker ja auch oft so schlecht gelaunt.
Vor zwei Jahren ist Uli Hoeneß bei der Versammlung ausgerastet. Muss er als Präsident ein so gelassener Moderator werden wie Sie?
Uli hat das mit Kalkül gemacht. Man kennt doch die Tendenzen aus Italien, wo teilweise die Fanklubs den Klub beherrschen. Das ist nicht ungefährlich.
Denkbar, dass Sie bei einem anderen Klub was machen?
Nein, ich bin ausgelastet mit FIFA, UEFA, DFB, meinen Partnern, der Stiftung und meinen zwei kleinen Kindern, mit denen ich mich so viel wie möglich beschäftige.
Berater bei Red Bull Salzburg?
Das war ich am Anfang mal, da habe ich dem Didi Mateschitz (Konzernchef, d. Red.) nicht als Berater, sondern als Freund der Familie geholfen. Doch es geht zeitlich nicht mehr.
Alte Frage: Wie wär’s mit FIFA-
Nein. Ich bewundere Sepp Blatter, was er leistet, ich bewundere sein Gut der Vielsprachigkeit, er kann sich mit jedem unterhalten. Und Michel Platini ist ein hervorragender UEFA-
Bei Bayern waren Sie alles, nur nicht Manager.
Das kam nie in Frage, weil wir mit Uli den besten hatten. Außerdem: Immer die gleichen Abläufe, das wäre nichts gewesen, auch Vereinstrainer nicht. Ich habe immer schon meine Freiheiten gebraucht, deswegen war der Beruf des Fußballers ideal, ein Geschenk des Himmels. Ich war ja gelernter Versicherungskaufmann, bei der Allianz. (Schmunzelt) Wäre ich geblieben, wäre die Allianz jetzt das größte Unternehmen der Welt.
Ein Blick in die Zukunft des FC Bayern.
Es wird uns nicht bange, weil wir eine unglaublich gute wirtschaftliche Situation haben. Das hat allerdings auch etwas Gefährliches. Früher hat man mit der Faust auf den Tisch gehauen. Jetzt zögert man Sachen hinaus – weil’s uns so gut geht.
Das Interview führte Günter Klein
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