128.02.09|FC Bayern|FC Bayern|3
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München - 5:0 gewonnen, trotzdem brodelt es weiter beim FC Bayern. War der Erfolg in Lissabon Jürgen Klinsmann zuzuschreiben – oder hat die Mannschaft die Regie übernommen und taktische Eingriffe selbst beschlossen?

© dpa
Immer noch tonangebend: Die Mannschaft versichert in Taktikfragen weiter auf den Trainer zu hören.
Es stand so einiges in einigen Zeitungen am Freitagmorgen, und am Freitagmittag hat Miroslav Klose das große Dementi gesprochen. Da hätten sich welche „nicht an die Wahrheitspflicht gehalten“, monierte der Stürmer – und dann erklärte er, wie es wirklich gewesen sein soll. „Also, mit der Taktik, da muss man folgendes festhalten. . .“, hob er an. Berichtet worden war, dass die Mannschaft nach der 1:2-Blamage gegen den 1. FC Köln sich ohne Trainer Klinsmann zusammengesetzt und vereinbart habe, defensiver zu spielen. „Fakt ist“, entgegnet Miroslav Klose, „dass es keine Mannschaftssitzung gab, wo der Trainer nicht dabei war. Dass die Spieler die Taktik vorgegeben hätten, ist absoluter Quatsch.“
Wie soll es sich dann zugetragen haben? Natürlich gab es eine Sitzung, was Philipp Lahm etwas verschlüsselt auf Anfrage unserer Zeitung schon am Montag dieser Woche eingeräumt hatte: „Wir sind jeden Tag zusammen, und Räume, in denen man Besprechungen abhalten kann, gibt es hier an der Säbener Straße genügend.“ Als bestätigt darf auch gelten, dass es das eine große Thema gab. „Wenn man drei von vier Spielen verliert, muss sich etwas Grundlegendes ändern“, gibt Miroslav Klose die Stimmungslage wider, die noch vor wenigen Tagen herrschte. „Wir haben uns auch entschlossen, defensiver zu spielen. Doch es ist wichtig, dass zwei Seiten genau das gleiche wollen. Der Trainer ist die wichtigere Seite. Er wollte so agieren, die Mannschaft wollte so agieren.“
Der Mannschaftsrat (mit Lucio, Martin Demichelis, Mark van Bommel, Philipp Lahm und Miroslav Klose) habe schließlich mit Klinsmann gesprochen. Am Freitagnachmittag legte die Mannschaft noch eine vom Kapitän unterzeichnete Presseerklärung nach. Van Bommel schreibt: „Auch im Namen der Mannschaft erkläre ich, dass es keine Sitzung ohne Trainer Jürgen Klinsmann gegeben hat, dass es keine Entscheidung der Spieler über ein anderes Spielsystem gibt.“ Im zweiten Punkt nicht exakt so, wie Klose es geschildert hat.
Unterm Strich: Nach 21 Bundesliga-Spieltagen ist man beim FC Bayern, auf welchem Weg der Entscheidungsfindung auch immer, zum Schluss gekommen: Beginnend mit dem 5:0-Champions League-Auftritt in Lissabon, wird anders gespielt. „Wir müssen nicht immer total dominieren und nicht jedes Spiel 5:0 gewinnen“, sagt Klose. Es muss mehr Absicherung sein: „Die Abstände zwischen den einzelnen Spielern dürfen nicht so groß sein.
Man kann sich nicht immer darauf verlassen, dass der andere seinen Zweikampf gewinnt – oder er kann auch mal ausrutschen.“ Die Bayern, erklärt Klose, müssten erst mal schauen, zumindest in ihrer derzeitigen Lage, „dass wir zu null spielen. Bei unserem Offensivpotenzial ist ein Tor dann immer drin.“ Das ist jetzt der Königsweg. Sogar Franck Ribéry findet es „gut, dass wir kompakter stehen und alle auch verteidigen“. Zumindest in den internationalen Spielen soll so verfahren werden. Auch in der Bundesliga müsse man sich wappnen. „Drei Viertel der Mannschaften stellen sich hintenrein und versuchen, uns auszukontern“, so Miroslav Klose.
Die Bayern sind nach einem guten halben Jahr der versuchten Neuausrichtung zurückgekehrt zu alten Verhaltensweisen. Das identische Personal versuchte sich in zwei Systemen und fand heraus, dass es, laut Klose, so ist „wie mit verschiedenen Paar Schuhen. In einem läuft man gut, im anderen weniger. Es ist legitim, dass man neue Systeme und Spielsituationen einstudiert.“ Hat man jetzt wieder den Hitzfeld-Schuh mit dem bequemen Fußbett an?
Unter Ottmar Hitzfeld gewann man vorige Saison in Bremen 4:0, es war die große Show der Neuzugänge, vor allem von Franck Ribéry. Unter Jürgen Klinsmann steht aus der Vorrunde die erschütternde 2:5-Heimniederlage gegen Werder in der Bilanz. Am Sonntag tritt man im Weserstadion an. Klar: „Das ist ein besonderes Spiel“, sagt Miroslav Klose. Franck Ribéry sagte nach dem Sieg in Lissabon, er habe „den Spaß am Fußball wiedergefunden“.
Bei den Niederlagen in Berlin und gegen Köln war er gedoppelt, bisweilen sogar getriplet worden, „zwei, drei Gegenspieler, das war extrem. Doch es kann auch eine Chance sein, weil dadurch andere Spieler von uns frei stehen – wir müssen das nur besser ausnutzen.“ Freitag war übrigens Dementi- Tag beim FC Bayern. Es ging nicht nur um die Sitzung mit/ohne Klinsmann; Franck Ribéry hatte was zu sagen zum jüngsten Gerücht, er sei mit Barcelona einig. „Diese Fragen stören mich, sie nehmen mir einen Teil meiner Energie. Ich lebe im Hier und Jetzt und will Spaß haben und Tore schießen.“
GÜNTER KLEIN
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