022.07.10|FC Bayern|FC Bayern|
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Riva - Ivica Olic will sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen. Im Interview spricht er über Motivation ohne Ende, seinen Status beim FC Bayern und Vergleiche mit Oliver Kahn. Doch er hat auch Angst.

© dpa
Ivica Olic will alles geben.
Ivica Olic, 30, hat sich in der letzten Saison in der Sturm-Hierarchie des FC Bayern ganz nach vorne gearbeitet. Im Interview versichert der Kroate, dass er sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen will – und erklärt, warum er nur seine Kinder daheim gegen sich gewinnen lässt.
Herr Olic, alle klagen hier am Gardasee über die Hitze – können wir davon ausgehen, dass die Ihnen wie auch sonst alle Widrigkeiten nichts ausmacht?
Nein, ich spüre die Hitze auch. Abends geht es. Aber morgens ist es schlimm. Es hilft nichts – wir sind Profis, da müssen wir durch.
Mit dieser Einstellung haben Sie letzte Saison Fußball-Europa aufgemischt. Nach einer starken Hinrunde sagten Sie, Sie seien jetzt zuhause in Kroatien ein Star. Dann kam eine noch grandiosere zweite Halbserie – sind Sie jetzt ein Super-Star?
(grinst) Naja, wir sind hier am Gardasee gerade mal mit sieben Mann aus der ersten Mannschaft – da ist es nicht schwer, der Star zu sein. Aber Spaß beiseite: Ich fühle mich nicht als Super-Star. Und letztes Jahr war letztes Jahr. Das ist vorbei. Ich muss dieses Jahr gut spielen.
Im letzten Sommer sagten Sie, Sie müssten sich in München als Stürmer Nummer 4 einreihen – sind Sie jetzt die Nummer 1?
Das habe ich damals so gesagt, das stimmt. So war es auch. Die anderen hatten einfach mehr Kredit. Ich war am Anfang vierter Stürmer, am Ende war ich die Nummer 1. Das zeigt aber jetzt auch den anderen, dass jeder einfach auf seine Chance lauern muss. Ich muss mich auch wieder neu beweisen. Ausruhen gibt es nicht.
Haben Sie Angst, dass jetzt die schwerere Aufgabe auf Sie zukommt, weil Sie nicht mehr unbeschwert attackieren können, sondern erobertes Terrain verteidigen müssen?
Angst ist das falsche Wort. Ich muss einfach Vollgas geben, und ich kann ja gar nicht anders. Wenn ich absolut fit bin und gesund bleibe, mache ich auch meine Tore. Das Selbstvertrauen habe ich. Wissen Sie, was mir mehr Angst macht? Dass unsere WM-Spieler erst so spät zurückkommen. Das bedeutet, dass wir anfangs nicht so eingespielt sein werden. Und ich kann nur gut sein, wenn die anderen auch gut sind.
Das Auftaktprogramm heißt Wolfsburg, Kaiserslautern und Bremen. Ihr Ziel?
Alle drei Gegner sind schwer, aber wir sind der FC Bayern. Ich will da neun Punkte. Okay, unter Umständen wäre ich mit sieben auch einverstanden. Ich denke, Wolfsburg wird immer gefährlicher. Die kaufen immer mehr Spieler. Bremen muss man in der Meisterschaft auch immer beachten. Bei Schalke weiß ich nicht, wie sich die neuen Spieler entwickeln. Leverkusen und Hamburg schätze ich auch hoch ein.
Favorit ist aber der FC Bayern – ist das die beste Mannschaft, in der Sie je gespielt haben?
Definitiv.
Und Sie waren letzte Saison ein Fixpunkt in dieser Mannschaft – hatten Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?
Ich habe mir das zugetraut, aber ich weiß, was Sie meinen. In Hamburg haben viele gesagt:Was willst du bei Bayern? Da landest du auf der Bank! Aber ich musste es einfach ausprobieren, sonst hätte mich das mein Leben lang verfolgt. Als dann nach drei Wochen die Fans in München angefangen haben, meinen Namen zu rufen, wusste ich: Ich habe alles richtig gemacht. Das war ein unglaubliches Gefühl. Ich erlebe gerade die schönste Zeit meiner Karriere.
Mit Ihrem Kampfgeist erinnern Sie an Oliver Kahn, sein Motto „Immer weiter, immer weiter“ könnte auch Ihres sein. Sind Sie beide vom gleichen Schlag?
Ach, ich kann mich nicht mit Kahn vergleichen. Aber ich glaube, dass wir beide immer gewinnen wollen. Auch jedes Trainingsspiel. Ich bin ein schlechter Verlierer. Also nicht, dass ich dann Ärger mit dem Gegner provoziere, aber ich habe zum Beispiel als Kind nach Niederlagen immer geweint. Jetzt bin ich natürlich älter, aber ich kann heute noch nach Niederlagen nicht ruhig schlafen gehen.
Dann hat Ihre Frau in solchen Fällen viel zu leiden . . .
(grinst) Ja, aber sie kennt das ja inzwischen. Sie lässt mich dann lieber einen halben Tag in Ruhe. Aber das ist unser Leben. Und natürlich gehören zum Leben eines Sportlers auch Niederlagen.
Wie schmerzhaft war das 0:2 im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand?
Ich hatte ehrlich gesagt gedacht, dass es mich mehr schmerzt. Aber ich habe dann überlegt und gesehen, was wir erreicht hatten. Und welche Mannschaften schon vorher auf der Strecke geblieben waren. Es wäre, glaube ich, schmerzhafter, wenn man im Halbfinale scheitert – so kurz vor dem Ziel.
Was fehlt denn noch zu Europas großen Teams?
Nicht mehr viel. Wirklich nicht. Schauen Sie: Bei der WM hatte der FC Bayern 13 Spieler im Halbfinale – da kann man schon sagen, dass es kein Zufall war, dass wir bis ins Endspiel der Champions League gekommen sind. Wir können mit dieser Mannschaft noch viel erreichen. Das Finale ist jederzeit wieder drin, wenn alle immer Leidenschaft zeigen.
So wie Sie – nur im eigenen Garten müssen Sie sich da zügeln, was man so hört . . .
(grinst) Stimmt. Wenn ich mit meinen Söhnen Antonio und Luca spiele, muss ich die gewinnen lassen. Sonst ist meine Frau sauer. Antonio geht eher in Richtung Torwart, Luca will immer Tore machen, er ist aggressiv. Aber eines von zehn Spielen gewinne ich.
Weil Sie einfach nicht gerne verlieren. . .
(grinst) Ja. Und wissen Sie, was mir in letzter Zeit immer mehr Spaß macht? Tennis. Bei dem Sport kannst du nie sagen: Man hat verloren, weil die anderen Fehler gemacht haben. Da bist du der Einzige, der für Sieg und Niederlage verantwortlich ist. Du rechnest mit dir selber ab. Das gefällt mir. Ein guter Ausgleich.
Das Gespräch führte Andreas Werner
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