München - Einen Kontrast zum „Mia san mia“ des FCB liefert Franck Ribéry: Der Franzose hinterfragt Aufstellung und Transferpolitik der Bayern

© sampics
Verpackungskünstler: Franck Ribery (r.) wird morgen in der Kälte spielen. Danijel Pranjic wird ihm zuschauen.
Man kommt auch beim FC Bayern nicht umhin, das Thema Kälte anzusprechen. Nicht wenn die Verhältnisse vor der Tür der Geschäftsstelle in derart krassem Kontrast stehen zur Garderobe der Spieler beim Pressetermin. Ivica Olic hatte die Ärmel seines ohnehin kurzärmeligen Hemdes gestern hochgerafft, als wolle er jeden kühlenden Luftzug einfangen. Wenig später schlurfte Franck Ribery herein. Kurze Hosen, kurzes Hemd, Badeschlappen.
Am Morgen, als er seine Tochter zur Schule brachte, war der Franzose noch ungleich dicker eingemummt. Trotzdem fand er die Temperaturen „brutal“. Und da war er nur kurz draußen, nicht anderthalb Stunden lang wie später beim Training. Im Gegensatz zu einigen Kollegen, die mit wärmender Creme ihre Füße behandeln, hat Ribery mit einer anderen Problemzone zu kämpfen: „Meine Hände. Ich trage zwei Paar Handschuhe, und mir ist immer noch kalt.“
Es gibt angenehmere Arbeitsbedingungen für einen Feinarbeiter wie ihn. Die Rückenschmerzen, die Ribery seit geraumer Zeit plagen, stehen allerdings in keinem Zusammenhang mit den Minusgraden. Er hat sich die Beschwerden schon im Trainingslager unter der Sonne von Doha eingehandelt, ein Andenken an den harten Trainingsplatz. Zuletzt hat er Pausen eingelegt, aber ein Grund zur Besorgnis besteht deswegen nicht. Dem Rücken gehe es inzwischen „viel besser“, sagt Ribery, für das morgige Gastspiel in Hamburg gibt er Entwarnung: „Isch kann spielen, natürlisch.“
Das sind mal neue Töne von den Bayern. Bisher sind sie stets mit breiter Brust durch den Spielbetrieb marschiert, doch die jüngsten Ergebnisse (in Mönchengladbach) bzw. Leistungen (gegen Wolfsburg) geben dazu ebenso wenig Anlass wie die Vorstellungen der Konkurrenz, die allesamt sehr souverän ihre ersten Aufgaben bestritt. Außerdem kann man sich als Dortmunder oder Schalker auch sehr schön hinter breitbrüstigen Mia-san-mia-Bayern verstecken. Insgeheim dürften die Borussen ihr Glück kaum fassen, wie leicht es ihnen zuletzt gemacht wurde, die Favoritenrolle von sich zu weisen.
Vom „Mir san mia“ ist bei Ribery gerade nichts zu spüren. Dortmund, sagt er, „ist eine richtig gute Mannschaft“. Es ist zwar schön für die Bayern, dass sie in der Offensive endlich aus dem Vollen schöpfen können. Doch defensiv sind sie nach den Verletzungen von Contento und van Buyten sowie der Gelbsperre Rafinhas in Hamburg umso empfindlicher geschwächt. „Wir haben keine richtig gute zweite Mannschaft.“ Der Solist von der linken Flanke lässt keinen Zweifel daran, dass er sich eine andere Personalplanung gewünscht hätte. „Aber ich bin nicht der Präsident. Ich bin nur Spieler.“
Franck Ribery ist auch nicht der Trainer. Trotzdem plädiert er ungewöhnlich offen für Toni Kroos auf der Zehner-Position, wo zuletzt Thomas Müller spielte. Kroos als Einfädler zur Seite zu haben, „ist besser für mich“, argumentiert er, und was für ihn gut ist, war für die Bayern zuletzt meist auch von Vorteil. dennoch wird Kroos wohl auch in Hamburg aus der Tiefe des Raumes agieren, neben Bastian Schweinsteiger.
Ribery sah gestern nicht aus, als habe er zum Thema Aufstellung schon alles gesagt, was ihm auf dem Herzen lag, doch da legte ihm Pressesprecher Markus Hörwick die Hände auf die Schultern und komplimentierte ihn zum nächsten Termin. Ribery hinterließ einen starken Eindruck. Nicht nur wegen der Badelatschen.
Marc Beyer



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.