Karl-Heinz Rummenigge.
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Karl-Heinz Rummenigge.

Rummenigges Einschätzung

"Die Nationalelf braucht Schweinsteiger"

München - Karl-Heinz Rummenigge ist optimistisch, was die Verletzung von Bastian Schweinsteiger angeht. Dem DFB-Team stellt er allerdings - was die Weltmeisterschaft angeht - sehr kritisch gegenüber.

Am Samstag entscheidet sich, ob der FC Bayern das Double schafft, gestern ist der Klub aber auch so um einen Titel reicher geworden: Karl-Heinz Rummenigge nahm im Bayerischen Hof den Preis „Werterhaltung und Weitergabe“, den die Kanzlei Lang mit der Fürst Fugger Privatbank seit fünf Jahren vergibt, entgegen. Vor rund 150 geladenen Gästen nahm der Vorstand des Rekordmeisters zu sportlichen Fragen Stellung. Rummenigge über . . .

 . . .  die Auszeichnung: „Dieser Preis ist der Beweis, dass der FC Bayern nicht nur sportlich aktuell eine Mannschaft mit viel Ruhm auf dem Platz hat, sondern auch, dass der ganze Klub auf guten Füßen steht. Es gibt Werte, die der Fußball einfach vorleben sollte: Tradition, Fairplay und Anstand. Dafür steht der FC Bayern seit 114 Jahren. Wir versuchen seit jeher, unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.“

 . . . Wechselwillige im Kader des FC Bayern:  „Ich habe vor zwei Wochen gesagt, dass jeder Unzufriedene zu mir ins Büro kommen soll – aber bisher war keiner da. Ich gehe davon aus, dass sich alle bei uns wohlfühlen. Wenn ich ehrlich bin, würde es mich auch überraschen – ich würde als Spieler gerade nicht auf die Idee kommen, den Klub zu verlassen. Wir gehen solche Gespräche ganz gelassen an, der Klub entscheidet exklusiv, wie der Kader in der nächsten Saison aussieht. Alle Entscheidungen fallen erst nach nach Pokal-Finale.“

 . . . die Frage, ob eine Niederlage im Pokal die ganze Saison infrage stellen würde: „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Wir haben einen wunderbaren Klub. In den letzten zwei Jahren haben wir sieben Titel geholt, wir haben alles abgeräumt, das ist in Europa einzigartig. Es wäre vermessen, würden wir uns beklagen. Eine Saison ist lang, man darf sie nicht an einem Spiel messen. Unser Team hat Großartiges geleistet und einen Meilenstein gesetzt.“

 . . . das Verhältnis zu Dortmund vor dem Finale:  „Diese Partie wird sicher sehr emotional und interessant. Am Abend vor dem Spiel lädt der DFB traditionell zu einem Essen ein, und wir gehen da hin. Die Tischplatzvergabe ist dann Sache des DFB. Ich bin immer der, der das größte Interesse an einem vernünftigen Umgang hat. Ich habe kein Interesse an spanischen Verhältnissen, wie sie zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona herrschen. Es gehört zum Fußball, dass man sich mal fetzt, so war es ja früher auch mit Christoph Daum oder Willi Lemke. Das Finale wird ein Spiel mit offenem Ausgang. Dortmund hat neben uns die Bundesliga die letzten Jahre dominiert.“

 . . . Bastian Schweinsteiger und die WM:  „Seine Verletzung ist laut den Ärzten bis zur WM behoben. Ich habe selber drei Weltmeisterschaften gespielt, zwei davon war ich angeschlagen. Die Nationalelf braucht Schweinsteiger. Ich wünsche ihm, dass er in bester Verfassung nach Brasilien fährt und die DFB-Auswahl dort zu großen Taten führt. An der Debatte um seine Person hat sich nie jemand vom FC Bayern beteiligt. Er ist ein Typ, der offenbar polarisiert, aber er ist ein unheimlich verdienter Fußballer für den FC Bayern und die deutsche Nationalelf. Da würde ich mir schon etwas mehr Respekt wünschen.“

 . . . deutsche WM-Chancen: „Deutschland ist nicht unbedingt der Super-Favorit. Das ist aber ein Vorteil, weil das Druck vom Team nimmt. So kann man leichter überraschen. Die Chancen auf das Halbfinale sind gut, und dann kommt es darauf an, ob man Glück mit dem Gegner hat.“

 . . .Pep Guardiola: „Ich sehe ihn sehr motiviert. Er will dieses Double unbedingt. Gegen Real hatten wir einen schlechten Tag. Es ist aber auch etwas kurios, wenn man sieht, dass Madrid seit dem Triumph bei uns in der spanischen Meisterschaft gestrauchelt ist. Es ist wohl nicht so leicht, Spannung zu halten.“

 . . .die Rückkehr von Holger Badstuber: „Wir sind glücklich, dass er seine eineinhalb Jahre lange Leidenszeit überstanden hat. Ich bewundere diesen Burschen, er hat zwei Kreuzbandrisse weggesteckt, das kann nur nachvollziehen, wer selbst schwer verletzt war. Charakterlich ist er unglaublich. Er wird auf Niveau zurückkommen, aber er braucht natürlich Geduld. Es ist wichtig für seinen Kopf, endlich wieder mit der Mannschaft trainieren zu können. Bis er wieder im Rhythmus ist und Sicherheit hat, wird es sicher noch ein paar Monate dauern. Aber wir haben alle Geduld mit ihm. Für uns ist er ein echter Neuzugang.“

 . . . das neue Jugendzentrum:  „Momentan stehen acht Eigengewächse in unserer ersten Mannschaft, das ist eine wichtige Säule. An der Säbener Straße platzen wir aus allen Nähten, wir dürfen da nichts mehr errichten. Bei dem Areal an der Ingolstädter Straße sind wir in guten Gesprächen mit der Stadt, es soll unter anderem auch ein Internat entstehen. Ich denke, das Projekt wird in zweieinhalb bis drei Jahren fertiggestellt.“

Andreas Werner

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