München - Der verletzte Bastian Schweinsteiger wird Bayern erneut viele Wochen fehlen – die Balance im Mittelfeld ist wieder dahin.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Nachdem Bastian Schweinsteiger gestern Vormittag die niederschmetternde Diagnose Außenbandriss im Sprunggelenk vernommen hatte, brachte er trotzdem noch die Kraft für ein kleines Versteckspiel auf. Vor der Praxis von Bayern-Arzt Hans Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte sich eine Medienschar postiert, und als ein Mann auf Krücken zur Tür heraushumpelte, klickten die Fotoapparate, surrten die Objektive. Der dicke Schal, den Schweinsteiger morgens beim Reingehen um den Hals gewickelt hatte, vermummte das Gesicht des Patienten, an dessen Seite unverkennbar Sarah Brandner schritt, die Partnerin von Schweinsteiger. Es handelte sich aber um Tobias Schweinsteiger, seinen Bruder, der für Regensburg kickt. Der „echte“ Schweinsteiger entschwand unbemerkt.
Die beiden Brüder werden in den nächsten Wochen aber unschwer zu unterscheiden sein. Bastian Schweinsteigers rechtes Sprunggelenk steckt seit gestern in einem Gips, den nach sieben Tagen Tragezeit ein Spezialschuh ersetzen soll. Über die Länge der Pause wollte Müller-Wohlfahrt keinerlei Prognosen abgeben, doch ein paar Wochen werden Regeneration und Reha sicher in Anspruch nehmen.
Niedermaier hatte sich unmittelbar nach der Partie in Richtung Bus des FC Bayern aufgemacht. Es täte ihm wirklich Leid, stammelte der Ex-Münchner später, das Gleiche habe er auch seinem Opfer gesagt. Die Reue wirkte glaubhaft, doch das alles wird die Bayern wenig trösten. Der Ausfall trifft sie zur Unzeit, und auch wenn das Spiel in Stuttgart ohne Schweinsteiger souverän lief, trübt diese Hiobsbotschaft das Betriebsklima doch empfindlich. Die vergnügten Spielanalysen von Franck Ribery und Co. verstummten in den Katakomben des Stuttgarter Stadions abrupt, als sich der Nationalspieler auf Krücken den Weg zum Bus bahnte. Als er sich im November mit gebrochenem Schlüsselbein ins Lazarett verabschiedet hatte, hatte er damals auch gleich noch Spielfluss, Tempo und Selbstvertrauen mitgenommen.
Die eben erst wieder neu entdeckte Balance im Mittelfeld sieht sich mit Schweinsteigers Ausfall einem neuerlichen Härtetest ausgesetzt. Es wäre „fatal, wenn Bastian länger pausiert“, hatte Heynckes am Mittwochabend geklagt, keine 24 Stunden später konfrontierte das Schicksal den Coach mit dem Horrorszenario. Etwas Hoffnungsschimmer im düsteren Augenblick strahlten die Leistungen von David Alaba und Luiz Gustavo aus, die als neu formierte „Doppel-Sechs“ überzeugten. Alaba bescheinigte Heynckes ein „Klassespiel“, und dem Brasilianer eine „überragende Leistung“. Kritische Stimmen dürften dem allerdings hinzufügen, dass die Stuttgarter vom Mittwoch wirklich nicht als Gradmesser dienen können.
Heynckes wird die nächsten Tage brüten über der neuen Mittelfeld-Formation. Drei Eckpfeiler hatten sich eigentlich als unverrückbar empfohlen: Ribery ist links über jeden Zweifel erhaben, Toni Kroos auf der „10“ der ideale Partner für den Franzosen, und auch Thomas Müller bewies, dass er sich auf der rechten Außenbahn besser einbringen kann als in der Mitte. Doch nach Schweinsteigers Ausfall ist der nächste Rollentausch wohl unumgänglich. Diesmal zur Abwechslung mal wieder nicht vor der Praxis von Müller-Wohlfahrt. Sondern mitten auf dem Platz.
Von Andreas Werner
Rubriklistenbild: © Getty
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