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FC St. Pauli feiert Sieg über FC Bayern

Verrückt! St. Pauli feiert alten Sieg über Bayern

Hamburg - Die "Weltpokalsiegerbesieger" feiern auch zehn Jahre nach ihrem Triumph über den FC Bayern noch. Zum Jubiläum sehen die Helden von damals das Spiel durch die Vereinsbrille.

© Getty

So feierten die Fans des FC St. Pauli den Sieg am 6. Februar 2002.

Das Spiel hat längst begonnen, als Stadionsprecher Rainer Wulff noch ein paar mahnende Worte an die Fans richtet. Man möge doch bitte keine Bananen mehr auf Bayern-Torwart Oliver Kahn werfen. „Das ist unter dem Niveau, das wir hier sonst gewohnt sind“, sagt Wulff. Seine Worte sind der Anfang eines Stücks Fußball-Geschichte. Ach was, auf St. Pauli haben sich die folgenden 90 Minuten längst zu einem Mythos verdichtet, von dem sie noch ihren Enkeln erzählen werden.

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Gut 500 Fans sind am späten Montagabend ins „Knust“ gekommen, um sich noch einmal zu erinnern. An diesen 6. Februar 2002, als die kleinen Kiezkicker die großen Stars des FC Bayern am zugigen Millerntor empfingen - und sensationell gewannen. Mit 2:1. 2:1 gegen den deutschen Meister und Champions-League-Sieger, 2:1 gegen den ruhmreichen FC Bayern. Die legendären Weltpokalsiegerbesieger waren geboren, die Reeperbahn bebte. „Dieses Spiel, dieser Sieg bleibt für die Ewigkeit“, sagt Holger Stanislawski, einer der Helden von einst, mit ungewohntem Pathos in der Stimme.

Zehn Jahre danach haben die Anhänger der Braun-Weißen die krummen Südfrüchte zu Hause gelassen, dafür aber umso mehr Stolz mitgebracht. Natürlich freuen sie sich noch immer wie die kleinen Kinder über den Sieg gegen die arroganten Bayern, feiern ihre Stars bei jeder gelungenen Aktion, die über eine der beiden Großbildleinwände flimmert, und stimmen die Gesänge von damals an.

Irgendwie feiern sie sich auch selbst, aber ganz besonders den Mythos des Vereins, der immer auch ein bisschen anders sein will als die anderen. Den Mythos von den Freibeutern der Liga, die gegen das Recht des Stärkeren und das Gesetz des Geldes kämpfen. Den Mythos der Rebellion, den Mythos vom Underdog, vom Auflehnen der Milieunäre gegen die Millionäre.

„Das ist so herrlich bekloppt hier. Sich das Spiel nach zehn Jahren noch einmal anzuschauen und eine große Party daraus zu machen - bei welchem anderen Klub gibt es das denn“, sagt ein Fan, „das ist einfach geil.“ Für viele St. Pauli Anhänger rangiert der Sieg über die Bayern in den Geschichtsbüchern gleich hinter dem Wunder von Bern und dem Wembley-Tor.

Im Überschwang der alten Bilder legt auch Nico Patschinski seine falsche Bescheidenheit ab. „In der ersten Hälfte haben wir die Bayern ja an die Wand gespielt“, sagt der ehemalige Stürmer, der nach dem ersten Treffer von Thomas Meggle noch vor der Pause das 2: 0 erzielte, „wir hätten sicherlich noch höher führen können.“

Am Ende stand aber auch so das Wunder. Groß gefeiert wurde trotzdem nicht. „Wir haben nach dem Spiel gar nichts gemacht. Das Problem war, dass wir drei Tage später auf Schalke gespielt haben und unbedingt gewinnen wollten“, berichtet Patschinski, „wir haben uns da sehr gut verkauft, bis wir 0:4 zurückgelegen haben.“ Nur Wochen später stieg St. Pauli als Tabellenletzter ab.

Doch es bleiben die Erinnerungen an diesen Abend im Februar 2002. Und die ebenso legendären Weltpokalsiegerbesieger-Shirts. Knapp zwei Wochen nach dem Spiel waren die auf dem Markt. Erste Auflage: 400 Stück. Noch immer gehen jedes Jahr mehrere Tausend Exemplare über den Ladentisch, insgesamt wurden bisher rund 100.000 verkauft - alle in der braunen Vereinsfarbe.

Nur Sekunden nach dem Abpfiff bricht die Übertragung im Knust ab. Die Fans stoßen noch einmal an und können nicht mehr sehen, was danach passierte. Patschinski rannte von Tribüne zu Tribüne und feierte mit den Fans. Dabei schnappte sich der Spaßvogel eine der neben dem Spielfeld liegenden Bananen und aß sie auf.

sid

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