Der verrückte Bayern-Fan: 1000 Kilometer zur Allianz Arena marschiert 

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    • 25.07.13
    • FC Bayern
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Der verrückte Bayern-Fan

1000 Kilometer zur Allianz Arena marschiert

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München – Durch Kroatien, über die Alpen. Zu Fuß. Und das nur für den FC Bayern. Für Vahid Cehaja sind die Roten das Größte auf der Welt. Die Geschichte eines unfassbaren Abenteuers.

Am Ziel der Träume: Vahid Cehaja (r.) und sein Freund Mijo Lucic vor der Allianz Arena. foto: privat

Am Ziel der Träume: Vahid Cehaja (r.) und sein Freund Mijo Lucic vor der Allianz Arena. foto: privat

Es regnet nicht. Es schüttet. Der Berg hier, irgendwo in den verdammten Österreicher Alpen, ist steil. Schon den ganzen Tag nervt er Vahid, aber er kämpft. Sein Trikot mit dem Emblem des Deutschen Rekordmeisters ist durchnässt, die Schuhe haben Löcher, die Gelenke sind geschwollen. Es ist zum schreien. Zehennägel? Was sind das für Dinger? Die meisten sind abgestorben, abgefallen. Aber was soll’s. FC Bayern, Stern des Südens. Du wirst niemals untergehen.

Vahid ist aus einem kleinen Nest namens Vesela, Bosnien. Und er hat ein Ziel: die Allianz Arena in München, Deutschland. Die Heimat seines geliebten FC Bayern. Erlaubte Hilfsmittel: die eigenen Beine. Und er hat es geschafft. 42 Tage, 42 Nächte, 960 Kilometer und drei Paar Schuhe später steht er vor dem Schlauchboot im Münchner Norden.

Rückblick. Es ist der 22. Mai 2010. Vahid Cehaja, damals 41, glücklich verheirateter Familienvater, ist nervös. Gleich spielt sein FC Bayern gegen Inter Mailand im Finale der Champions League. Das Spiel schaut er mit seinen Freunden und Verwandten, als ihm die verrückteste, dümmste, genialste Idee seines Lebens kommt: „Wenn Bayern zum fünften Mal die Champions League gewinnt, gehe ich zu Fuß nach München. Durch fünf Länder, für jeden Titel eins. Bosnien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Deutschland.“ War er betrunken? Ausgeschlossen. Vahid ist Moslem, Alkohol ist tabu. War er ein treuer Fan? War er. Und er ist es immer noch. An diesem Abend klappte es aber nicht. Ein Typ namens Diego Alberto Milito, von dem man seitdem nie wieder so wirklich was gehört hat, ballerte die Bayern ins Tal der Tränen. In dem befand sich auch Vahid. An diesem Abend und auch an dem Abend, als die Münchner das Finale dahoam vergeigten.

Im Nachhinein waren diese Pleiten der Türöffner für die perfekte Saison 2012/2013. Bayern holte sich das Triple – und zum fünften Mal den Pott. Für Vahid bedeutete das: Freudentränen.

Und es bedeutete: Aufbruch. Drei Wochen nach der bayerischen Gala sind die Sachen gepackt. Bayernshirts, Trainingshosen mit dem Logo, eine rote Mütze, zwei Paar Schuhe, ein Kulturbeutel. Der unfassbare Trip startet. Vahid hält Versprechen ein. Es ist der 10. Juni, als er aufbricht. Sein 45. Geburtstag. Bei einer Party hat er sich von Freunden und Familie verabschiedet. Er weiß, dass das kein Zuckerschlecken wird. Das wird mindestens so hart wie das Finale gegen Dortmund. Er wird mindestens solche Krämpfe haben wie Thomas Müller nach seinem 4:0 im Halbfinal-Hinspiel gegen Barcelona. Egal. Für die Bayern tut Vahid Cehaja alles.

Seit seiner Kindheit verehrt er die Roten. Mijo Lucic sei Dank. Er lebte früher auch in Vesela, ehe es ihn 1969 nach München verschlug. In die Heimat kehrte er aber immer wieder zurück. Mit im Gepäck: Schals, Trikots und Wimpel vom FC Bayern. Vahid hat das gefallen. „Und das hat sich nie geändert“, sagt der 66-jährige Mijo heute. Genauso wie die Freundschaft der beiden. Obwohl sie Hunderte Kilometer trennen. Obwohl Mijo 21 Jahre älter ist. Obwohl er Kroate ist und Vahid Bosnier.

Bei unserem Treffen sitzen die beiden gemütlich in einem Café am Marienplatz, reden über die unglaubliche Reise. Vahid ist braungebrannt, wirkt ausgemergelt. Kein Wunder, er hat 13 Kilo bei dem Marsch verloren. Seine Bayern-Mütze trägt er falsch herum. Vahid spricht nur wenig deutsch und englisch, deshalb übersetzt Mijo, ein gemütlicher Rentner mit kurzem grauen Haar und einem freundlichen Lachen das schnelle Bosnisch. „Ich nenne ihn auch gerne Salihamidzic. Der hat auch so schnell geredet. Und er kommt aus der Nähe unserer Heimat.“ Geschlafen hat Vahid oft bei Freunden oder Verwandten. Wenn das nicht ging, hat er in Raststätten übernachtet. Für die Reise hat Vahid, der eigentlich Sicherheitsbeauftragter der 3000-Seelen-Gemeinde im westlichen Bosnien ist, lange gespart. Aber auch Mijo half seinem alten Freund etwas aus. Das Busticket für die Fahrt zurück nach Bosnien hat er bezahlt. „Zu Fuß lasse ich ihn nicht mehr nach Hause, schau’ dir das doch mal an“, meint Mijo und lacht laut. Er zeigt auf Vahids Sohlen. Sie sind eine einzige Blase. Er schwört darauf, nicht geschummelt zu haben. Beim Anblick der Füße wird klar – er hat Recht.

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Aber für Vahid hat es sich gelohnt. Ein Traum hat sich erfüllt. „Er hat sein Idol Uli Hoeneß getroffen“, erklärt Mijo. Noch besser: Ihn abgebusselt. Schnell zeigt er ein Foto vom Trainingsgelände an der Säbener Straße, das Mijo und er besucht haben. Und tatsächlich. Ein sauberer Knutscher auf die rechte Wange. Vahid, was passiert, wenn Bayern zum sechsten Mal den Henkelpott holt? Freudentränen gibt’s sicher wieder. Mijo Lucic ist überzeugt: „Aber so eine Reise nicht mehr. Das hier, das ist nur einmal im Leben.“

Alexander Kaindl

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