Immerhin ins Bamberger Liedgut sind die Basketballer des FC Bayern bislang dann noch nicht vorgedrungen. Die Klubhymne „Ein Stern, der über Bamberg steht“ enthält zwar einen schönen Gruß an den alten Rivalen aus Berlin („Noch in 1000 Jahren werden wir Alba schlagen“) – die neue Großmacht aus dem Süden hat man in Oberfranken zumindest kulturell noch nicht auf dem Schirm.
Sportlich dürfte es spätestens seit Donnerstag anders aussehen. Zumindest brachten die Bayern der erfolgsverwöhnten Basketball-Hochburg zum ersten Mal eine richtig schmerzliche Niederlage bei. Das Team von Trainer Svetislav Pesic („Wir fahren nicht dorthin um zu verlieren“) gewann das Pokal- Viertelfinale in der Bamberger Arena vor allem dank einer herausragenden ersten Halbzeit mit 77:69 (45:22) und machte den Nordbayern damit bereits jetzt den Traum vom vierten Double in Serie zunichte. Sie und nicht der Titelverteidiger spielen am 23./24. März in Berlin mit Ulm, den Artland Dragons und Gastgeber Alba Berlin um den BBL-Pokal.
Vor dem Start hatte es aus Münchner Sicht ja vor allem eine bange Frage gegeben: Würden die zuletzt grippekranken Rückkehrer Tyrese Rice und Brandon Thomas schon wieder in der Lage sein, der Mannschaft die so dringend benötigten Impulse zu geben? Pesic („Für uns kommt dieses Spiel nicht gerade zur richtigen Zeit“) wollte es auf die Antwort offenbar nicht ankommen lassen, der Bayern-Coach vertraute zunächst lieber dem Personal, das sich zuletzt bei den Charaktertests in Braunschweig und gegen Frankfurt so bemerkenswert bewährt hatte.
Und das war nicht die schlechteste Idee, denn Steffen Hamann, Demond Greene und Kollegen erwischten einen grandiosen Start in die, mit so viel Spannung erwartete Partie. Entnervten Bambergs Titelhamster mit bissiger Defensive. Und nach vorne demonstrierten sie das, von Pesic so eindringlich geforderte schnelle Umschaltspiel. Großer Nutznießer war vor allem Chevon Troutman, der alleine im ersten Viertel (25:15) gleich neun seiner 14 Punkte sammelte. Doch auch Tyrese Rice (9, am Ende 16) und Demond Greene (8/2 Dreier) mischten kräftig mit, beim munteren Punktesammeln bis zur Pause. 45:22 lautete der Zwischenstand vor dem Wechsel. Das war eine schallende Ohrfeige für den völlig überrumpelten Titelverteidiger, der in den letzten drei Jahren national gerade einmal ein Heimspiel (im vorjährigen Playoff- Viertelfinale gegen Bonn) verloren hatte. Die gefürchtete Franken-Hölle mit ihren 6800 Basketball-Enthusiasten war da längst zum kühlen Höllchen geworden.
Die Reaktion der Gastgeber musste kommen. Und die bis dahin so fahrigen Bamberger (13 Ballverluste) versuchten ihr Heil über mehr Aggressivität und über den bis dahin komplett versperrten Weg unter den Korb. Das zeigte Wirkung: der famose US-Boy Casey Jacobsen (20), Anton Gavel (15) & Co zeigten endlich die Qualitäten eines dreimaligen Double-Gewinners und ließen den Münchner Vorsprung kontinuierlich schmelzen. Schon vor dem Schlussviertel betrug er nur noch acht Zähler (57:49). Doch mehr als Spannung vermochten die Baskets Bamberg nicht mehr in dieses Spiel zu bringen. Die konzentriert und kampfstark aufspielenden Bayern brachten den unter dem Strich hoch verdienten Pokalerfolg mit Glück und Geschick ins Ziel.
Patrick Reichelt
















